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Japan behauptet Spitzenposition in Robotik

Die Fraunhofer-Ingenieure vom Enas-Institut in Chemnitz haben einem Yaskawa-Roboter beigebracht, Heizungen und andere elektrische und elektronische Strukturen auf Sitze und ähnliche gekrümmte Bauteile zu drucken. Foto: Fraunhofer-Enas

Japanische Roboterhersteller – hier ein von Fraunhofer Chemnitz angepasster Yaskawa-Arm – dominieren den Markt. Foto: Fraunhofer-Enas

Exportquote von Nippons Roboterherstellern ist auf 78 Prozent gestiegen

Tokio/Frankfurt am Main, 14. März 2022. Roboter, die wie Menschen laufen können, die sich um die Alten in den Seniorenheimen kümmern, die Menschen in Katastrophengebieten aufspüren oder kranken Kindern als nimmermüde Begleiter helfen – in kaum einen anderen Land auf der Erde sind künstliche Helfer bereits so tief in Wirtschaft und Gesellschaft diffundiert wie in Japan. Das mag daran liegen, dass viele Japaner moderner Technik im Alltag offener gegenüberstehen als beispielsweise viele Deutsche, aber wohl auch daran, dass Nippon eben auch der größte Roboterhersteller der Welt ist.

136.069 Industrie-Roboter ausgeliefert

Ganz besonders im Segment der Industrieroboter behauptet sich die japanische Wirtschaft ganz vorn: Allein 2020 lieferten die japanischen Hersteller 136.069 Industrie-Roboter aus. Zu den ganz großen Namen der Robotik gehören hier beispielsweise Branchenprimus Fanuc, Yaskawa, Omron, Epson, Kawasaki, Mitsubishi und viele andere. Und diese Robotik-Riesen befriedigten mit ihrem enormen Produktionsausstoß nicht nur einen Großteil des ohnehin immensen Binnenbedarfs, sondern automatisierten gewissermaßen gleich noch die halbe welt mit – die Exportquote lag zuletzt bei 78 Prozent. Das geht aus einer Analyse der „Internationalen Förderation für Robotik“ (IFR) aus Frankfurt am Main hervor. 

Viele Techniker schwören immer noch auf zuverlässige Kawaski-Roboter, obgleich vielerorts inzwischen andere Hersteller dominieren. Hier ein Blick ins ICM-Robotiklabor in Chemnitz. Foto: Heiko Weckbrodt

Viele Techniker schwören immer noch auf zuverlässige Kawaski-Roboter, obgleich vielerorts inzwischen andere Hersteller dominieren. Hier ein Blick ins ICM-Robotiklabor in Chemnitz. Foto: Heiko Weckbrodt

Japanische Roboterexporte steigen um 6 % pro Jahr

„Der Export japanischer Industrie-Roboter verzeichnete in den letzten fünf Jahren eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von sechs Prozent“, berichtet IFR-Präsident Milton Guerry. „Die Robotereinfuhren nach Japan sind dagegen ausgesprochen niedrig. Nur zwei Prozent der japanischen Anlagen wurden im Jahr 2020 importiert.“

Roboter spielen eine Schlüsselrolle im Industriellen Internet der Dinge - hier ist beispielhaft ein Stäubli-Roboter zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt

Roboter spielen eine Schlüsselrolle im Industriellen Internet der Dinge – hier ist beispielhaft ein Stäubli-Roboter zu sehen. Foto: Heiko Weckbrodt

Die größten Abnehmer japanischer Roboter sind China, die japanische Industrie selbst und die USA. In Europa hat Nippon zwar auch den Fuß in der Tür, aber die Unternehmen dort nutzen eben auch gerne Roboter europäischer Hersteller wie Stäubli, Kuka, ABB oder Universal Robots.

Die wachstumsstärksten Märkte für Industrieroboter weltweit. China liegt auf Platz 1, Indien auf dem 11. Rang. Grafik: IFR

Momentaufnahme von 2018: Die wachstumsstärksten Märkte für Industrieroboter weltweit. China lag damals bereits auf Platz 1, Indien auf dem 11. Rang. Grafik: IFR

Hauptabnehmer ist China

Der wichtigste Wachstumszielmarkt für die Industrierobotik ist aber seit einigen Jahren das Reich der Mitte. Allein die japanischen Hersteller exportierten zuletzt 36 Prozent ihrer Robotik- und Automatisierungstechnik nach China. „Ebenso wie andere internationale Roboteranbieter bedienen japanische Hersteller den Markt im Reich der Mitte direkt von eigenen Produktionsstandorten in China aus“, heißt es in der IFR-Analyse. „Nachdem die internationalen Lieferketten im Jahr 2020 aufgrund der Covid-19-Pandemie unterbrochen wurden, erwies sich diese Strategie auf dem weltweit größten Markt für Industrie-Roboter als großer Vorteil. Die japanischen Anbieter profitierten sehr stark vom chinesischen Boom nach der Krise. Die Erholung begann schon im zweiten Quartal 2020 und anschließend nahm die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte deutlich an Fahrt auf.“

Eine Nao-Roboterin erklärt den Besuchern im Futurium Berlin, wie sie die Zeitmaschine benutzen. Foto: Heiko Weckbrodt

Eine Nao-Roboterin erklärt den Besuchern im Futurium Berlin, wie sie die Zeitmaschine benutzen. Foto: Heiko Weckbrodt

Jenseits der Industrierobotik mischen auch USA und Europa stärker mit

Jenseits der Industrierobotik ist die Marktlage schon bunter und durchmischter: Als Zielmärkte spielen Japan und andere asiatische Länder hier zwar auch eine besonders große Rolle. Doch Hersteller von Haushalts-, Pflege-, Reinigungs- und anderen Dienstrobotern sind über die halbe Welt verteilt: Man denke etwa an die Maßstäbe, die Boston Dynamics für autonome Schreit- beziehungsweise Laufroboter gesetzt hat, die Kohorten von Staubsaugrobotern aus Südkorea, den USA, Deutschland und China, oder die Anti-Keim-Roboter, die während der Corona-Zeit in Skandinavien, Vietnam und Deutschland entwickelt worden sind.

So etwa soll der künstliche Pflegeheim-Nachtwächter aussehen, den die HTW zusammen mit Partnern entwickeln will. Auch einen Namen hat der Roboter schon: In Anlehnung an Sachsens wohl berühmtesten Kurfürsten (August der Starke) haben ihn die HTW-Tüftler "August der Smarte" getauft- Letztlich basiert der mobile Assistent basiert allerdings auf einem Basisdesign aus Thüringen: auf der Roboter-Plattform der Firma MetraLabs Ilmenau. Foto: HTW Dresden

Künstlicher Pflegeheim-Nachtwächter „August der Smarte“ aus Sachsen. Foto: HTW Dresden

Sachsen sucht sich seine Nische

Auch die Sachsen arbeiten sich seit einiger Zeit in der Robotik nach vorne. Sie entwickeln beispielsweise Hilfsroboter für Pflegeheime oder Schreitroboter, reüssieren aber auch in der No-Code-Robotik und Kobotik.

In Japan experimentieren Forschungseinrichtungen wie das Riken-Zentrum bereits seit Jahren mit dem Robotereinsatz in Haushalten und in der Pflege. Hier ist zum Beispiel ein "Robobear" zu sehen, der einen Menschen tragen kann. Foto: Riken

In Japan experimentieren Forschungseinrichtungen wie das Riken-Zentrum bereits seit Jahren mit dem Robotereinsatz in Haushalten und in der Pflege. Hier ist zum Beispiel ein „Robobear“ zu sehen, der einen Menschen tragen kann. Foto: Riken

„Weltweiter Vorreiter beim Einsatz von Robotern im täglichen Leben“

Gerade aber bei den menschen- und tierähnlichen Robotern, die als echte Alltagshelfer und Menschenfreunde konzipiert sind, setzen seit Dekaden eben auch die japanischen Hersteller immer wieder neue Akzepte. „Japan ist ein hochtechnisiertes Land und weltweiter Vorreiter beim Einsatz von Robotern im täglichen Leben“, erklärt IFR-Generalsekretärin Susanne Bieller. Erinnert sei an dieser Stelle beispielsweise an den Asimo-Schreitroboter von Honda, den Aisbo-Roboterhund von Sony oder die Pflegeheim-Roboterrobbe von AIST.

Die Entwicklung des japanischen Roboterbestandes von 2010 bis 2020. Grafik: IFR

Die Entwicklung des japanischen Roboterbestandes von 2010 bis 2020. Grafik: IFR

Leistungsschau iRex in Tokio

Wie weit die Japaner mit diesen Innovationen an der vordersten Robotikfront inzwischen gelangt sind, hat dieser Tage die internationale Roboterausstellung „iREX“ in Tokio gezeigt. Schwerpunktthema waren diesmal mögliche „Wege zu einer freundlicheren Gesellschaft, die mit Robotern überbrückt werden“. An zahlreichen Beispielen konnten die Besucher dort sehen, „wie Roboter zunehmend helfen, unseren Alltag zu gestalten“, so Susanne Bieller. Denn die künstlichen Helfer und Kollegen sorgen beispielsweise für eine besonders hohe Produktqualität in den Konsumgüterfabriken, sind aber – zumindest in Japan – bereits auch im Gesundheitswesen oder in der Altenpflege im Einsatz.

Roboterin im Futurium Berlin. Foto: Heiko Weckbrodt

Roboterin im Futurium Berlin. Foto: Heiko Weckbrodt

Pflege- und Service-Roboter als eine Antwort auf den demografischen Wandel

Und dieser Trend, Roboter immer breiter nicht nur in der Industrie, sondern auch im Alltag einzusetzen, wird wohl auch eher oder später auch in andere Industrieländer diffundieren, die sich ähnlich wie Japan mit demografischem Wandel und Fachkräftemangel auseinandersetzen müssen. Zwar erscheint es vielen Deutschen jetzt noch abwegig, beispielsweise von Roboter in Restaurants bedient zu werden oder sich im Alter von ihnen bewegen oder knuddeln zu lassen, wie es in Asien vielerorts längst Praxis ist. Doch angesichts der eher wachsenden als abflauenden Personalengpässe in Restaurants, Hotels, Heimen und Krankenhäusern sind helfende künstliche Hände – zumindest für einige schwere oder routinierte Tätigkeiten – womöglich bald schon auch hierzulande ganz selbstverständlich.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IFR, iRex, Oiger-Archiv, Wikipedia, Automationspraxis