Deutschlands erster Kuhgarten eröffnet
Wohlstandsflur, Frischluft und Licht von allen Seiten sollen Milchkuh-Leben annehmlicher machen
Kreischa, 22. Juni 2025. Wenn sich der Mensch Kleingärten zur Erholung gönnt, warum dann nicht die Kuh? Damit Milchkühe ein besseres Leben führen können, ist daher in Kreischa bei Dresden nun der – laut Behördenangaben – „erste Kuhgarten Deutschlands“ entstanden: Die Rindviecher haben dort einen überdachten Garten bekommen, der Tageslicht, Frischluft und Kühlung hineinlässt. Sachsen hat für dieses Projekt der Dresdner „Vorgebirgs Agrar AG“ insgesamt 6,9 Millionen Euro zugeschossen.
Minister sieht zukunftsweisende Verbindung von Tierwohl, Digitalisierung und Klimaschutz
„Dieser Stall ist eine zukunftsweisende Verbindung von Tierwohl, Digitalisierung, Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und Hygiene“, meint der sächsische Landwirtschaftsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU). „Hier sieht man die Möglichkeiten der sächsischen Landwirtschaft zur Innovation. Und ich hoffe, dass die nun beginnende Praxis auch die Skeptiker dieses Projekts überzeugen wird.“
Konzept entstand in den Niederlanden
Ausgangspunkt des Projektes sei eine immer wieder modernisierte Milchviehanlage aus dem Jahr 1972 in Obernaundorf gewesen, berichtet „Vorgebirgs Agrar“. Die Anlage sei „in die Jahre gekommen“, ein Stallneubau habe schon länger zur Debatte gestanden. Als Standort wählte das Unternehmen dann den Kreischaer Ortsteil Kleincarsdorf – dort befand sich bereits ein Technikstützpunkt mit Werkstatt. Dort habe man neue Wege für mehr Tierwohl einschlagen wollen, so der Agrarbetrieb. Die AG beantragte 2019 den Bau des Kuhgartens mit einer eigens neuentwickelten durchsichtigen Zweikomponenten-Dachmembran. Vorbild war der Milchproduzent Chris Bomers, der 2015 den weltweit ersten Kuhgarten als Prototyp im holländischen Groenlo eröffnet hatte.
Tageslicht und Frischluft für 630 Kühe und 150 Kälber
Der neue Garten in Kreischa- Kleincarsdorf soll nun auch in Sachsen „neue Maßstäbe in Sachen Milchviehhaltung“ setzen. Konzipiert ist er für 630 Kühe und 150 Kälber. „Der etwa 10.000 Quadratmeter große Serrestall hat eine spezielle Dachkonstruktion und ist an den Seiten offen. So gelangen Tageslicht und Frischluft in den Stall, Hitzestress wird reduziert“, heißt es vom Landwirtschaftsministerium. „Die Kühe liegen und laufen im Freilaufbereich auf einem ,High Wellfare Floor’, einem Boden, der weich und feuchtigkeitsdurchlässig ist. Urin und Kot werden sofort getrennt, damit werden die Ammoniak-Emissionen verringert. Bepflanzungsinseln verbessern das Stallklima und unterstützen Wohlbefinden, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Kühe. Das Melken, Füttern und die Entmistung übernimmt Robotertechnik.“ Das Zusammenspiel aus innovativem Fußboden und Bepflanzungsinseln schaffe „weideähnliche Bedingungen“, betont Vorgebirgs Agrar“.
Gab auch Widerstände
Allerdings sei das Projekt im Vorfeld auch umstritten gewesen, räumt das Landwirtschaftsministerium ein. „Juristische Auseinandersetzungen, die letztlich zugunsten des Projektes ausgingen, verzögerten den Baustart um ein Jahr.“ So befürchteten Anwohner, dass der Stall zu sehr stinkt und den Wert ihrer Grundstücke mindert. Letztlich konnte sich die Vorgebirgs Agrar AG aber mit dem Gedanken durchsetzen, neue Wege beim Tierwohl zu erproben.
Projektpartner waren die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTWD) sowie die Firmen SHN beratende Ingenieure, Chemnitz, ID AGRO aus Lemelerveld, Hermes Flöha, das Lely Center Sachsen aus Radebeul und die niederländische JOZ BV aus Westwoud.
Autor: hw
Quellen: SMUL, DLG, Vorgebirgs Agrar AG, SächZ

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