Studie: Trump-Sieg kann Deutschland 3,2 % Wirtschaftsleistung kosten

Zusammenbruch der WTO durch Freihandels-Gegner würde Europa besonders hart treffen
Kiel, 3. November 2024. Wenn Donald Trump (Republikaner) die nächste US-Präsidentenwahl gewinnt, seine Wirtschaftskriege wieder aufnimmt und den globalen Freihandel beerdigt, könnte das Deutschland im Extremfall kurzfristig 3,2 Prozent seiner Wirtschaftsleistung kosten, für China wären sogar sechs Prozent zu erwarten. Das geht aus einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (IfW) Kiel und des „Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung“ (Wifo) Wien hervor.
Auch Harris auf Protektionismus-Kurs – aber nicht so extrem wie Trump
Die Forscher rechnen in jedem Fall damit, dass die USA ihren Wirtschaftskrieg gegen China fortsetzen, weiter auf Abwehrzölle gegen andere Länder und Protektionismus setzen. „Unabhängig davon, wer am 5. November 2024 das Rennen um das Weiße Haus gewinnt, können wir davon ausgehen, dass die USA auch weiterhin eine protektionistische Handelspolitik verfolgen werden, da diese parteiübergreifend breite Unterstützung genießt“, meint IfW-Präsident Gabriel Felbermayr, einer der Autoren der Studie. „Natürlich würde das Ausmaß des Protektionismus sehr unterschiedlich ausfallen. Während Harris multilaterale Institutionen mehr zu schätzen scheint, wäre eine zweite Trump-Regierung wahrscheinlich isolationistischer, weit weniger multilateral und stärker transaktionsorientiert als eine Harris-Regierung.“
Mehr Abschottungszölle der USA zu erwarten
Basierend auf Wahlkampfaussagen und seiner Politik in seiner ersten Amtszeit könnte Trump Waren aus China mit 60 Prozent Abwehrzoll belegen, um sie vom US-Markt fernzuhalten, alle anderen Länder würden mit mindestens zehnprozentigen Zöllen für Exporte in die USA bestraft. „Sollten die USA diese Zölle einführen, könnte der Welthandel im ersten Jahr um 2,5 Prozent schrumpfen, mit einem langfristigen Rückgang von etwa 3 Prozent“, prognostizieren die Ökonomen aus Kiel und Wien. Vergeltungszölle von Handelspartnern würden die Auswirkungen noch verstärken, insbesondere wenn die USA die Zölle auf Partner wie Kanada und Mexiko ausweiten, wodurch sich der Rückgang des Welthandels verdoppeln würde. Die chinesischen Exporte würden um etwa 10 Prozent zurückgehen, während die US-Exporte um bis zu 38 Prozent sinken würden.“
„Zusammenbruch der WTO könnte EU-Wirtschaft viermal härter treffen als US-Zölle“
Zudem ist damit zu rechnen, dass Trump die Welthandelsorganisation WTO, die er schon in seiner ersten Amtszeit weitgehend handlungsunfähig gemacht hat, weiter demontieren wird. Deutschland als einst exportorientierte Wirtschaftsnation, die schon lange auf internationale Verflechtung gesetzt hat, trifft die schrittweise Abkehr der USA vom freien Handel besonders hart. Und das gilt auch für Europa im Ganzen: „Ein Zusammenbruch der WTO könnte EU-Wirtschaft viermal härter treffen als US-Zölle“, heißt des aus dem IfW. „Sollte die Welt in geopolitische Blöcke unter Führung der USA beziehungsweise Chinas zerfallen, wären die Verluste für die EU deutlich höher und für China noch größer.“
Ökonomen raten Europa zu Kampf um freien Welthandel
Daher raten die Ökonomen der EU und der deutschen Regierung, vehementer als bisher um den freien Welthandel zu kämpfen: „Da die Auswirkungen der Fragmentierung auf das BIP der EU so viel größer sind, muss es die oberste Priorität der EU sein, die Welthandelsordnung zu verteidigen, einschließlich der Bemühungen, die Autorität und die Mechanismen der WTO zu stärken“, meint Studien-Koautor Julian Hinz.
EU-Kommission ist bereits in Teilen auf US-Protektionismus eingeschwenkt
Danach sieht es allerdings im Moment nicht aus: Die EU-Kommission um Ursula von der Leyen (CDU) ist in Teilen auf die protektionistische Politik und den Wirtschaftskrieg der USA gegen China eingeschwenkt, beispielsweise durch Zölle und Verwendungsverbote gegen überlegene chinesischen Konkurrenten im Solarsektor, im Elektroauto-Bau oder bei Netzwerktechnik.
Autor: hw
Quellen: IfW Kiel, Oiger-Archiv
Wissenschaftliche Studie:
„US-Handelspolitik nach 2024: Was für Europa auf dem Spiel steht“ von Gabriel Felbermayr, Julian Hinz und R. J. Langhammer in: Kiel Policy Brief, 178, 2024, Fundstelle im Netz hier

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