IFR-Analyse: Kein Masseneinsatz humanoider Roboter absehbar

China setzt allerdings stark auf diese Karte
Frankfurt am Main, 18. August 2025. Menschenähnliche Roboter – sogenannte „Humanoide“ – sind zwar ein großes Trendthema in China und den USA, werden aber auf absehbare Zeit noch keinen massenhaften Einsatz erleben. Das hat die „Internationale Förderation für Robotik“ (IFR) in Frankfurt am Main in einem Positionspapier „Humanoid Robots – Vision and Reality“ eingeschätzt.
IFR-Präsident: Unsere Welt ist auf menschliche Anatomie zugeschnitten
„Futuristisch anmutende humanoide Roboter, die in unserem Zuhause, in Unternehmen und in der Öffentlichkeit arbeiten, faszinieren die Menschen“, betont IFR-Präsident Takayuki Ito. „Da die Welt, in der wir leben, auf den menschlichen Körper zugeschnitten ist, liegt die Idee eines schnellen, universellen Helfers in der Produktion und bei Dienstleistungen auf der Hand. Ob und wann es aber zu einer massenhaften Nutzung von Humanoiden kommen wird, bleibt ungewiss. Nicht zu erwarten ist jedenfalls, dass Humanoide in Zukunft die derzeit auf dem Markt befindlichen Robotertypen ersetzen. Stattdessen werden sie bestehende Technologien ergänzen und erweitern.“
Unterschiede zwischen USA, China, Europa und Japan
Besonders stark „gehypt“ wird das Thema einerseits durch Elon Musk in den USA, anderseits durch chinesische Wirtschaftspolitiker.
USA
In den Vereinigten Staaten arbeiten beispielsweise Nvidia, Amazon und Tesla an der Verbindung von KI- und Robotertechnologien, unter anderem in Humanoiden. Auch das Militär finanziert laut IFR einen Teil dieser Entwicklungen. „Das führt zu einer bedeutenden Start-up-Szene, die sich auf humanoide Roboter spezialisiert.“ Im Fokus steht der Einsatz in der Logistik, Autoproduktion und im Krieg.
China
Im Reich der Mitte nehmen die Humanoiden „eine zentrale Stellung in der nationalen Robotik-Strategie ein“, so die IFR. „Die Regierung möchte in diesem Technologiebereich Kompetenz und globale Wettbewerbsfähigkeit unter Beweis stellen. Der Einsatzschwerpunkt liegt dabei im Dienstleistungssektor, beispielsweise für die Kundenbetreuung. Die Automatisierung von Produktionslinien in der Fertigung und der Einsatz von Humanoiden, um weniger von menschlichen Arbeitskräften abhängig zu sein, scheint nur auf zweiter Ebene wichtig zu sein.“
Japan
Nippon galt immer als Vorreiter in diesem Technologie-Segment – erinnert sei an den humanoiden Roboter Asimo, den Honda bereits im Herbst 2000 präsentierte, und die Entwicklungen bei Kawasaki. Außerdem experimentieren angesichts des Fachkräftemangels auch Pflegeheime, Hotels, Restaurants und andere Dienstleister mit menschenähnlichen Robotern. „Roboter werden in Japan eher als Gefährten, denn als bloße Werkzeuge gesehen“, betonen die Studien-Autoren. „Humanoide Roboter wie Pepper und Palro sind demzufolge in erster Linie als Sozialroboter konzipiert.“
Europa
fokussiert sich dagegen – wie in vielen anderen neuen Technologiefeldern – vor allem auf die Risiken und ethischen Folgen beim Einsatz humanoider Roboter. Ein etwas weiterentwickeltes Feld ist hier die Kobotik, also die kollaborative Arbeit von Mensch und Roboter. „Die europäischen Unternehmen stehen dem Einsatz von Humanoiden generell eher zurückhaltend gegenüber, wenn es um die kurz- bis mittelfristigen Automatisierungsaufgaben im Fertigungs- und Dienstleistungssektor geht.“
Kommentar: Man darf wohl auf China wetten
Technologisch haben humanoide und tierähnliche Roboter in letzter Zeit enorme technologische Fortschritte gemacht, wenn etwa an die Robots von Boston Dynamics, den Tesla Optimus oder die jüngst präsentierten Zweibeiner aus China denkt. Und tatsächlich haben diese Zweibeiner mit zwei Armen, obzwar ziemlich aufwendig, eindeutige Vorteile hinsichtlich eines flexiblen Einsatzes, wie die menschliche Evolution gezeigt hat: Manch Automatisierungslücke wird sich kaum anders schließen lassen.
Dennoch sind noch zahlreiche Herausforderungen in puncto Zuverlässigkeit, Orientierung in unbekannten Umgebungen und nicht zuletzt Kosten zu lösen. Zumindest bei der Kostenfrage darf man gespannt sein, was die skalierungsfreudigen Chinesen mit ihrer Mischung aus Zentralverwaltungswirtschaft und privatem Unternehmertum da demnächst zu Stande bringen. In Europa muss man wohl eher mit neuen innovationserstickenden Regulierungen aus Brüssel rechnen.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: IFR, Wikipedia, Oiger-Archiv
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