Millionenspritze für Sensorfolien-Fabrik in Dresden

Uni-Ausgründung Flexora Dresden will ganze Anlagen mit künstlichen Augen aus organischer Elektronik pflastern
Dresden, 12. November 2024. Wenn von den Produktivitätsschüben für Unternehmen durch „Industrie 4.0“, „Big Data“ oder das „Internet der Dinge“ die Rede ist, wird selten erwähnt, dass diese Technologien ohne allgegenwärtige Sensoren kaum funktionieren: Nur wenn künstliche Augen, Ohren und Fühler die ganze Zeit über Auslastung und „Gesundheitsstatus“ von Motoren, Roboterarme, Chemikalien-Leitungen und andere Anlagenteile rapportieren, können „Künstliche Intelligenzen“ (KI) im rechten Augenblick Produktionsströme umleiten, Wartungstechniker losschicken oder mehr Nachschub digital bestellen.
Staatliche und private Geldgeber rücken Wagniskapital heraus
Bisher gibt es solche Sensoren gerade in älteren Anlagen und Maschinen entweder gar nicht oder nur punktuell. Diese „Sichtlücken“ will nun die sächsische Technologiefirma „Flexora“ füllen. Die TU-Ausgründung baut demnächst in Dresden hauchdünne, biegsame Sensorfolien aus organischer Elektronik in Serie, mit der sich das Innenleben von Maschinen und Rohrsystemen flächendeckend überwachen lässt. Dafür hat Flexora nun eine millionenschwere Risikokapital-Spritze vom „Technologiegründerfonds Sachsen“ (TGFS), der Dresdner Uni-Tochter „Tudag“ und einem privaten Investor bekommen. Die genaue Summe wollten die Partner nicht verraten, die Rede war von einem „siebenstelligen Betrag“.
„Mit dem Kapital bauen wir unseren eigenen Standort auf in Dresden“, informierte Flexora-Mitgründer Clemens Haist auf Oiger-Abfrage. „Das heißt, wir ziehen aktuell aus den Räumlichkeiten des IAP aus und in ein neues Gebäude mit mehr Platz. In diesem Zusammenhang errichten wir dort unter anderem eine Rolle-zu-Rolle Fertigung für gedruckte Sensorik. Abgesehen davon werden wir auch Forschungskapazitäten aufbauen.“

Wie eine zweite Haut für Maschinen
„Wir lösen das Problem der geringen Verfügbarkeit von Sensordaten über große Flächen mithilfe einer Sensorfolie, die eine Vielzahl an gedruckten Sensoren enthält und sich wie eine zweite Haut auf nahezu jede beliebige Oberfläche aufkleben lässt“, erklärte Flexora-Technik-Chef Michael Sawatzki-Park. „Einmal angebracht lassen sich damit verschiedene Parameter, wie Temperatur, Druck oder Beschädigungen, in Echtzeit und über große Flächen hinweg überwachen.“
Im Dunstkreis um Organikpapst Leo gegründet
Flexora entstand im Jahr 2022 aus dem Institut für Angewandte Physik der TU Dresden heraus. Neben den vier Gründern Clemens Haist, Michael Sawatzki, David Kneppe und Kivanc Ararat engagiert sich auch der Dresdner Organikelektronik-Papst Prof. Karl Leo an der Unternehmung. Die hat sich darauf spezialisiert, Sensorfolien in additive Fertigungsanlagen im Rolle-zu-Rolle-Verfahren herzustellen, also ähnlich schnell wie Zeitungen in einer Druckerei. Die Folien kommen dabei auf bis zu 10.000 Sensoren pro Quadratmeter. Letztlich sollen allgegenwärtige „intelligente“ Sensorfolien dabei helfen, Fabriken besser auszulasten, Kosten zu sparen und die „Lebensdauer“ von Maschinen zu verlängern.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: TGFS, Flexora, Oiger-Archiv, Wikipedia
Die Flexora-Gründer Clemens Haist (oben links), Michael Sawatzki (oben rechts), David Kneppe (unten links) und Kivanc Ararat. Foto: Margarita Zakaryan für Flexora via TGFS

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