AutomobilindustrieNewsWirtschaftspolitikzAufi

Sachsen: Ausweg aus Auto-Flaute durch mehr Chipproduktion und autonome Fahrtechnologie

Produktion im VW-Werk Zwickau. Foto: Volkswagen
Bild aus besseren Tagen: Produktion im VW-Werk Zwickau. Foto: Volkswagen

Freistaat fordert in Länderkammer mehr Unterstützung von Bund und EU, damit Branche an Boden gewinnt

Dresden/Zwickau/Berlin, 23. Mai 2025. Damit die deutsche Automobilindustrie wieder gegenüber der Konkurrenz aus China an Wettbewerbsfähigkeit gewinnt, technologische Rückstände abbauen und die Flaute in der Branche überwinden kann, plädiert die sächsische Landesregierung dafür, dass Bund und EU stärker als bisher die Entwicklung autonomer Fahrtechnologien und den Ausbau der Mikroelektronikproduktion für den Mobilitätssektor unterstützen. Darauf zielt eine Bundesratsinitiative des Freistaates. Für diesen Vorstoß habe es am gestrigen Freitag in der Länderkammer auch „breite Unterstützung und Zustimmung“ gegeben, teilte die sächsische Staatskanzlei mit.

Zulieferindustrie im Südwesten des Landes stark unter Druck

Die Sachsen handeln dabei auch aus einem nachvollziehbaren Eigeninteresse heraus: Im Freistaat sind Tausende Arbeitsplätze bedroht, weil die deutsche Autobranche schwächelt. Dadurch stehen nicht nur die Autowerke in Zwickau und Dresden, sondern vor allem auch große Teile der VW-Zulieferindustrie im Südwesten von Sachsen stark unter Druck. Die hatten den politisch gewünschten Schwenk von Volkswagen hin zur Massenproduktion von Elektroautos mitvollzogen, wurden mitten in dieser Transformation durch die schwache Stromer-Nachfrage und das plötzliche Aus für die Kaufsubventionen voll ausgebremst – und stehen jetzt zumeist ohne Kapitalreserven für einen erneuten Umbau da.

Deutsche Autobauer hinken bei Kosten, Akkus und Software der Konkurrenz hinterher

Zusätzlich belasten auch weitere Faktoren die Auftragslage in Sachsen und anderen Auto-Ländern. Dazu gehören die gewachsenen technologischen Rückstände der deutschen Autobauer bei Elektromobilität, speziell auch im Akku-Sektor, und beim Trend hin zum software-definierten Auto. Hinzu kommen das wachsende Technologieniveau der chinesischen Konkurrenz, die hohen Lohnkosten der deutschen Standorte und die Unfähigkeit von Volkswagen, einen echten „Elektro-Volkswagen“ für unter 20.000 Euro zu bauen.

Kretschmer: An unserer Automobilindustrie hängen Tausende Jobs

Um diese Misere zu überwinden, drehen die Sachsen nun auch verstärkt am „europäischen Rad“. „Die Automobilindustrie mit ihren Zulieferern und den vielen tausend Arbeitsplätzen ist für Sachsen, für unsere Wirtschaft enorm wichtig“, betont Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Der neue EU-Aktionsplan für die europäische Automobilindustrie müsse die Innovationskraft der Unternehmen fördern und die Transformation hin zu modernen, nachhaltigen Mobilitätslösungen aktiv unterstützen. „Gerade in Zeiten von Digitalisierung, Dekarbonisierung und globalem Wettbewerb ist es entscheidend, dass die europäische Politik die Automobilindustrie als Innovations- und Wirtschaftsmotor stärkt“, erklärte Kretschmer. „Die geplante Anpassung der CO2-Flottengrenzwerte durch die EU ist ein Kompromiss, damit die deutschen Hersteller über mehr Flexibilität ihre Klimaverpflichtungen einhalten können. Die befristete Entlastung bei Strafzahlungen gibt auch der sächsischen Automobilindustrie mehr Freiraum, sich auf Innovationen und bezahlbare E-Autos zu konzentrieren.“

Branche beschäftigt in Sachsen rund 95.000 Menschen

Der Automobilbau gehört zusammen mit der Mikroelektronik zu den tragenden Technologie-Säulen der sächsischen Industrie. Zum „Autoland Sachsen“ gehören sechs Fahrzeug-, Motoren- und Batteriewerke von Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und Porsche sowie mindestens 815 Zulieferer, die zu großen Teilen im Südwesten des Freistaats angesiedelt sind. Die sächsische Autoindustrie beschäftigte zum Zeitpunkt der letzten größeren Erhebung im Jahr 2023 rund 95.000 Menschen und hatte 28,6 Prozent Anteil am sächsischen Industrieumsatz.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: SSK, WFS, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger