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Niedersachsen wollen mobilen Laserdrucker für Mondhausbau ins All schießen

Der Moonrise-Laser am Robotorarm des Mondrover MIRA3D. Foto: LZH
Der Moonrise-Laser am Robotorarm des Mondrover MIRA3D. Foto: LZH

Moonrise-Roboter testet, ob sich Häuser per Laser wirklich aus Mondstaub erschmelzen lassen

Berlin/Hannover, 12. April 2024. Um zu testen, ob und wie sich Labore oder Wohnkomplexe für Raumfahrer gleich auf dem Mond automatisch aus Mondstaub hochziehen lassen, wollen die TU Berlin und das „Laserzentrum Hannover“ (LZH) einen mobilen Druck-Roboter zum Erdtrabanten schicken. Das „Moonrise“ genannte System soll Ende 2026 mit einem Raumschiff des US-Unternehmens „Astrobotic“ starten. Das haben beide Forschungseinrichtungen nun angekündigt.

Astrobotic-Vize erwartet „aufstrebende lunare Wirtschaft“

„Das Moonrise-Team testet eine Schlüsseltechnologie für künftige Aktivitäten auf dem Mond“, betonte Astrobotic-Vizepräsident Dan Hendrickson und sieht bereits eine „aufstrebende lunare Wirtschaft“ entstehen.

Video vom Ablauf (LZH/Moonrise):

Regolith als Universal-Baumaterial ins Auge gefasst

Das Konzept von Moonrise: Das Astrobotic-Raumschiff setzt den fahrbaren Drucker auf dem Trabanten ab. Der schmilzt dann mit einem speziellen Laser, den das LZH entwickelt hat, den Mondstaub („Regolith“) auf, der als lockere Stein-Staub-Schicht über Jahrmilliarden auf der lunaren Oberfläche entstanden ist. Aus der Regolith-Schmelze erzeugt der Lander dann probeweise zweidimenionale (2D) Strukturen auf der Mondoberfläche, die sich dort verfestigen. Damit wollen die Forscher erst einmal den Nachweis antreten, das Laserschmelzen auf dem Mond möglich ist. Später sollen dann auch 3D-Strukturen folgen.

KI soll bei Standortsuche und Q-Kontrolle helfen

„Künstliche Intelligenz wird uns nicht nur dabei helfen, einen geeigneten Ort auf der Mondoberfläche für das Laserschmelzen zu finden“, Benedict Grefen von der TU Berlin. „Sie soll außerdem während des Experiments eine Qualitätskontrolle der gedruckten Strukturen ermöglichen.“

Transport von Baumaterial zum Mond würde bis zu eine Million Dollar pro Kilo kosten

Die Versuche könnten ganz neue Perspektiven für die bemannte Raumfahrt eröffnen. Denn absehbar ist, dass Reisen von Menschen zum Mars wohl auf Zwischenstationen und Werften auf dem Mond oder im Erdorbit angewiesen sein werden. „Landeplätze, Straßen oder Gebäude aus Mondstaub vor Ort anzufertigen, würde enorme Transportkosten sparen“, argumentieren die Moonrise-Projektpartner. „Denn der Transport von Material von der Erde auf den Mond ist mit Kosten von bis zu einer Million Dollar pro Kilogramm sehr kostspielig.“

Die Visualisierung zeigt, wie eine mit 3D-Druckern erzeugte Mondbasis etwa aussehen könnte. Abb.: Foster
Die Visualisierung zeigt, wie eine mit 3D-Druckern erzeugte Mondbasis etwa aussehen könnte. Abb.: Foster/Esa

Bereits in der Vergangenheit hatte es Vorschläge gegeben, Mondbasen per 3D-Drucker gleich vor Ort aus Regolith zu erzeugen. Mit der Machbarkeit dieses Konzeptes hat sich unter anderem auch schon die europäische Raumfahrt-Agentur „Esa“ beschäftigt. Echte Praxistests stehen aber noch aus.

Autor: Oiger

Quellen: TU Berlin, LZH, Wikipedia, Oiger-Archiv, Esa

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger