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Ifo: Nachschubprobleme für deutsche Industrie verschärfen sich

Eine Auswahl elektronischer Bauelemente von Bosch für den Einsatz in den Autoindustrie. Foto: Heiko Weckbrodt

Verknappt: elektronische Bauelemente für Autos. Foto: Heiko Weckbrodt

69 Prozent der Industriefirmen beklagen Materialmangel

München, 8. September 2021. Die deutsche Industrie hat wachsende Probleme, sich mit genügend Computer-Chips, Holz, Stahl und anderen Bauteilen und Rohstoffen einzudecken, um die anziehende Auftragslage abzudecken. „Der Materialmangel in der deutschen Industrie hat sich weiter verschärft“, berichtet das Wirtschaftsforschungsinstitut „Ifo“ aus München.

Die Nachschubprobleme machen sich derzeit in Deutschland vor allem in der Auto- und Möbelindustrie bemerkbar. Grafik: Ifo

Die Nachschubprobleme machen sich derzeit in Deutschland vor allem in der Auto- und Möbelindustrie bemerkbar. Grafik: Ifo

Denn in während einer Ifo-Umfrage berichteten 69,4 Prozent der Industriefirmen über Engpässe und Probleme bei Vorprodukten und Rohstoffen. Das ist ein neuer Höchststand. Zum Vergleich: Im Juli 2021 berichteten erst 63,8 Prozent der befragten Unternehmer über Nachschubprobleme.

Zulieferkrise bremst Wiederbelebung nach Corona aus

„Für die Produktion in der Industrie bleibt das nicht ohne Folgen“, warnte Ifo-Forscher Klaus Wohlrabe. „Die Beschaffungskrise stellt eine reale Gefahr für den Aufschwung dar. Als weitere Konsequenz sei mit steigenden Preisen zu rechnen.

Beispiel Autoindustrie: Corona-Effekte, Minilager-Politik und Digitalisierung kamen zusammen

Die aktuelle Nachschubkrise hat mehrere Gründe. Sie hängt unter anderem mit der Wiederbelebung der Wirtschaft zunächst in China und dann auch in den westlichen Industrieländern nach der ersten Corona-Wellen zusammen. Die deutsche Autoindustrie zum Beispiel hatte 2020 zeitweise ihre Produktion heruntergefahren, hatte bei raschen Hochfahren dann aber ernste Probleme, rechtzeitig wieder genug Elektronikbauteile einzukaufen. Dabei rächte sich einerseits die seit Jahren gepflegte Unternehmenspolitik der „schlanken Produktion“ mit minimaler Lagerhaltung beim Autohersteller selbst.

Anderseits zieht auch jenseits der postpandemischen Wiederbelebung die Halbleiter-Nachfrage aus der Autoindustrie ganz generell an: Der Schwenk zu Elektroautos erfordert weit mehr Leistungselektronik als vorher und auch das teilautomatisierte Fahren steigert den Chip-Bedarf pro Auto. Hinzu kommt, dass viele Manager aus der Autoindustrie anscheinend vollkommen verkannt haben, wie lange ein neuentwickelter Chip vom digitalen Entwurf über die Frontend-Produktion in den Halbleiterwerken bis zur Endmontage in Asien und der der finalen Auslieferung in Europa braucht. Inzwischen haben mehrere deutsche Autokonzerne einige ihrer Taktstraßen zeitweise wieder herunterfahren müssen, weil die richtigen Chips für die Autos fehlten.

Weltweit auch starke Nachfrage für Stahl und Holz

Die Nachschubkrise und die damit verbundenen steilen Preiserhöhungen betreffen aber auch weniger komplexe Zulieferungen: Holz zum Beispiel brauchen Baufirmen, Möbelhersteller und Maschinen-Verpacker und Logistiker gleichermaßen – und China hat hier viel vom Marktangebot aufgesogen. Ähnliches gilt für Stahl, den Maschinenbauer, Autobauer, Baufirmen und viele andere Unternehmen brauchen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Ifo, Oiger-Archiv