Ifo: Höherer Sold für wäre billiger als die Wehrpflicht

Wirtschaftsforscher: Wiedereinführung könnte Zahl der Soldaten um 195.000 erhöhen, würde aber 20 Milliarden Euro kosten
München/Berlin, 20, März 2025. Rein finanziell gesehen wäre es für Deutschland günstiger, den Sold für Berufssoldaten zu erhöhen und damit militärische Laufbahnen für junge Menschen attraktiver zu machen, als die Wehrpflicht wieder einzuführen. Das geht aus Berechnungen des Wirtschaftsforschungs-Institutes „Ifo“ in München hervor.
„Kostengünstiger wäre es , den Wehrdienst durch höhere Gehälter attraktiver zu machen“
„Mit neuen Wehrpflichtigen könnte die Bundeswehr zwar den benötigten Personalbedarf decken“, argumentiert Ifo-Forscher Panu Poutvaara. „Kostengünstiger wäre es aber, den Wehrdienst durch höhere Gehälter attraktiver zu machen.“
Laut der Studie könnte die Bundesrepublik zwar durch die Rückkehr zur Wehrpflicht seine Armee relativ rasch um 195.000 Soldatinnen und Soldaten erhöhen. Dies würde aber gesellschaftliche Kosten von über 20 Milliarden Euro nach sich ziehen: etwa 3,2 Milliarden Euro Staatsausgaben und 17,1 Milliarden Euro negative volkswirtschaftliche Effekte. Bei höheren Wehrdienst-Gehältern auf privatwirtschaftlichem Niveau wären die Staatsausgaben mit 7,7 Milliarden Euro laut Ifo-Prognose zwar höher, die volkswirtschaftlichen Kosten aber mit 9,4 Milliarden Euro deutlich niedriger.
Junge Wehrpflichtige steigen erst später ins Berufsleben ein
Um die volkswirtschaftlichen Kosten der Wehrpflicht abzuschätzen, gehen die Ökonomen von folgenden Überlegungen aus: Wenn sie wehrpflichtig sind, stehen viele junge Menschen erst später dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Damit könnten sie erst später beginnen, Humankapital und Vermögen aufzubauen. Die zusätzlichen Staatsausgaben ergeben sich aus dem monatlichen Nettogehalt der Wehrpflichtigen von 1000 Euro auf zwölf Monate. Die Berechnungen basieren auf der Annahme, dass bei der Wiedereinführung der Wehrpflicht ein Viertel einer Alterskohorte tatsächlich eingezogen wird. Dies war bei der alten Regelung der Fall. Bei einer höheren Einzugsrate würden sich die Kosten um den entsprechenden Faktor erhöhen.
Dienstpflicht für junge Männer und Frauen?
Zudem würde die Wiedereinführung der Wehrpflicht zwangsläufig alte und neue Debatten um Gerechtigkeit innerhalb einer Generation und um Gewissensfragen entfachen. Naheliegend wäre eine Lösung, bei der alle jungen Deutschen zu einem Jahr Dienst an der Gesellschaft verpflichtet werden würden, dann aber wählen könnten, ob sie diese Pflicht bei der Bundeswehr, in Pflegediensten oder anderen sozialen Einrichtungen mit Personalmangel ableisten wollen. Zudem dürfte solch eine Dienstpflicht – anders als früher – sowohl Männer wie auch Frauen betreffen, ähnlich wie beispielsweise in Israel, Norwegen oder Schweden.

Hohe Startkosten für Wehrpflicht absehbar
Zudem ist absehbar, dass eine Wiedereinführung der Wehrpflicht nicht von heute auf morgen praktisch möglich sein wird: Deutschland müsste zunächst Kasernen und Übungsplätze reaktivieren oder bauen, Ausbilder schulen, Uniformen und andere Ausrüstungen anschaffen und dergleichen mehr. Und wie weit die halbe Billion Sonderschulden für die Aufrüstung mit Waffentechnik reichen werden, ist ebenfalls offen. Ifo-Präsident Clemens Fuest verweist hier auf das Beispiel Israel: Das Land finanziere seine Rüstungsausgaben mittels Krediten, Umschichtung der Ausgaben, einschließlich Kürzung von Sozialausgaben, und Steuererhöhungen – all dies würde in Deutschland auf erhebliche Widerstände stoßen.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Ifo, Wikipedia
Wissenschaftliche Studie:
„Die Wehrpflicht-Debatte: Warum ein Aufwuchs der Bundeswehr nach dem Prinzip der Freiwilligkeit günstiger und gerechter ist“ von Joop Adema, Panu Poutvaara, Marcel Schlepper und Timo Wochner, in: Ifo-Schnelldienst 2/2025, Fundstelle im Netz: https://www.ifo.de/publikationen/2025/aufsatz-zeitschrift/Geopolitische-Risiken-fuer-Deutschland-und-Europa

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