BücherkistezAufi

Tom-Clancy-Thriller: Auf der Hatz nach der Super-KI

Tom Clancys "Gefahr im Verzug". Umschlagbild: Heyne
Tom Clancys „Gefahr im Verzug“. Umschlagbild: Heyne

In „Gefahr im Verzug“ wetteifern Amerikaner und Chinesen um eine omnipotente Künstliche Intelligenz

Eine indonesische Spielesschmiede will ihre Action-Shooter realistischer machen und entwickelt dafür eine Künstliche Intelligenz (KI), die überraschend leistungsfähig ist. Als die Entwickler mitbekommen, welches Gold sie da auf den Festplatten geschaffen haben, werden sie gierig und versuchen ihre „Calliope“ auf dem freien Markt an den Meistbietenden zu verticken. Die Geheimdienste und Gangster weltweit bekommen rasch mit, was das im Angebot ist. Chinesen und Amerikaner starten daraufhin einen gewalttätigen Wettlauf um die Super-KI, in den bald auch konkurrierende Militärs in Peking, die CIA, korrupte Polizisten, Auftragsmörder und andere Mitstreiter einsteigen.

Ex-Agent Jack Ryan funkt dazwischen

All dies ist Anlass genug, auch Jack Ryan – den einst von Tom Clancy (1947-2013) geschaffenen Geheimdiensthelden, der inzwischen US-Präsident geworden ist – wieder in den Action-Modus zu versetzen. Wie das ausgeht, hat der amerikanische Autor Marc Cameron anstelle des verstorbenen Tom Clancy im neuen Spionage-Thriller „Gefahr im Verzug“ aufgeschrieben, der nun in einer deutschen Übersetzung vorliegt.

Spannende Action in einer schwarz-weiß gestrickten Welt

Er bietet das, was die Fan-Gemeinde von Jack-Ryan-Büchern erwartet: Aktionsreiche Kost und Intrigen, die um den ganzen Globus reichen und die USA in einem permanenten Krisenmodus halten. So eben, als ob der Kalte Krieg nie ein Ende gefunden habe, sondern nur Russland durch den neuen Lieblingsgegner China ausgetauscht worden wäre. Da kommt es weniger auf sprachlichen Schliff, vielmehr auf Militär-Sprech und klare Feindbilder an. Und eine Welt voller Klischees, Patriotismus und Waffennarretei, in denen der Hass dem Chinesischen im Blute und im Herzen liegt, in denen echte Männer Baseball spielen und große Wummen haben, in denen andere Staaten Hochtechnologie-Produkte nur dann besitzen, wenn sie die Ideen dafür vorher den Amerikanern geklaut haben.

Allerdings wird auch der gemeine europäische Leser, dem diese Strickart etwas bizarr vorkommt, zugeben müssen: Wie schon Tom Clancy versteht es auch sein Erbfolger, spannende Geschichten zu erzählen, die zu fesseln vermögen. Zudem setzt Marc Cameron auch ein paar eigene Akzente: Bei ihm haben beispielsweise gelegentlich auch die Frauen große Wummen und es gibt gelegentlich auch im Feindeslager fähige Menschen, die Sport, militärische Tugenden und die Familie hochhalten und damit einer gewissen Achtung wert sind.

Fazit:

Wer spannende Action-Kost sucht und nicht bei jedem Klischee gleich aussteigt, wird den neuen Clancy-Cameron-Roman in einem Zuge durchlesen. Ein Pageturner eben.

Kurzüberblick:

  • Titel: „Gefahr im Verzug“
  • Originaltitel: „Code of Honor“ (2019)
  • Autor: Marc Cameron (in Anlehnung an Tom Clancy)
  • Übersetzung: Aus dem Amerikanischen von Karlheinz Dürr und Reiner Pfleiderer
  • Genre: Spionagekrimi
  • Preis: Papierausgabe 26 Euro, E-Buch 20 Euro
  • Verlag: Heyne
  • Deutsche Veröffentlichung: 2024
  • ISBN: 978-3-641-32783-5
  • Eine Leseprobe gibt es hier.

Autor der Rezension: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Tom Clancys „Jagd auf Roter Oktober“

Jungagent Jack Ryan rettet den Dollar

„Red Rabbit“ und das Papstattentat

Adapter im Jack-Ryan-Stil

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger