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Projekt Vitfox fusioniert Rechnenwerk und Speicher

Neuartige Computer, deren Speicherzellen ähnlich wie die Neuronen im menschlichen Gehirn auch rechnen können, sollen den Forschern im Deutschen Zentrum für Astrophysik beim Blick in die Kinderstube des Universums helfen. Visualisierung: Dall-E
Neuromorphe Computer orientieren sich am Gehirn als Vorbild. In dessen Neuronen werden Daten sowohl gespeichert wie auch verarbeitet – anders als in den getrennten Speichern und Prozessoren heutiger Computer. Visualisierung: Dall-E

Sachsen und Südkoreaner wollen mit ferroelektrischen Bauelementen den Energiehunger von KIs auszubremsen

Dresden, 23. Mai 2025. Um Künstlichen Intelligenzen mehr Rechenkraft zu geben, ohne dass dabei der Energieverbrauch explodiert, wollen Forscher aus Sachsen und Südkorea gemeinsam mit weiteren Partnern die Trennung von „Rechnen“ und „Speichern“ aufgeben, wie sie in heutigen Computern üblich ist: Im Projekt „Vitfox“ möchten sie beide Aufgaben nach dem Vorbild der Neuronen in unserem Gehirn in jeweils einem ferroelektrischen Bauelement vereinen und daraus neuromorphe Computer ableiten. Das hat das Fraunhofer-Centrum für nanoelektronische Technologien (CNT) und dessen Mutter, das Fraunhofer-Photonikinstitut (IPMS) in Dresden angekündigt.

„Wollen die Grenzen der aktuellen Technologie erweitern

„Wir wollen die Grenzen der aktuellen Technologie erweitern“, betont CNT-Projektleiter Prof. Thomas Kämpfe. Der Vitfox-Ansatz könne „nicht nur die KI-Leistung verbessern, sondern auch einen nachhaltigen Energieverbrauch gewährleisten“.

Mehrere technologische Pfade

Entstehen soll im Zuge des Projektes unter anderem ein Beispiel-Bauelement, das in seinem Speicher auch Berechnungen anstellen kann. Geplant sind außerdem ein Schaltungs-Simulator und eine „Plattform zur gemeinsamen Optimierung von Hardware und Software mit ferroelektrischen Oxiden“. Dabei wollen die Projektpartner sowohl mit ferroelektrischen 3D-Speichern (3D FeRAM) aus Südkorea wie auch mit Dresdner und anderen europäischen Lösungen experimentieren.

Abkehr von der Von-Neumann-Architektur am Computer

Der Hintergrund dieser Versuche: Der deutsche Technikpionier Konrad Zuse und ungarisch-amerikanische Mathematiker John von Neumann hatten gegen Ende des II. Weltkrieges Konzepte entwickelt, wie sich die gerade entstehenden elektronischen Computer frei umprogrammieren lassen und um Ungereimtheiten in Programmen und Rechenabläufen zu vermeiden. Dafür empfahlen sie, Recheneinheiten und Speicher zu trennen. Weil dadurch aber Prozessor und Speicher manchmal aufeinander warten müssen, das Hin- und Herschaufeln von Daten zudem Zeit und Strom kostet, hat die Von-Neumann-Architektur gewisse Effizienz-Probleme.

50 Billionen Rechenschritte mehr pro Sekunde und Watt

Dies wollen die Projektpartner nun durch ihre geplante „Vision-Transformer-Architektur“ vermeiden. Sie hoffen, durch die Verschmelzung von Rechen- und Datenablage-Aufgaben in je einem merkfähigen Speicher mehr Tempo und weniger Energieverbrauch zu erzielen. Konkret wollen sie durch Vitfox etwa 50 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde und verbrauchtem Watt (TOPS/W) aus den Computern herauskitzeln.

Griechen koordinieren den internationalen Verbund

Am europäischen Vitfox-Projekt beteiligen sich neben dem IPMS/CNT aus Dresden die ETH Zürich, das österreichische „Silicon Austria Labs“, die Seoul National University, die Hanyang University (Korea), die Kookmin University und die Soongsil University. Das griechische „National Centre for Scientific Research Demokritos“ koordiniert den Verbund.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IPMS/CNT, Vitfox, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger