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Jeder 5. Betriebe rechnet mit Stellenabbau, wenn Mindestlohn auf 14 € steigt

Seit 1. Januar 2015 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt
Mit 8,50 Euro war der deutsche Mindestlohn am 1. Januar 2015 gestartet. Inzwischen liegt er bei 12,41 Euro Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

IAB-Studie vorgestellt

Nürnberg, 22. Oktober 2024. Sollte die Regierung den Mindestlohn weiter so rasch erhöhen wie zuletzt, drohen starke Jobverluste: Bei 14 Euro Mindestlohn erwartet ein Fünftel der Betriebe einen Beschäftigungsrückgang. Darauf hat eine Studie des arbeitsagentur-nahen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus Nürnberg ergeben.

Je weniger die untersten Einkommensgruppen in den jeweils befragten Betrieben verdienen, desto eher gehen sie davon aus, dass eine Erhöhung des Mindestlohns auf 14 Euro zu einer Abnahme der Beschäftigung führen würde, berichtet das IAB: „Bei Betrieben, deren unterste Lohngruppe derzeit den Mindestlohn von 12,41 Euro verdient, würde fast jeder dritte einen Beschäftigungsrückgang erwarten.“ Besonders betroffen wären wahrscheinlich wieder ostdeutsche Unternehmen.

58 % der Betriebe haben Mindestlohn-Arbeiter

Insgesamt beschäftigen 58 Prozent der Betriebe in Deutschland Arbeitskräfte, die weniger als 14,41 Euro verdienen. „Ein Mindestlohn von 14 Euro könnte über die Hälfte der Betriebe direkt betreffen – und damit auch weit mehr als die Mindestlohnerhöhung auf 12 Euro“, prognostiziert IAB-Forscher André Diegmann. „Es zeichnet sich ab, dass eine sprunghafte Erhöhung des Mindestlohns zumindest kurzfristig deutliche Auswirkungen auf die Lohnstruktur und die Beschäftigungserwartungen der Betriebe in Deutschland haben würde“, betont IAB-Forscher Erik-Benjamin.

Heil und DGB wollen weiteren Sprung auf 15 Euro

Bundes-Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte sich zuletzt über das eigentlich vorgesehene Procedere beim Mindestlohn – eine Entscheidung durch eine Kommission – hinweggesetzt und den Mindestlohn stark erhöht. Er liegt inzwischen bei 12,44 Euro und damit 46 Prozent über dem Startwert vor knapp zehn Jahren. Der größte Sprung war der nach dem Heil-Eingriff: binnen anderthalb Jahren stieg der Mindestlohn von 9,60 Euro in der Corona-Zeit auf 12 Euro im Herbst 2022. Nun will Heil den Unternehmen noch mal eine starke Lohnerhöhung verordnen und den Mindestlohn um ein weiteres Fünftel auf 15 Euro erhöhen. Auch der „Deutsche Gewerkschaftsbund“ (DGB) hat sich diese Forderung zu Eigen gemacht.

Ein solcher Sprung dürfte die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft allerdings empfindlich treffen: Die stagniert, schrumpft in einigen Segmenten sogar, und baut inzwischen – trotz Fachkräftemangel – auch Stellen ab.

Autor: hw

Quellen: IAB, Oiger-Archiv, DGB

Wissenschaftliche Publikation:

„14 Euro Mindestlohn: Rund ein Fünftel der Betriebe erwartet einen Beschäftigungsrückgang“ von Börschlein, Erik-Benjamin; Diegmann , André, in: „IAB-Forum 21“, Oktober 2024, https://www.iab-forum.de/14-euro-mindestlohn-rund-ein-fuenftel-der-betriebe-erwartet-einen-beschaeftigungsrueckgang/, Abrufdatum: 22. October 2024

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger