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Dresden will Öko-Trends in der Mikroelektronik setzen

Früher hat TSMC immer nur Fabriken in Asien - hier die Fab16 in China - betrieben. Inzwischen stehen auch Chipwerke in Japan, den USA und in Deutschland auf der Agenda. Abb.: TSMC
TSMC-Fab16 in China. Mit der Chipfabrik in Dresden will TSMC nun ökologische Maßstäbe setzen. Abb.: TSMC

Chipfabriken von TSMC und Infineon sollen in Bau und Betrieb umweltfreundlicher werden.

Dresden, 13. Dezember 2024. Die neue Chipfabrik, die TSMC gemeinsam mit Bosch, Infineon und NXP in Dresden baut, soll ein vergleichsweise umweltfreundliches Halbleiter-Werk werden. Das hat der Chef der europäischen Betreibergesellschaft „ESMC“, Ray Chuang, angekündigt. Das Gemeinschaftsunternehmen werde dafür „sowohl bestehende als auch innovative Techniken nutzen, um die Umwelt zu schonen.“ Dazu gehören laut Chuang eine energieeffiziente Bauweise, Wasserrückgewinnung und eine Zertifizierung nach dem Standard „Führerschaft in energie- und umweltgerechter Planung“ (englisch: LEED).

In Dresdner Fab 4 will Infineon ganz auf Erdgas verzichten

Zuvor hatte bereits Infineon angekündigt, seine vierte Chipfabrik in Dresden, die sich bereits im Bau befindet, ebenfalls besonders umweltfreundlich zu bauen und zu betrieben. So will Infineon beispielsweise im Werkmodul 4 erstmals auf Erdgas verzichten und statt dessen unerwünschte Prozessabgase und andere Abprodukte mit Plasmabrennern entsorgen. Auch Wärmetauscher, Solaranlagen und umweltfreundlichere Baustoffe sollen die Ökobilanz der Fabrik verbessern. Insofern exerzieren die Halbleiter-Konzerne in der sächsischen Landeshauptstadt beispielhaft den Trend zur „nachhaltigen“ Megafab vor – und wollen damit auch international Maßstäbe setzen.

50-prozentiger Bundeszuschuss nun vertraglich besiegelt

Derweil sind nun auch die finanziellen Weichen für die Fabrik der Taiwanesen in Dresden gestellt: Nachdem die EU-Kommission bereits im August 2024 die deutschen Subventionen für die TSMC-Ansiedlung im Grundsatz genehmigt hatte, haben Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und die ESMC-Partner die Zuschüsse heute auch vertraglich besiegelt. Insgesamt wird die gemeinsame Tochtergesellschaft der beteiligten Chipkonzerne demnach fünf Milliarden Euro Subventionen bekommen – also die Hälfte der geplanten Gesamtinvestition in Dresden.

Hanebeck: Dresden baut Position als eines der wichtigsten Halbleiterzentren der Welt aus

Die Wirtschaftspolitiker von der kommunalen Ebene bis hinauf zur EU-Kommission hoffen, dass sich diese Beihilfen in mehrerer Hinsicht auszahlen. Die Fabrik von TSMC/ESMC schaffe „Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Innovationen“, betont Habeck. „Wir machen uns dadurch wettbewerbsfähiger, unabhängiger vom globalen Markt und investieren nachhaltig und langfristig in unsere digitale Zukunft.“ Konkret sollen 2000 neue Jobs im Werk selbst entstehen, weitere 11.000 im Umfeld. Zudem bringt TSMC als Weltmarktführer für Chip-Auftragsfertigung neue Spitzentechnologien mit nach Europa. Durch die neuen Fabriken von TSMC/ESMC und von Infineon baue Dresden „die Position als eines der wichtigsten Halbleiterzentren der Welt weiter aus“, schätzt Infineon-Konzern-Chef Jochen Hanebeck ein. Ganz abgesehen davon könnte auch der Ökotrend beim Chipfabrik-Bau, wie ihn Sachsen nun vormacht, womöglich international Schule machen.

Und: Nach den schweren Lieferketten-Störungen, wie sie Corona, Suezkanal-Unglück, Piraten und andere Auslöser mit sich gebracht hatten, soll das Werk künftig die innereuropäischen Nachschub-Wege an Schaltkreisen für Autos und fürs Internet der Dinge stärken. Auch fiskalisch soll sich das Ganze lohnen: Nach zirka zehn bis 15 Jahren könnten sich laut einer Studie für die Wirtschaftsförderung Sachsen auch die Subventionen in Form von Steuerrückflüssen, Sozialabgaben und gesparten Sozialleistungen für den Staat selbst rentieren.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: BWMK, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger