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Interesse an E-Büchern wächst in Deutschland

Die meisten größeren Bibliotheken haben heute längst eBooks im Bestand. Die Dresdner wollen diese digitalen Medienbestände nutzen, um virtuelle Schulbibliotheken aufzubauen. Foto: Heiko Weckbrodt
Auch die meisten größeren Bibliotheken haben heute längst eBooks im Bestand. Foto: Heiko Weckbrodt

Inzwischen lesen 16 % fast nur noch digitale Buchvarianten

Berlin, 13. Oktober 2024. Lange Zeit hatten es digitale Bücher schwer im Land der Dichter und Denker: Während Amazon & Co. in den USA und anderen Ländern mit preisgünstigen E-Books einen neuen Lese-Boom auslösten, griffen und greifen die Deutschen immer noch lieber zum gedruckten Buch: Der bis 2019 höhere Mehrwertsteuersatz für E-Bücher sowie die deutsche Buchpreisbindung verhinderten zunächst die andernorts üblichen deutlichen Preisvorteile, mit denen E-Books in vielen Ländern ihren Siegeszug vor allem begründeten.

Inzwischen wandelt sich aber auch in der Bundesrepublik das Bild: Mittlerweile greifen 40 Prozent der Deutschen wenigstens gelegentlich zum E-Buch, hat eine Umfrage im Auftrag des deutschen Digitalwirtschafts-Verbandes „Bitkom“ aus Berlin ergeben. Und: „16 Prozent der Deutschen lesen ausschließlich oder überwiegend E-Books, vor einem Jahr waren es erst zehn Prozent“, berichtet der Verband.

E-Book-Ausgaben gehören nun zum guten Ton in den Verlagen

„Mittlerweile gehört es zum Standard, Bücher auch als digitale Version zu veröffentlichen“, schätzt Bitkom-Experte Sebastian Klöß ein. „Auch viele Bibliotheken haben ihr E-Book-Angebot in den letzten Jahren stark ausgebaut. E-Book-Apps und -Betriebssysteme bieten dabei mehr Funktionen, die es erlauben, die Darstellung detailliert auf individuelle Lesebedürfnisse und -bedingungen anzupassen. Das kann digitale Bücher gerade für Ältere zu einer attraktiven Alternative machen.“

Schrift lässt sich leicht vergrößern – digitale Versionen bieten viele Zusatzfunktionen

Denn die Schriftgröße digitaler Bücher lässt sich auf iPads, E-Readern und anderen Lesegeräten enorm vergrößern. Das kommt all jenen entgegen, die Probleme haben, die oft sehr kleinen Schriftgrade gedruckter Texte ohne starke Brillen überhaupt noch lesen zu können. Zudem bieten viele Lese-Programme auch Übersetzungen, Lexika-Nachschlagemöglichkeiten direkt aus dem Text heraus, schnelle Textsuchen innerhalb des Buches und andere Zusatzfunktionen an.

Ganze Bibliotheken auf einem Tablet in der Reisetasche

Dies ist aber nicht der einzige Grund, warum mehr und mehr Lesefreunde E-Bücher nutzen: 84 Prozent derjenigen, die E-Books lesen, tun dies, um überall auf ihre Bücher zugreifen zu können, berichtet der „Bitkom“. 70 Prozent entscheiden sich für E-Books, weil sie weniger Platz wegnehmen, 66 Prozent, um neue Bücher schnell und einfach beziehen zu können. 59 Prozent lesen E-Books wegen des geringen Gewichts, zum Beispiel auf Reisen, 44 Prozent, um auch im Dunklen lesen zu können, und 42 Prozent, um die Schrittgröße anpassen zu können. Für 26 Prozent der E-Book-Leserinnen und -Leser spielen zusätzliche Funktionen wie Suchen, Übersetzungen oder Markierungen eine Rolle, für 25 Prozent der Nachhaltigkeitsaspekt, mit der digitalen Version Ressourcen wie Papier einzusparen. Jeweils 8 Prozent lesen E-Books wegen der Vorlesefunktion, weil viele kostenlose Bücher verfügbar sind, beziehungsweise weil sie günstiger als gedruckte Bücher sind.

Nachteile: Haptik-Mangel und Verborgen ist schwer

Aber es gibt eben auch Gegenargumente: „Wer sich bisher gegen E-Books entscheidet, tut dies vor allem aufgrund der Haptik“, berichten die Bitkom-Experten aus der Umfrage ihrer Tochtergesellschaft „Bitkom Research“ unter 1007 Menschen in Deutschland. Demnach sagen 62 Prozent derjenigen, die ausschließlich gedruckte Bücher lesen, das ihnen bei E-Books das Gefühl von Papier beim Lesen von E-Books fehlen würde. Die Hälfte verweist darauf, dass sich E-Books nur kompliziert oder gar nicht an Freunde, Familie und Bekannte weitergeben lassen. 48 Prozent sorgen sich darum, dass der Akku leer sein könnte, beziehungsweise 34 Prozent, dass der E-Book-Reader kaputt gehen oder gestohlen werden könnte. 32 Prozent wollen nicht noch mehr Zeit vor Bildschirmen verbringen und 31 Prozent empfinden das Lesen von E-Books als zu anstrengend für die Augen.

Autor: hw

Quellen: Bitkom, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger