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Mehr Dioden-Licht: FAE Elektrotechnik Heidenau baut aus

FAE-Elektroniker Marc Thier prüft LED-Leuchten aus der hauseigenen Produktion. Foto: Heiko Weckbrodt
FAE-Elektroniker Marc Thier prüft LED-Leuchten aus der hauseigenen Produktion. Foto: Heiko Weckbrodt

Wie ein E-Techik-Betrieb heute tickt – mit eigener Leuchtenproduktion, Brennstoffzellen und Fachkräfte-Strategie

Dresden. Heiße LED-Effekte, computergesteuerte Haustechnik und Künstliche Intelligenz: Wer heute als E-Technik-Unternehmen bestehen will, muss sich mit innovativen Technologien von der Konkurrenz absetzen – als ungelernter Strippenzieher kann heute kaum ein Elektriker noch am Markt bestehen. Lutz Fleck und sein Team haben dieses Konzept von Anfang an verinnerlicht: Innovationsgeist und Qualitätsarbeit gelten in der Heidenauer „FAE Elektrotechnik“ als Leittugenden.

Durch LED-Sparte im Hause an der Qualitätsschraube drehen

Deshalb hat der studierte Nachrichtentechnik-Ingenieur das technologische Niveau und die Wertschöpfungskette in seinem Unternehmen seit der Gründung 1992 stetig ausgebaut. Ab 2018 zog Fleck sogar eine eigene LED-Leuchtenproduktion mit zugehörigem Metallbau, Bestückungsautomaten und anderen Fertigungsschritten auf. „Mein Qualitätsanspruch ist hoch und dazu passten viele der LED-Leuchten, die man zukaufen konnte, einfach nicht“, erklärt er diese Weichenstellung. „Was am Markt verfügbar war, hatte oft hohe Fehlerquoten, geringe Standzeiten, schwache Leistung. All das wollte ich meinen Kunden nicht zumuten. Deshalb haben wir auf mehr Fertigungstiefe gesetzt.“ Seither können die FAE-Elektriker für den Kunden ganz besondere Leuchten maßschneidern, warmes oder kühles Licht offerieren, allerlei Spezialeffekte einbauen – was der Auftraggeber eben gerade wünscht. Erst kürzlich haben die Heidenauer beispielsweise im Moritzburger Gestüt eine Tribünenheizung der besonderen Art installiert – ganz aus Infrarot-LEDs mit hoher Ausbeute. Sogar Tag- und Nachtwechsel können die FAE-Spezialisten mit ihren Leuchten simulieren, damit sich beispielsweise die Milchkuh im Stall wohler fühlt.

Belegschaft votierte für eigene Brennstoffzellen-Produktion

Ein anderes Beispiel für die Innovationsfreude der Heidenauer sind die hauseigenen Brennstoffzellen: Seit zehn Jahren entwickeln und bauen die FAE-Ingenieure abgasfreie Stromquellen auf Wasserstoffbasis, teils in Kooperation mit den Technischen Unis Chemnitz und Dresden. Die „Stacks“ genannten Herzstücke aus Reaktorstapeln mit Protonenaustauschmembranen (PEM) kauft FAE zu, stellt den Rest aber selber her. Gedacht sind die umweltfreundlichen Energiequellen der Kilowatt-Klasse beispielsweise für Elektro-Fahrzeuge und -Boote, aber auch als Stromversorgung für abgelegene Orte. Das Projekt erwies sich als komplexe Herausforderung: Immer wieder warb die Konkurrenz eingefuchste Ingenieure ab, einmal ging gar der Stack-Lieferant pleite. Fleck und sein Team ließen sich davon aber nicht unterkriegen und bauten „einfach“ noch mehr eigene Expertise auf.

Viele kleine Extras sorgen für Bindungskraft

Die Brennstoffzellen-Geschichte steht im Übrigen auch exemplarisch für die kooperative Unternehmenskultur in der FAE, bei der die Mitarbeiter mitreden dürfen, wo die Reise hingeht: „Wir haben uns damals gesagt: Wir wollen uns auch mit alternativen Energien beschäftigen, erzählt Fleck. Daraufhin setzte er einen „Kreativtag“ an, eine Art Ideenfindung in Klausur, bei dem sich Belegschaftsvertreter und Management gemeinsam für den Wasserstoff-Pfad entschieden.

Für Fleck ist das eine Frage des fairen Umgangs miteinander auf Augenhöhe: „Ich ermuntere die Mitarbeiter, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen“, sagt der Chef. Bei der FAE kümmere man sich umeinander und stehe zu seinem Wort. Das sorgt für Bindekraft im Unternehmen – aber auch kleine „Extras“ tragen dazu bei: Zuschüsse für Kita-Ausgaben gehören beispielsweise dazu, Job-Ticket und Job-Fahrräder, Jahreskarten fürs Fitnessstudio und dergleichen mehr.

Schwört auf sein Team: FAE-Chef Lutz Fleck. Foto: Heiko Weckbrodt
Schwört auf sein Team: FAE-Chef Lutz Fleck. Foto: Heiko Weckbrodt

„Fachkräfteprobleme kennen wir gar nicht“
FAE-Chef Lutz Fleck

Dazu kommt die aktive Fachnachwuchs-Akquise: „Wir gehen in die Schulen hier in der Gegend und stellen uns vor, sind auf der Karrierestart-Messe, bieten Schülerpraktika und Ferienarbeit an, geben jedem Azubi einen Paten an die Hand, unternehmen mit ihnen Kennenlerntage mit Wildwasser-Rafting“, zählt der Geschäftsführer auf. Den akademischen Nachwuchs gewinne die Firma beispielsweise durch Kooperationen mit Unis und der Dresdner Hochschule für Technik und Wirtschaft, durch studentische Angebote und dergleichen mehr. Folge: „Fachkräfteprobleme kennen wir gar nicht“, betont Fleck.

Alles begann in Opas Kohlenkeller

Generell hat sich sein unternehmerischer Kurs zwischen Innovation, Stetigkeit und sozialem Engagement seit der Wende ausgezahlt, sein Betrieb ist daran gewachsen. 1992 machte sich Fleck mit einem Trabi und einem Mitarbeiter selbstständig, die Anfänge erinnern ein wenig an die Garagenfirmen-Mythen aus dem Silicon Valley: „Für unser erstes Büro haben wir den Kohlekeller im Haus vom Großvater in Dohna ausgeschaufelt“, erzählt er. Der erste Auftrag war eine Elektroinstallation für ein regionales Planungsbüro. Danach wuchsen Ordervolumina und Belegschaft rasch. 2003 zog die Firma nach Heidenau um, dort folgten mehrere Ausbauten, in die Fleck insgesamt nach und nach über zwei Millionen Euro investierte.

FAE-Elektroniker Patrick Leuner verdrahtet einen Schaltschrank. Foto: Heiko Weckbrodt
FAE-Elektroniker Patrick Leuner verdrahtet einen Schaltschrank. Foto: Heiko Weckbrodt

Roboter-OP-Säle, Fraunhofer-Labore und Energieleitstellen

Denn auch die Nachfrage wuchs stetig: „Unser erster Millionenauftrag war 1997 eine recht anspruchsvolle Installation für das Max-Planck-Institut für chemische Physik fester Stoffe.“ Überhaupt waren es immer wieder die besonders ambitionierten Projekte, für die Fleck und seine Leute gefragt waren und sind: Seien es nun die Roboter-OP-Säle im Uniklinikum Dresden, die Laboratorien von Fraunhofer, Planck, TU & Co., Hochleistungsrechenzentren ebenso wie Krankenhäuser, Pferdegestüte, Schulen und auch die zentrale Sachsenenergie-Verbundleitstelle – überall steckt elektrische Expertise von FAE drin.

Weitere Millioneninvestitionen in Heidenau geplant

Angesichts der vielen Aufträge und neuer technologischer Herausforderungen plant Fleck bereits die nächsten millionenschweren Ausbaustufen in Heidenau: Wegen der großen Nachfrage für seine maßgeschneiderten LED-Leuchtlösungen will er seine Fertigungskapazitäten für dieses Geschäftsfeld erweitern. Außerdem will er die Systementwicklung rund um seine Brennstoffzellen vorantreiben. Auch setzt das Unternehmen in wachsendem Maße „Künstliche Intelligenzen“ (KI) ein und will diese Technologie künftig noch breiter nutzen. „Wir lernen unsere KI nun auch fürs Projektgeschäft an.“

Kurzporträt:

  • Unternehmen: „FAE Future and Electronics“
  • Geschäftsfelder: Elektroinstallationen, LED-Leuchten-Produktion, Brennstoffzellen
  • Sitz: Stammsitz in Heidenau, außerdem ein Hauptstadtbüro in Berlin
  • Belegschaft: ca. 190 Beschäftigte, vor allem Elektrotechniker, E-Ingenieure, Elektroniker, Mechatroniker und Maschinenbauer
  • Gründung: 1992
  • Mehr Infos im Netz: fae-elektrotechnik.de

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Besuch, FAE, Wikipedia, Oiger-Archiv

Hinweis: Dieser Text ist ursprünglich für die Dresdner Neuesten Nachrichten entstanden.

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger