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Digitaler Schutzschild für Autisten

Datenbrillen, Ohrschützer und andere digital unterstützte Assistenzsysteme sollen Autisten gegen Reizüberflutung schützen und ihnen ein strukturiertes Arbeiten ermöglichen. Foto: Heiko Weckbrodt

Datenbrillen, Ohrschützer und andere digital unterstützte Assistenzsysteme sollen Autisten gegen Reizüberflutung schützen und ihnen ein strukturiertes Arbeiten ermöglichen. Foto: Heiko Weckbrodt

„Autark“-System der TU Dresden soll empfindsamen Menschen helfen, mit Arbeitsalltag klarzukommen

Dresden, 27. November 2022. Datenbrillen und Ohrschützern sollen Autisten künftig helfen, im Arbeitsalltag zurechtzukommen. Das tragbare Assistenzsystem soll Außengeräusche mindern, um eine Reizüberflutung zu verhindern, aber automatisch den Ton wieder hochregeln, wenn diese Menschen angesprochen werden. Daran arbeiten derzeit Informatiker an der Technischen Universität Dresden (TUD). Parallel dazu entwickeln sie einen intelligenten Modell-Arbeitsplatz, der autistischen Menschen dabei hilft, ihre Aufgaben zu planen und zu erledigen. Der Bund fördert dieses „Autark“-Projekt mit 1,276 Millionen Euro. Das hat der sächsische Bundestagsabgeordnete Markus Reichel (CDU) mitgeteilt.

Informatik-Professor: Viele Autisten sind mit Reizflut am Arbeitsplatz überfordert

„Für Menschen mit Autismus sind die Bedingungen am Arbeitsplatz einfach oft sehr ungünstig, da sie mit Stimmen, Geräuschen, visuellen Eindrücken in der Umgebung überfordert sind und dann ihre Arbeit nicht mehr richtig ausführen können“, erklärte Prof. Gerhard Weber, der den zuständigen TUD-Lehrstuhl für Mensch-Computer-Interaktion leitet. „Viele von ihnen verlieren deshalb sogar ihren Job. Hier wollen wir helfen und diese Situation mit unserer Technik verbessern“, erklärt, der den Lehrstuhl leitet.“

Markus Reichel. Fotorechte: Markus Reichel

Markus Reichel. Fotorechte: Markus Reichel

Abgeordneter Reichel: Viele Firmen würden gern Autisten einstellen

„Das Autark-Projekt ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie Innovationen aus der Wissenschaft den Lebensalltag von Menschen verbessern können“, betonte Reichel. Das dafür genehmigte Fördergeld stärke den Wissenschaftsstandort Dresden und ermögliche Menschen mit Autismus mehr Teilhabe am Arbeitsleben. „Viele Arbeitgebende – auch bei uns in Dresden – würden gern autistische Menschen einstellen“, ist der Abgeordnete überzeugt. „Allerdings fehlt es oft an Möglichkeiten, wie sie ihrem Potenzial wirklich gerecht werden können. Der modellhafte Arbeitsplatz zeigt, wie es gehen kann.“ Lösungen seien gleichermaßen wichtig für die betroffenen Menschen wie auch ein weitere Ansatz gegen den Fachkräftemangel.

Wie sich Autismus äußert

Autismus ist eine Entwicklungsstörung, die meist die soziale Interaktionsfähigkeit der betroffenen Menschen einschränkt, zu stark fokussierten Interessen und stereotypem Verhalten führt. Das Spektrum autistischer Verhaltensweisen ist allerdings sehr breit, so dass in schwächer ausgeprägten Fällen auch eher von einem Persönlichkeitsmerkmal und nicht von einer Störung die Rede ist. Der „Bundesverband Autismus Deutschland“ geht davon aus, dass etwa sechs bis sieben von 1000 Europäern autistische Symptome unterschiedlicher Stärke haben.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Markus Reichel, Wikipedia, Bundesverband Autismus Deutschland

Die QT-Roboter aus Luxemburg sollen autistischen Kindern helfen, Gefühle richtig einzuordnen. Foto: LuxAI

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