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Exoskelette: Kraftmeierei für die Massen

Eine Pflegerin hilft mit der Kraftunterstützung eines Exia-Exoskeletts einem Senior aus dem Rollstuhl.  Foto: German Bionic
Eine Pflegerin hilft mit der Kraftunterstützung eines Exia-Exoskeletts einem Senior aus dem Rollstuhl.  Foto: German Bionic

Die Außenskelette bekommen Künstliche Intelligenz eingepflanzt – der Einsatz dieser Kraftunterstützer wird dadurch immer breiter

Augsburg/Dresden, 27. Mai 2025. Den Anfang machten Militärs und Raumfahrer – doch inzwischen erobern sich Exoskelette immer mehr Branchen und Anwendungsszenarien: Pflegerinnen vervielfachen mit diesen kraftunterstützenden Außenskeletten ihre Fähigkeit, schwere Patienten aus dem Bett oder in die Wanne zu tragen. Bauarbeiter können damit Zementsäcke so mühelos wie Schuhkartons tragen. Gerüstbauer in Sachsen bilden damit ihre Azubis aus, Handwerker in Dresden hieven damit schwere Teile-Kisten – die Reihe ließe sich fortsetzen.

Nun stehen diese nützlichen Helfer, die oft wie eine Synthese aus Mensch und Roboter anmuten, vor einem neuen Evolutionsschritt: Indem die Hersteller ihren Exoskeletten Künstliche Intelligenz (KI) einpflanzen, erweitern sie die Einsatzmöglichkeiten, aber auch die Ergonomie und den praktischen Nutzen dieser teils hydraulisch, teils durch Elektromotoren oder durch passive Federn angetriebenen Kraftunterstützer.

German Bionic stellt „weltweit stärkste Exoskelett“ vor

Ein Beispiel dafür will das bayrische Robotikunternehmen „German Bionic“ morgen zur Konferenz „Future of Everything“ in New York vorstellen: „Exia“ ist laut Herstellerangaben das weltweit stärkste Exoskelett. Es soll es Menschen ermöglichen, 38 Kilogramm mehr Gewicht zu tragen als ohne Kraftunterstützer.

Das eigentlich Neue ist aber die KI im Hintergrund: Exia soll nämlich aus den Bewegungen seines Trägers oder seiner Trägerin fortlaufend dazu lernen – und ihn oder sie dadurch besser beim Heben, Gehen, Tragen oder beim Arbeiten in vorgebeugter Haltung unterstützen.

„Zukunftweisend im Bereich der Human Augmentation“

Das neue Modell sei „zukunftweisend im Bereich der Human Augmentation”, verspricht „German Bionic“-Chef Armin G. Schmidt. „Das Exia reagiert nicht einfach, und es denkt auch nicht nur mit. Es lernt vom Menschen, und zwar gemeinsam mit jeder individuellen Bewegung.“

Und das Augsburger Unternehmen steht mit dieser Trend-Einschätzung nicht allein da. Marktforscher gehen davon aus, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Exoskelett-Industrie revolutionieren und in den nächsten Jahren für ein starkes Branchen-Wachstum sorgen wird: Derzeit umfasst der Weltmarkt für diese Technologie erst rund eine halbe Milliarde Euro. Bis 2030 werden die Exoskelett-Umsätze auf knapp zwei Milliarden Euro steigen, bei jährlichen Zuwachsraten von fast 30 Prozent, prognostiziert eine „Marketsandmarkets“-Analyse.

Wie ein junger Hüpfer

Und letztlich könnte diese Technologie die Lebensqualität im Alter für viele Menschen regelrecht revolutionieren: Durch die Nachfrage aus dem Unternehmenssektor dürften Exoskelette in naher Zukunft zum Massenprodukt werden und im Preis soweit sinken, dass sie auch für Privatleute erschwinglich werden. Sie könnten gebrechliche Senioren dann wieder zu hüpfenden Kraftmeiern machen. Ja selbst der legendäre „6-Millionen-Dollar-Mann“ aus der legendären TV-Serie wäre mit solcher „menschlichen Augmentierung“ plötzlich möglich, sogar ohne Millionenbeträge – welche schöne neue Welt…

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: German Bionic, Marketandmarkets, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger