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Dresden baut für TSMC-Chipwerk sein Straßenbahn-Netz aus

Sensoren und KIs sollen durch "Vorausschauende Wartung" dafür sorgen, dass Straßenbahnen in Sachsen künftig seltener ausfallen und Wartungskosten sparen. Foto: DVB
Foto: DVB

Neue Trasse soll auch Halbleiter-Werke von Bosch, Globalfoundries & Co. besser erschließen

Dresden, 21. Oktober 2024. Weil das TSMC-Gemeinschaftsunternehmen „ESMC“ seine erste europäische Chipfabrik im Dresdner Norden baut und dort ohnehin bereits Globalfoundries, Bosch und andere Halbleiter-Unternehmen ihre Werke betreiben, will die sächsische Landeshauptstadt mit Millionen-Investitionen ihr Straßenbahn-Netz aus. Das hat Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) angekündigt.

Baubürgermeister rechnet mit starker Nachfrage

„Mit der Ansiedlung des Unternehmens ESMC, das im Gewerbegebiet Rähnitz ein neues Halbleiterwerk in Betrieb nehmen wird, sowie den geplanten Erweiterungen der bestehenden Werke im Dresdner Norden steigt die Nachfrage nach einer zuverlässigen ÖPNV-Anbindung deutlich“, schätzt Kühn ein. „Diese Entwicklungen bringen zahlreiche neue Arbeitsplätze mit sich und erfordern eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur. Die Verlängerung der Linie 8 ist ein zentraler Baustein, um den Mitarbeitern und Anwohnern eine nachhaltige und umweltfreundliche Mobilität zu ermöglichen.“

Die Stadt Dresden und die DVB untersuchen drei Varianten, wie sich die Straßenbahn-Linie 8 zum neuen TSMC-ESMC-Chipwerk verlängern lässt. Karte und Grafik: LHD
Die Stadt Dresden und die DVB untersuchen drei Varianten, wie sich die Straßenbahn-Linie 8 zum neuen TSMC-ESMC-Chipwerk verlängern lässt. Karte und Grafik: LHD

Die 3 Varianten

Die Planer von Stadt und Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) untersuchen nun drei verschiedene Varianten für die neue Trassenführung:

Variante 1a: Vorerlenweg und Rähnitzer Allee Süd entlang der Wilschdorfer Landstraße

Diese Variante führt von der Haltestelle „Brunnenweg“ über den Vorerlenweg und die Rähnitzer Allee Süd. Sie verläuft weiter entlang der Wilschdorfer Landstraße bis zu den Gewerbestandorten Globalfoundries und ESMC. Vorteil dieser Variante ist eine direkte und relativ kurze Verbindung zu den Zielstandorten, die sowohl bestehende Wohngebiete als auch das Gewerbegebiet erschließt.

Variante 1b: Westlich entlang der A4 über Rähnitzer Allee Süd und Wilschdorfer Landstraße

Diese Route führt westlich entlang der Autobahn A4 und schließt ebenfalls an die Rähnitzer Allee Süd an, bevor sie sich weiter entlang der Wilschdorfer Landstraße bis zu den Gewerbegebieten erstreckt. Diese Variante bietet eine effiziente Verbindung für Berufspendler, könnte jedoch durch die Nähe zur Autobahn aufwendiger in der Umsetzung sein.

Variante 2b: Parallel der Boltenhagener Straße, mit A4-Querung und Anschluss an die Wilschdorfer Landstraße

Bei dieser Option verläuft die Trasse parallel zur Boltenhagener Straße und überquert die A4 nördlich von Hellerau, bevor sie weiter über die Rähnitzer Allee Süd zur Wilschdorfer Landstraße führt. Bei dieser Variante könnte der Verkehrsstrom an wichtigen Knotenpunkten entzerrt werden, sie erfordert jedoch umfangreiche Baumaßnahmen für die Autobahnquerung.

Wieviel die neue Trasse für die Straßenbahn 8, die derzeit Infineon anfährt, dann aber in Hellerau endet, kostet und wie lange der Bau kostet, wird davon abhängen, für welche Variante sich letztlich entscheidet. In jedem Fall ist mit mehreren Jahren Planungs- und Bauzeit sowie mehreren Millionen Euro Kosten zu rechnen. Übergangsweise ist angedacht, erst einmal eine Buslinie bis zum neuen TSMC-Werk zu verlängern. Bisher gibt es nur vergleichsweise umständliche Verbindungen per Bus und Bahn zu den Chipfabriken an der Wilschdorfer Landstraße.

Quellen: LHD, DVB, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger