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Chipfabrik-Bau im Westen doppelt so lange und teuer wie in Taiwan

Auf der Baustelle für die Bosch-Chipfabrik Dresden sind rund 100 Unternehmen und Hunderte Arbeiter im Einsatz. Oben ist bereits das stählerne Gerüst für das Dach-"Plenum" zu sehen, das später den Reinraum darunter mit sauberer Luft versorgt. Foto: Heiko Weckbrodt
Das Archivfoto zeigt die Baustelle für die Bosch-Chipfabrik Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Neue Megafabs in Fernost starten binnen 19 Monaten – in Europa sind es 34 Monate

Taipeh/Stuttgart/Dresden, 24. Februar 2025. Eine große Chipfabrik zu bauen, dauert in westlichen Ländern etwa doppelt so lange und kostet doppelt so viel wie in Taiwan. Das berichtet „Semiconductor Digest“. Das US-Branchenmagazin beruft sich dabei auf Einschätzungen des deutschen Chipwerk-Bauexperten „Exyte“ – ehemals „Meißner und Wurst“.

Taiwanesen bauen rund um die Uhr, planen schlanker und haben gute Lieferketten

Demnach dauert es in Taiwan etwa 19 bis 20 Monate von der Baugenehmigung bis zum Baustart. In den USA seien es im Schnitt 38 Monate, in Europa 34 Monate. Näher an den schnellen Taiwanesen liegen China, Malaysia und Singapur mit etwa 23 Monaten. Ein wesentlicher Grund sind laut dem Bericht die langen Genehmigungsverfahren in Europa und in den USA. Aber auch die Bauabläufe sind umständlicher. Zudem haben die Taiwanesen besonders effiziente Lieferketten aufgebaut, so das es seltener zu Bau- oder Ausrüstungsverzögerungen kommt. Und: Anders als im Westen sind in Fernost auch Baustellen üblich, auf denen rund um die Uhr gearbeitet wird. Auch sind die Baupläne in Taiwan um vieles einfacher und schlanker als die im Westen.

Digitale Zwillinge könnten helfen

Hinzu kommen die höheren Baukosten in den USA und Europa: „Der Bau eines Wafers im Westen kostet doppelt so viel und dauert die doppelte Zeit, um ihn in Taiwan zu bauen“, zitiert „Semiconductor Digest“ den Exyte-Vizepräsidenten Herbert Blaschitz. Auf mehr Tempo könne der Chipfabrik-Bau in Europa womöglich kommen, wenn verstärkt „Digitale Zwillinge“ helfen. Dabei handelt es sich um ein Konzept, von den ersten Planungen und Bauskizzen am Computer an ein virtuelles Ebenbild des geplanten Gebäudes zu erzeugen. Dieser Zwilling hilft nicht nur später bei der Koordination der Gewerke auf der Baustelle, sondern erlaubt auch nach der Inbetriebnahme die vorausschauende Wartung, den effizienten Betrieb der Chipfabrik, erleichtert An- und Umbauten – und schließlich auch den Abriss und das Recycling der Baumaterialien.

Diese Einschätzungen von Exyte dürften auch eine wichtige Messlatte für das „Silicon Saxony“ sein: Einerseits haben die Dresdner Wirtschaftsförderer den Anspruch formuliert, Genehmigungsverfahren für Hightech-Investitionen zu beschleunigen. Dafür arbeiten die Behörden auch mit Teilgenehmigungen. Andererseits werden im Raum Dresden gerade neue Fabs von TSMC aus Taiwan und Infineon Deutschland realisiert. Wenn die Dresdner TSMC bei deren erstem Fabrikbau in Europa überzeugen können, könnte das weitere Ansiedlungen aus der taiwanesischen Zulieferindustrie nach sich ziehen.

Auch Exyte alias M+W war schon mehrfach in Dresden tätig gewesen. Insgesamt haben die Schwaben bisher fast 300 Hightech-Fabriken baulich koordiniert und ausgerüstet.

Autor: Oiger

Quellen: Semiconductor Digest, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger