Silicon Saxony fürchtet „weitreichende Folgen“ durch Trumps 100%-Chipzölle

Bösenberg: Industriepolitischer Fokus der USA verschiebt sich von Subventionen zu strategischem Protektionismus“
Dresden/Washington, 9. August 2025. „Weitreichende Folgen für die europäische Halbleiterindustrie, insbesondere für Regionen wie Sachsen, die als Schlüsselregion des europäischen Chip-Ökosystems gelten“ befürchtet Geschäftsführer Frank Bösenberg vom Branchenverband „Silicon Saxony“ aus den neuen 100-Prozent-Abwehrzöllen, mit denen US-Präsident Donald Trump Halbleiter-Importe in die Vereinigten Staaten belegen will. „Mit dieser Ankündigung verschieben die Vereinigten Staaten den industriepolitischen Fokus von staatlichen Subventionen hin zu einem strategischen Protektionismus“, schätzt Bösenberg ein.
Präsident will international nicht mehr wettbewerbsfähige Industrien in USA wiederbeleben
Trump hatte die Einfuhrzölle zuvor bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Apple-Chef Tim Cook angekündigt. Sie sollen alle Unternehmen treffen, die nicht in den USA produzieren oder in den Aufbau von Fertigungskapazitäten investieren. Der Präsident will damit Einnahmen für Steuergeschenke an seine Wähler finanzieren und Industrien in den USA reanimieren, die bereits seit Jahren international nicht mehr wettbewerbsfähig sind oder vor Jahrzehnten aus Kostengründen ins Ausland verlagert worden waren.
Viele größere Chipfabriken im Raum Dresden gehören zwar zu Unternehmen, die ohnehin auch in den USA vertreten sind und damit wohl nicht unter die jüngste Trump-Idee fallen würden. Aber gerade kleinere Halbleiterunternehmen ohne solche Auslandskapazitäten haben wahrscheinlich keine Chance mehr auf dem US-Markt, wenn die Preise ihrer Produkte durch staatliche Eingriffe künstlich verdoppelt werden. Trump hatte sich in der Vergangenheit bereits mehrfach durch wirtschaftschaotische und undurchdachte Drohungen und Maximalforderungen gegen den Rest der Welt hervorgetan, um dann manchmal binnen Stunden seine Meinung wieder zu ändern.
Abgestimmte industriepolitische Strategie gefordert
Bösenberg jedenfalls fordert eine abgestimmte staatenübergreifende Antwort: „Auf europäischer Ebene braucht es eine abgestimmte industriepolitische Strategie, um die Handlungsfähigkeit der heimischen Halbleiterindustrie zu stärken und um auf potenzielle Maßnahmen der US-Regierung mit einer klaren ordnungspolitischen und innovationsorientierten Antwort reagieren zu können“.
US-Verband Sia reagiert verhalten
Auch im eigenen Lande ist der sprunghafte Wirtschaftskrieg von Trump gegen den Rest der Welt umstritten – gerade auch in der Halbleiterindustrie, die so stark wie wenige andere von freiem Welthandel, internationaler Arbeitsteilung und globaler Vernetzung lebt. Entsprechend verhalten sind auch die Reaktionen aus jener Branche, die Trump angeblich schützen will: „Wir sind gespannt auf die Pläne des Präsidenten zu den Halbleiterzöllen, insbesondere auf Umfang und Ausgestaltung der Ausnahmen für in den USA produzierende Unternehmen“, kommentierte die „Seminconductor Industry Association“ aus Washington die neuesten Ideen von Trump. „Der Handel ist für die Führungsrolle der USA im Halbleitersektor von entscheidender Bedeutung. Daher hoffen wir, dass die Zollbefreiungen und künftigen Handelsabkommen so gestaltet sind, dass die US-Halbleiterindustrie ihre Spitzenposition im Rennen um die weltweite Wettbewerbsfähigkeit behält.“
Autor: hw
Quellen: Silicon Saxony, SIA, Oiger-Archiv

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