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Verzettelt sich Europa bei Chiplet-Aufholjagd?

Scheibe mit Chiplets, die digitale und analoge Funktionen integrieren, aus der Forschungsproduktion von Fraunhofer. Foto: Fraunhofer IIS
Scheibe mit Chiplets, die digitale und analoge Funktionen integrieren, aus der Forschungsproduktion von Fraunhofer. Foto: Fraunhofer IIS

Imec gründet Designzentrum in Heilbronn, Dresden geht leer aus, forscht aber selbst am Trendthema – und Fraunhofer startet Chiplet-Hub

Löwen/Heilbronn/Dresden, 31. März 2025. Das „Imec“ aus Löwen gründet ein Chiplet-Designzentrum für Autoelektronik in Heilbronn. Diesen „Advanced Chip Design Accelerator“ (ACDA) haben das belgische Mikroelektronik-Großforschungszentrum und die baden-württembergische Regierung heute auf der Hannovermesse angekündigt. Damit geht Sachsen, das sich als Mikroelektronik-Standort bereits seit vielen Jahren um eine Imec-Außenstelle bemüht hatte, erneut leer aus.

Fokus liegt auf Chiplets für deutsche Autoindustrie

Die Imec-Dependance soll modular als „Chiplets“ zusammengesetzte Chips, die viele Funktionen auf kleinstem Raum vereinen, für die Autoindustrie entwerfen. Weitere Schwerpunkte sind moderne Chip-Endmontagetechnologien, Sensoren und dezentrale Elektronik für Künstliche Intelligenz (KI).

Haben auf der Hannovermesse den Verbund "Chiplet Application Hub" angekündigt (von links nach rechts): Der Dresdner EAS-Chef Prof. Peter Schneider, IAF-Chefin Dr. Patricie Merkert, Fraunhofer-Präsident Prof. Holger Hanselka, Prof. Albert Heuberger und Dr. Stephan Guttowski von der FMD, Bundes-Ministerialdirektor Engelbert Beyer, Audi-Chipchef Jürgen Heckelmann, Andreas Aal von VW, Heiko Dudek von Siemens EDA und Prof. Rüdiger Quay vom IAF. Foto: Markus Jürgens für Fraunhofer
Haben auf der Hannovermesse den Verbund „Chiplet Application Hub“ angekündigt (von links nach rechts): Der Dresdner EAS-Chef Prof. Peter Schneider, IAF-Chefin Dr. Patricie Merkert, Fraunhofer-Präsident Prof. Holger Hanselka, Prof. Albert Heuberger und Dr. Stephan Guttowski von der FMD, Bundes-Ministerialdirektor Engelbert Beyer, Audi-Chipchef Jürgen Heckelmann, Andreas Aal von VW, Heiko Dudek von Siemens EDA und Prof. Rüdiger Quay vom IAF. Foto: Markus Jürgens für Fraunhofer

Auch Fraunhofer treibt Thema mit einem „Hub“ voran

Parallel dazu hat der Fraunhofer-dominierte Verbund „Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland“ (FMD) auf der Hannovermesse das Netzwerk „Chiplet Application Hub“ vorgestellt. Das soll Chiplet-Technologien in Europa zur Marktreife führen – basierend auf den Projekten der entstehenden europäischen Chipendmontage-Pilotanlage „Apecs“. Einen wesentlichen Anteil daran haben Fraunhofer-Institute in Dresden und Chemnitz.

Trend geht zum modularen Chip-Aufbau – doch nur Wenige beherrschen ihn

Hintergrund: Weil sich Chipstrukturen nicht mehr so einfach wie früher immer weiter verkleinern und leistungsstärker machen lassen, dies zudem enorme finanzielle und technologische Herausforderungen mit sich bringt, setzen die Großen der Halbleiter-Branche zunehmend auf heterogene Integration und Chiplets. Das heißt: Nur die Hochleistungskerne – wie etwa Prozessor-Rechenwerke – werden in den modernsten Fabriken in Nano-Strukturen erzeugt. An sie docken sich dann Ko-Prozessoren – zum Beispiel Grafik- oder KI-Beschleuniger, Speicher, Sensoren und andere Chipmodule an, die auch in ganz anderen Fabriken und teils auch in einfacheren Prozessen hergestellt werden können. All diese „Chiplet“-Module müssen zum Schluss ähnlich wie Lego-Bausteine, aber hochpräzise zu einem Chip zusammengesetzt und durchkontaktiert werden.

Apecs-Pilotlinie soll Rückstand aufholen

Diese Chiplet-Technologie beherrschen bisher aber nur wenige große Konzerne wie TSMC für die Massenproduktion. Europa hinkt da noch hinterher, unternimmt aber in jüngster Zeit zahlreiche Anstrengungen, diesen Rückstand aufzuholen. Dazu gehört der ideelle Verbund mehrerer Reinraum-Prozessschritte in verschiedenen Orten und Instituten zur derzeit entstehenden pan-europäischen Pilotlinie „Apecs“, der nun verkündete Transferverbund „Chiplet Application Hub“, aber auch die Imec-Ansiedlung in Heilbronn.

Fraunhofer Sachsen hat bereits eigenes Chiplet-Designzentrum gebildet

Bereits zuvor haben zudem drei sächsische Fraunhofer-Institute einen eigenen Chiplet-Forschungsverbund gegründet. Zusammengetan haben sich dafür der Dresdner Institutsteil für „Entwicklung Adaptiver Systeme“ (EAS), das 3D-Chip-Zentrum „Assid“ in Boxdorf und das Fraunhofer-Institut für Elektronische Nanosysteme (Enas) in Chemnitz. Ihr „Chiplet Center of Excellence“ (CcoE) konzentriert sich auf das Design, die Herstellung und die Zuverlässigkeitsprüfung von Chiplets sowie die Integration mehrerer Chipmodule zu kompletten Systemen. „Aufgrund der Marktrelevanz konzentriert sich das CCoE in der Anfangsphase auf Anwendungen in der Automobil-Branche“, erklärt EAS-Sprecherin Maria Schmeiser. „Die Ergebnisse des CCoE können aber auch für andere Anwendungsfelder wie Industrie oder Aerospace adaptiert werden.“ Das sächsische Chiplet-Zentrum und der nun verkündete Chiplet-Hub sollen aber nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen – sobald die Forscher etwas Greifbares für die deutsche Industrie in der Hand haben.

Von daher tanzt Europa beim Thema „Chiplets“ gerade auf vielen Hochzeiten, droht sich womöglich bei dieser Trendtechnologie zu verzetteln. Ein großer Chipkonzern, der eine Chiplet-Massenproduktion im Highend-Segment – ähnlich wie der Auftragsfertiger TSMC in Taiwan – auch hierzulande starten würde, ist jedenfalls nicht in Sicht.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Imec, Regierung Baden-Württemberg, EAS, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger