Wegen Mindestlohn-Sprüngen: Ein Fünftel der Betriebe will Stellen streichen

Reserven sind aufgebraucht: Reaktion der Wirtschaft auf die neuen Mindestlohn-Sprünge fällt diesmal deutlicher aus
München, 2. Dezember 2025. Wenn die nächsten Mindestlohnsprünge gen 15-Euro-Marke kommen, die sich die SPD wünscht, wird jedes fünfte davon betroffene Unternehmen Stellen und Investitionen streichen. Das geht aus einer Ifo-Umfrage unter reichlich 4600 Unternehmen in Deutschland hervor.
Mindestlohn steigt fast dreimal so stark wie Tariflöhne
Konkret plant die Merz-Regierung auf Drängen Sozialdemokraten, den Mindestlohn von derzeit 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde zum Januar 2026 anzuheben. Das entspricht einem Zuwachs um 8,4 Prozent, während die Tariflöhne im Jahr 2026 voraussichtlich nur um drei Prozent zulegen. Ein Jahr später ist eine weitere Mindestlohn-Steigerung auf 14,60 Euro pro Stunde geplant. Zuvor hatte die Bundesampel auf Wunsch von Sozialminister Hubertus Heil (SPD) bereits von 9,50 (Januar 2021) auf zwölf Euro angehoben. Gestartet war die staatliche Vorgabe im Jahr 2015 mit 8,50 Euro Mindestlohn.
Die Anhebung des Mindestlohns in der aktuellen Phase der wirtschaftlichen Schwäche ist besonders schädlich
Ifo-Forscher Sebastian Link
Mittlerweile steckt die deutsche Wirtschaft seit etwa fünf Jahren in einer veritablen Multikrise: Industriebetriebe schließen oder werden nach Polen, China oder andere Länder verlagert. Und auch viele Bäcker, kleine Geschäfte, Handwerksbetriebe und Kleinunternehmen – viele davon in Ostdeutschland nach der Wende mit viel Mühe wieder aufgebaut – gehen pleite. Nun den Mindestlohn noch einmal zu erhöhen, würde die Lage weiter verschärfen, sind die Ifo-Ökonomen überzeugt: „Die anstehende Mindestlohnerhöhung zum Jahreswechsel stellt einen bedeutenden Lohnkostenanstieg für die betroffenen Unternehmen dar“, betont Ifo-Forscher Sebastian Link. „Die Reaktionen der Unternehmen zeigen, dass die Anhebung des Mindestlohns in der aktuellen Phase der wirtschaftlichen Schwäche besonders schädlich ist. Obwohl die Unternehmen ähnlich betroffen sind wie von der letzten großen Anhebung im Jahr 2022, planen sie häufiger mit Stellenabbau und Investitionskürzungen.“
Statt Erholung kam nach Corona die Bundesampel
Zumindest für Ostdeutschland ist zu vermuten, dass diese stärkere Reaktion auf die neuen Mindestlohn-Erhöhungen mit aufgebrauchten Reserven der ohnehin kapitalschwachen ostdeutschen Unternehmen zu tun haben: In der Corona-Krise hatten viele Betriebe viel Rücklagen aufgebraucht, um sich über Wasser und die Belegschaft halbwegs stabil zu halten. Doch statt eines Aufschwungs kam nach Corona die Bundesampel mit weiteren Bürokratielasten, Mindestlohnerhöhungen, Energiepreis-Steigerungen und weiteren Belastungen für die Wirtschaft. Damit ist die Kapitaldecke für viele Unternehmer so dünn und die Hoffnung auf eine Besserung so gering geworden, dass viele die Insolvenz vorziehen – oder eben nun doch Leute vor die Tür setzen beziehungsweise Investitionen streichen oder verschieben.
Multikrisen haben Rücklagen der Betriebe aufgebraucht – vor allem in Ostdeutschland
Konkret in der Ifo-Umfrage haben 22 Prozent der Betriebe angekündigt, Personal abzubauen. 28 Prozent wollen weniger investieren. „Jedes zweite betroffene Unternehmen plant, die Preise zu erhöhen“, berichten die Ökonomen. „Als weitere Folgen nennen die Befragten sinkende Gewinne und eine schlechtere Position im Wettbewerb.“ Betroffen sind vor allem Gastgewerbe, Einzelhandel, Textilhersteller sowie Nahrungs- und Genussmittelhersteller. „Am geringsten sind die Auswirkungen für das Baugewerbe, in dem ein höherer Branchenmindestlohn gilt“, betont das Ifo-Institut.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Ifo, Statistisches Bundesamt

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