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Ostdeutsche X-Fab bekommt US-Zuschüsse für Fabrik-Ausbau in Texas

Siliziumkarbid-Wafer von Bosch. Die Leistungselektronik aus diesem Material hat weniger Energieverluste als eine Silizium-Lösung und ist daher zum Beispiel für besonders effiziente Elektroautos und Ladesysteme interessant. Foto: Bosch
Siliziumkarbid-Wafer von Bosch. Foto: Bosch

Biden-Regierung will mit Chipgesetz auch eigene Lieferketten für Leistungshalbleiter stärken

Erfurt/Washington, 8. Dezember 2023. Die belgisch-ostdeutsche Mikroelektronik-Firma „X-Fab“ will ihre texanische Fabrik für Chips aus Siliziumkarbid (SiC) in Lubbock ausbauen. Dafür bekommt sie rund 50 Millionen Dollar aus dem Chipgesetz-Programm von der US-Regierung. Das hat die scheidende Biden-Harris-Administration mit X-Fab nun vereinbart.

Siliziumkarbid-Chips sollen Elektroautos und Windkraftwerke effizienter machen

„Die Nachfrage nach Siliziumkarbid-Technologien wird langfristig stark sein“, ist der texanische X-Fab-Chef Rico Tillner überzeugt. Denn Leistungshalbleiter aus diesem Alternativmaterial zu Silizium können besonders effizient und verlustarm hohe Spannungen und starke Ströme schalten. Damit sind sie vor allem für Elektroautos, Solar- und Windkraftwerke von Interesse, aber auch für Handy-Ladestationen bis hin zu U-Bahnen und Elektroloks. Die versprochenen Subventionen können laut Tillner helfen, die Technologie-Lieferketten in den USA zu stärken. Denn X-Fab produziert dort keine Chips für den Eigenbedarf, sondern agiert als Auftragsfertiger für zahlreiche Kunden.

Ursprung im DDR-Mikroelektronik-Kombinat

X-Fab geht ursprünglich auf die Chipfabriken des DDR-Mikroelektronik-Kombinats in Erfurt zurück. Nach der Wende profilierten sich die thüringischen Werke als Auftragsfertiger („Foundry“) für analog-digitale Misch-Schaltkreise. Die Erfurter Fabs bekamen letztlich einen belgischen Eigentümer, der bundesweit und auch international weitere Fabriken und Geschäftsfelder zugekauft hat – darunter auch die in den USA.

„Schlüssel zu den globalen Dekarbonisierungsbemühungen im Automobil- und Industriesektor“

Laut US-Handelsministerium ist die bereits existierende SiC-Fab von X-Fab in Texas die „einzige SiC-Foundry mit hohem Volumen in den USA.“ Die Technologie sei „der Schlüssel zu den globalen Dekarbonisierungsbemühungen im Automobil- und Industriesektor und bietet zahlreiche Vorteile gegenüber herkömmlichen siliziumbasierten Technologien für Hochleistungsanwendungen“. Das Unternehmen hat 150 neue Arbeitsplätze durch den Ausbau versprochen. Zwar ist nicht sicher, ob sich die künftige US-Regierung an die Zusagen der jetzigen Administration gebunden fühlen wird. Aber da Donald Trump (Republikaner) schon in seiner ersten Amtszeit versucht hatte, mit Steuervorteilen und anderen Vergünstigungen Industriebetriebe in den USA anzusiedeln, kann wohl auch X-Fab mit den jetzt zugesagten Subventionen rechnen.

US-Verband argumentiert mit „wirtschaftlicher und nationaler Sicherheit Amerikas“

Der US-Halbleiterverband „Semiconductor Industry Association“ (SIA) hat derweil die jüngsten Chipgesetz-Zusagen begrüßt: „Die heute angekündigten Chips Act-Investitionen werden die US-Lieferketten für Halbleiter der aktuellen Generation und ausgereifter Knoten stärken und so zur Stärkung der wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit Amerikas beitragen“, kommentierte SIA-Präsident John Neuffer.

Erfolge des EU-Chipgesetzes eher durchwachsen

Derweil hat das Chipgesetz der EU bislang eher wechselhafte Erfolge erzielt: Es hat vor allem milliardenschwere Ansiedlungen und Ausbauten von Chipfabriken in Dresden und Crolles ermöglicht, die Projekte von Intel und Wolfspeed in Magdeburg und Emsdorf liegen hingegen auf Eis. Vom im Chipgesetz selbstgesteckten utopischen Ziel, den europäischen Weltmarkt-Anteil in der Mikroelektronik bis 2030 auf 20 Prozent zu verdreifachen, ist die EU-Kommission jedenfalls Lichtjahre entfernt.

SIA rechnet mit Verdreifachung der Chipproduktions-Kapazitäten in den USA

Die SIA hingegen sieht für die Vereinigten Staaten deutliche Fortschritte auf dem Ziel, alte Stärken wiederzuerlangen: Laut der „SIA-Boston Consulting Group“ werden die USA ihre inländische Halbleiterproduktionskapazität von 2022 – als das amerikanische Chipgesetz in Kraft trat – bis 2032 verdreifachen. „Das prognostizierte Wachstum von 203 % ist der größte prognostizierte prozentuale Anstieg weltweit in diesem Zeitraum. Der Bericht prognostizierte außerdem, dass Amerika von 2024 bis 2032 über ein Viertel (28 %) der gesamten weltweiten Investitionsausgaben (Capex) auf sich vereinen wird.“

Autor: hw

Quellen: SIA, US-Handelsministerium, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger