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Sächsische Roboterwürmer fressen verstopfte Wasserrohre frei

Mechatroniker Martin Kalfa zeigt einen der Kanal-Sanierroboter (links) der IMS mit Fernsteuer- und Bildüberwachungseinheit (rechts) auf der Messe "Karrierestart" in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Mechatroniker Martin Kalfa zeigt einen der Kanal-Sanierroboter (links) der IMS mit Fernsteuer- und Bildüberwachungseinheit (rechts) auf der Messe „Karrierestart“ in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

IMS ist in Ottendorf-Okrilla vom Ingenierbüro zum internationalen Robotik-Unternehmen gewachsen

Ottendorf-Okrilla, 31. Januar 2025. Wenn das Wasser wieder mal nicht fließt, schlägt die Stunde der Roboterwürmer: Die fräsen sich durch Bauschutt, Wurzeln, verhärtete Betonreste und anderen Abfall in unterirdischen Rohren, die so eng sind, dass sich kein Mensch hineinzwängen und die Putzarbeit erledigen könnte. Zu den Herstellern solcher ferngesteuerter Stahldiener gehört „IMS Robotics“ aus Ottendorf-Okrilla bei Dresden: Das Unternehmen baut Roboter für die Unterwelt, genauer gesagt für die oft tief vergrabenen Abwasserrohre unter den Fußwegen und Straßen.

Mit der Fräse durch Bauabfälle und Wurzeln

„Wir entwerfen und bauen unsere Kanalsanier-Roboter von A bis Z selbst“, erzählt IMS-Mechatroniker Martin Kalfa. In diesem Punkt unterscheidet sich das 250-köpfige Unternehmen insofern deutlich von vielen anderen Betrieben, die einen Großteil ihrer Technik nur zukaufen. Die stählernen Würmer aus Ottendorf-Okrilla winden sich dann durch Rohre, die meist nur acht bis 60 Zentimeter groß sind. Durch die könnte sich kaum ein Mensch durchpressen, geschweige denn darin arbeiten. Diesen Job übernehmen daher die Roboterwürmer, die sich mit ihrem Werkzeugkopf solange durch illegal entsorgten Bauschutt, hineingewachsene Wurzeln, unbedacht ins Erdreich getriebene Pfähle oder allerlei Abfall fräsen, bis das Wasser wieder fließen kann. Durch diese Art der robotergestützten Kanalsanierung spare sich die jeweilige Stadt oder Gemeinde viele Straßensperren, müsse verstopfte Rohre nicht erst ausgraben lassen, um sie wieder frei zu bekommen, betont Kalfa.

Nachwende-Gründung ging international auf Einkaufstour

Anfangen hat all dies kurz nach der Wende in Ostdeutschland: 1992 gründete der Ingenieur Jens Bauer mit vier Mitarbeitern ein Ingenieurbüro in Langebrück, das damals noch nicht zu Dresden gehörte. „Die Anfrage eines regionalen Kanalsanierungsunternehmens lenkt das Interesse des Unternehmens in eine neue Richtung“, heißt es in den Unternehmenshistorie: „Mit der Auftragsentwicklung eines Kanalsanierungsroboters beginnt der Aufbau eines eigenen Bereichs für Kanalsanierungsroboter und Umwelttechnik.“ Der Betrieb zog nach Ottendorf-Okrilla um und richtete sich neu in Richtung Roboterbau aus. 2002 folgte der Bau einer neuen Montage-, Fertigungs- und Lagerhalle.

Im Zuge eines gemeinsamen Entwicklungsprojektes stieg wenig später Ljubisa Zlatkovic – der auch den Metallverarbeitungsbetrieb „ILZ“ in Dresden und die „ZK Kanalprüftechnik“ in Wettstetten leitet – in das Unternehmen ein. Er firmierte es in „IMS Robotics“ um. 2014 erwarb Zlatkovic – der dem Gründer inzwischen auch die restlichen Anteile abgekauft hatte – das Schweizer Unternehmen „Jenni Umwelttechnik“ und akquirierte so das neue Geschäftsfeld „UV-Aushärteanlagen“. In Polen gründete er eine Automatisierungstochter, 2016 folgte die Gründung der bereits erwähnten ILZ, um sich von Metallbauteil-Zulieferungen unabhängiger zu machen. Weitere Akquisen und Filialgründungen in Deutschland, Italien, Serbien, Großbritannien und den USA folgten.

Sachsens Robotik-Branche wächst

Das Unternehmen ist Teil der wachsenden Robotik-Branche im Raum Dresden und in ganz Sachsen, die gelegentlich auch als „Robot Valley Saxony“ vermarktet wird. Spezialisiert sind diese sächsischen Unternehmen und Institute unter anderem auf Automatisierungslösungen für Chipfabriken, kollaborative Roboter sowie Betriebssysteme und intuitive Anlernmethoden für Roboter (No-Code-Robotik).

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Auskünfte IMS, Unternehmenshistorie, Northdata

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger