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Flugzeugsprit aus Plastemüll

In Freiberg entwickelt die KKT-Forschungsgruppe unter anderem mit dieser Schlacke-Gasifizierungsanlage an  neuen Reycling-Verfahren. Foto: Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen, TU Bergakademie Freiberg

In Freiberg entwickelt die KKT-Forschungsgruppe unter anderem mit dieser Schlacke-Gasifizierungsanlage an neuen Reycling-Verfahren. Foto: Institut für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen, TU Bergakademie Freiberg

Fraunhofer-Keramikinstitut IKTS baut Kohlenstoff-Kreislaufforschung in Freiberg aus

Freiberg/Dresden, 11. Januar 2023. Damit die deutsche Industrie künftig Plastemüll, Schlacke und andere kohlenstoffhaltige Abfälle besonders effizient in Kerosin und Elektro-Sprit verwandelt, statt sie zu verbrennen, baut das „Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme“ (IKTS) aus Dresden seine Forschung an Kohlenstoff-Kreislaufprozessen in Freiberg aus. Dafür übernimmt es die 20-köpfige Freiberger Forschungsgruppe „Kohlenstoff-Kreislauftechnologien“ (KKT). Das hat das IKTS nun mitgeteilt.

Müll mit Ökostrom zerlegen und aufwerten

„Wir wollen künftig eine möglichst CO2-emissionsarme, effiziente und ressourcenschonende Nutzung von Kohlenstoffquellen ermöglichen“, erklärte Prof. Martin Gräbner, der die Freiberger IKTS-Außenstelle und den Lehrstuhl für Energieverfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen an der Bergakademie Freiberg leitet. „Dabei muss regenerativ erzeugter Strom die Basis bilden, der zum Beispiel als grüner Wasserstoff über spezielle Syntheseprozesse einbezogen wird.“

KKT-Gruppe 2017 mit Startzuschuss vom Land gegründet

Die nun ins IKTS eingegliederte Freiberger Forschungsgruppe wurde ursprünglich im Oktober 2017 vom Hallenser Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) gegründet und gemeinsam mit der Bergakademie Freiberg betrieben. Als Anschubfinanzierung schoss das sächsische Wissenschaftsministerium seinerzeit 4,6 Millionen Euro bei. Die KKT-Schwerpunkte sind unter anderem die Umwandlung von Kunststoff- und fossilen Misch-Abfällen in Gas oder deren Verflüssigung bei mittleren Temperaturen in sogenannten Pyrolyse-Reaktoren.

Kombination von Pyrolyse, Elektrolyse und Synthese geplant

Diese Konzepte wollen die IKTS-Ingenieure nun mit ihren Hochtemperatur-Elektrolyseuren, mit der Fischer-Tropsch-Synthese und anderen Verfahren kombinieren. Dadurch soll sich einerseits die ökonomische und ökologische Gesamtbilanz dieser Prozesse verbessern. Anderseits kann solch ein komplexerer Prozess auch hochwertigere Produkte wie etwa Kerosin oder Synthese-Diesel auf Ökostrom-Basis erzeugen und nicht nur Wachs oder Rohöl.

Größtes Keramikinstitut Europas

Das IKTS ist das – laut eigenen Angaben – größte Keramikinstitut Europas. Es beschäftigt in Dresden, Hermsdorf und Freiberg insgesamt über 800 Menschen. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem besonders widerstandsfähige und durchsichtige Keramiken, Prüfelektronik, Nanoanalytik, neue Sinterprozesse, 3D-Druckverfahren und andere Technologien, komplette Brennstoffzellen sowie Elektrolyseure mit einem Fokus auf Hochtemperatur-Systeme. In Freiberg betreibt das IKTS bereits gemeinsam mit dem „Fraunhofer-Instituts für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie“ (IISB) das „Fraunhofer-Technologiezentrum Hochleistungsmaterialien“ (THM), das sich unter anderem mit dem Akku-Recycling beschäftigt. Generell sind Wiederverwertungsverfahren, Kreislaufprozesse und speziell auch die Pyrolyse wichtige Entwicklungsschwerpunkte von Bergakademie, Fraunhofer und Technologiebetrieben in Freiberg.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IKTS, Oiger-Archiv