Bundesbank setzt auf digitalen Euro

Tenor: Das Warten lohnt sich
Brüssel/Frankfurt am Main, 6. Oktober 2025. Europa braucht den digitalen Euro, um sich von den großen Internet-Finanzdienstleistern aus Übersee weniger abhängig zu machen. Das hat Bundesbanker Burkhard Balz auf einer Handelskonferenz in Brüssel gefordert. „Unsere übermäßige Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsanbietern ist nicht nur eine Herausforderung – sie stellt eine Gefahr für die Souveränität Europas dar“, warnte das Bundesbank-Vorstandsmitglied.
„Unsere Zahlungsinfrastruktur hat mit den Anforderungen des digitalen Zeitalters nicht Schritt gehalten. Fast zwei Drittel aller Kartenzahlungen im Euroraum hängen von außereuropäischen Anbietern ab. Dies ist nicht nur eine Statistik – es ist eine Schwachstelle, die unsere Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit in der Weltwirtschaft gefährdet.“
Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank
Damit reagierte Balz auf wachsende Kritik am langwierigen Versuch der Europäer, eigenes Digitalgeld zu schaffen. Die Europäische Zentralbank (EZB) laboriert nämlich schon seit Jahren an einem digitalen Euro als Antwort auf den digitalen Yuan in China, Kryptowährungen aus den USA und dominierende Digital-Zahlungsdienstleister wie Paypal. Mittlerweile wächst auch die Skepsis im ganzen Kredit- und Bankensektor: Der Prozess dauere viel zu lange, die Einführungskosten würden hoch ausfallen und längst gebe es Alternativen wie „Wero“.
Balz indes hält den digitalen Euro für vielversprechender. So werde der Digitaleuro so entwickelt, dass er besonders sicher und widerstandsfähig sei, auch offline nutzbar sei. Zudem biete er – wenn er kommt – sowohl Geschäftspartnern wie auch Endkunden einen klaren Mehrwert.
Bundesbank-Präsident: „Möglichst schnell handeln ist wichtig, damit Marktteilnehmer nicht auf Alternativen wie Stablecoins umsteigen“
Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte erst kürzlich dafür plädiert, diesen Pfad weiterzuverfolgen – aber auch für Tempo dabei plädiert. „Möglichst schnell handeln ist wichtig, damit Marktteilnehmer nicht auf Alternativen wie Stablecoins umsteigen“, warnte Nagel. So verfolge die EZB unter anderem mit dem Projekt „Pontes“ die Idee, bis Ende 2026 eine Pilotlösung zu starten, um eine „schnellen und pragmatischen Lösung anzubieten, um die hohe Marktnachfrage zu bedienen“. Der langfristige Ansatz „Appia“ hingegen ziele „auf ein innovatives und integriertes Finanzökosystem in Europa ab. Diese Lösung soll zudem global kompatibel sein.“
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Deutsche Bundesbank, Oiger-Archiv, Wikipedia, Heise

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