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Ferne Welten und die Melodie der Nanogitarre

Blick mit dem  Radioteleskop "MeerKAT" auf Supernovae-Überreste im Zentrum unserer Galaxis. Ferne Welten und das geplante Astrophysik-Zentrum in der Lausitz gehören zu den Themen der DPG-Tagungen in Dresden. Abb.: SARAO, Heywood et al. (2022), J.C. Muñoz-Mateos via Desy-Pressemitteilung zum DZA

Blick mit dem Radioteleskop „MeerKAT“ auf Supernovae-Überreste im Zentrum unserer Galaxis. Ferne Welten und das geplante Astrophysik-Zentrum in der Lausitz gehören zu den Themen der DPG-Tagungen in Dresden. Abb.: SARAO, Heywood et al. (2022), J.C. Muñoz-Mateos via Desy-Pressemitteilung zum DZA

Europas größter Physikerkongress nach Corona-Unterbrechung wieder in Dresden

Dresden, 21. Februar 2023. Nach der Corona-Pause kommen im März 2023 wieder Tausende Physiker nach Dresden, um sich hier über künstliche Intelligenz, ferne Welten, die Melodien der Nanogitarre und andere aktuelle Forschungsthemen ihres Faches auszutauschen: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) lädt einerseits am 20. März zu ihrer Jahrestagung sowie zur Frühjahrstagung der „Sektion Materie und Kosmos“ (SMuK) in die sächsisches Landeshauptstadt ein. Und gleich im Anschluss folgt dort vom 26. bis 31. März die Frühjahrstagung der „Sektion Kondensierte Materie“ (SKM). Das geht aus einer DPG-Mitteilung hervor.

Tausende Forscher erwartet

In früheren Jahren waren zum größten Physikerkongress Europas oft an die 6000 Naturwissenschaftler nach Dresden geströmt. Dann kam Corona und die Tagung 2020, die eigentlich auch in Elbflorenz stattfinden sollte, wurde abgesagt. Abzuwarten bleibt, ob die DPG-Kongresse nun beim Neustart wieder an frühere Teilnehmerzahlen anknüpfen lassen oder viele Forscher lieber von daheim aus online die Diskussionen verfolgen.

Die Grenzen des Standardmodells, der Zeitpfeil und eine „ideologiefreie Energiewende“

Auf der Agenda stehen jedenfalls Fragen, die die Physiker-Szene schon länger beschäftigen: Ob die gängigen Theorien über die subatomare Welt an ihre Grenzen gestoßen sind, welche Erkenntnisgewinne mit der Kurzzeit-Mikroskopie erzielen lassen, warum die Zeit eigentlich nur in eine Richtung fließt – oder etwa doch nicht? Auf der Tagesordnung stehen aber auch aktuelle gesellschaftliche Themen, beispielsweise, wie eine „ideologiefreie Energiewende“ funktionieren kann, wieviel Windenergiepotenzial Deutschland tatsächlich hat und welche Chancen das geplante „Deutsche Zentrum für Astrophysik“ tatsächlich für die Lausitz nach dem Kohleausstieg bietet.

Risikoforscher: Wunsch nach Nullrisiko ist ohnehin eine Illusion

Neben den Fachvorträgen und -debatten auf Englisch wird es auch wieder öffentliche populärwissenschaftliche Vorträge gratis und auf Deutsch geben. So referiert Gerd Gigerenzer vom „Harding-Zentrum für Risikokompetenz“ der Uni Potsdam am 22. März ab 20 Uhr im Hörsaalzentrum der TU Dresden an der Bergstraße über die Frage, wie eine Gesellschaft „informiert und entspannt mit Risiken umgehen“ kann. Seine These: „Unsere Gesellschaft ist von einem rationalen Umgang mit Risiken noch weit entfernt.“ Dies sei „ein Zustand, der jedes Jahr beträchtliche finanzielle Mittel, Ängste und das Leben von Bürgern kostet.“ Notwendig sei ein Umdenken: „Statt der Illusion der Sicherheit und dem Wunsch nach Nullrisiko braucht eine lebendige Demokratie Menschen, die kompetent und entspannt statt ängstlich und verunsichert mit Risiken umgehen können.“

Potsdamer reden über ihre Klima-Kipppunkte

Am 23. März skizziert dann Christian Stegmann vom „Deutsches Elektronen-Synchrotron Desy“ zur selben Zeit am selben Ort den Weg „Von Sachsen ins Universum“. Und am 26. März will dann Ricarda Winkelmann vom Potsdam Institute for Climate Impact Research (PIK) ab 18:30 Uhr über „Kipp-Punkte im Klimasystem“ reden – ebenfalls im Audimax des Hörsaalzentrums.

Weitere Informationen zu dem Tagungsmarathon gibt es hier im Netz.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: DPG, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt