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Auch Brennstoffzellen mögen saubere Luft

Topas-Techniker Carsten Horn lötet und bestückt eine Leiterplatte für ein Messgerät. Foto: Heiko Weckbrodt

Topas-Techniker Carsten Horn lötet und bestückt eine Leiterplatte für ein Messgerät. Foto: Heiko Weckbrodt

Bei Topas Dresden lösen Filterprüftechnik-Aufträge für Mini-Kraftwerke langsam die Motorfilter-Messtechnik ab

Dresden, 11. Februar 2022. In der deutschen Industrie ändern sich wegen der wachsenden Elektroauto-Produktion die Wertschöpfungsketten – und das merkt auch Topas Dresden: Als Messtechnik-Hersteller ist das Dresdner Unternehmen wie ein Indikator dafür, was in der Industrie gefragt ist oder nicht. Neben den Filter-Prüftechnikaufträgen aus der Halbleiterindustrie hatte Topas früher relativ gute Umsätze mit entsprechender Messtechnik für die Filter von Verbrennermotoren gemacht. Dieses Geschäft sei nun stark geschrumpft, berichtet Topas-Vertriebschef Stephan Große. „Dafür kommt nun das Thema Brennstoffzelle in der Industrie an.“

Die Topas-Fabrik in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Topas-Fabrik in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Das mag auf den ersten Blick verwundern, da Brennstoffzellen als „saubere Technologie“ gelten, die aus Wasserstoff und Sauerstoff bloß Strom, Wasser und etwas Wärme erzeugen. Tatsächlich brauchen diese Aggregate aber beispielsweise auch Filter, die dafür sorgen, dass die eingesaugte Luft nicht voller Partikel ist. Andernfalls können Effizienz, Lebensdauer und Umweltbilanz der kleinen Kraftwerke darunter leiden. Und da kommt eben Topas ins Spiel, die sich wie nur ganz wenige andere Anbieter in Europa auf den Bau von Messtechnik verstehen, die selbst winzigste Partikel in angesaugter Luft oder Gasverunreinigungen messen kann.

Topas-Vertriebschef Stephan Große mustert ein spezielles Sieb mit hochfeinen Öffnungen, mit denen sich zum Beispiel die Partikelgrößen in Schokolade ausmessen lassen. Foto: Heiko Weckbrodt

Topas-Vertriebschef Stephan Große mustert ein spezielles Sieb mit hochfeinen Öffnungen, mit denen sich zum Beispiel die Partikelgrößen in Schokolade ausmessen lassen. Foto: Heiko Weckbrodt

Schwerpunkt lag beizeiten auf Reinraum-Filtermesstechnik

Andreas Rudolph und weitere Ingenieure hatten Topas 1991 aus der TU Dresden heraus gegründet. Der Ingenieurbetrieb spezialisierte sich zunächst auf den wissenschaftlichen Gerätebau, dann aber auf Anlagen für immer breitere Kundenkreise. In den folgenden drei Dekaden konstruierte Topas vor allem Partikelmesstechnik und Aerosol-Generatoren, mit denen sich beispielsweise Filter für Chipfabrik-Reinräume, für Motoren, Klimaanlagen und dergleichen mehr austesten lassen. In der Corona-Zeit rückten zudem Prüfanlagen für Schutzmasken und Raumluftreiniger in den Fokus und in jüngster Zeit eben auch Filterprüftechnik für Brennstoffzellen.

Mit solchen Aufbauten mit Puppenköpfen misst Topastechnik die Zuverlässigkeit von Schutzmasken gegen Corona. Normalerweise liefern die Dresdner nur die Technik und messen nicht selbst. Im Kundenauftrag machen sie aber Ausnahmen. Foto: Heiko Weckbrodt

Mit solchen Aufbauten mit Puppenköpfen misst Topastechnik die Zuverlässigkeit von Schutzmasken gegen Corona. Normalerweise liefern die Dresdner nur die Technik und messen nicht selbst. Im Kundenauftrag machen sie aber Ausnahmen. Foto: Heiko Weckbrodt

Den „Hidden Champion“ kennt nur die einschlägige Industrieszene

Und die Präzision dieser Messtechnik hat sich herumgesprochen: „Topas“ gehört zwar nicht zu den Marken, die der Laie kennt, hat aber bei Industriebetrieben, die irgendwie mit Filtern zu tun haben, einen guten Klang. Das liegt unter anderem an der starken wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Basis des Dresdner Unternehmens, aber auch am Spezial-Know-how. Das reicht bis hin zum eigenen Glasbläser, der bei Bedarf den Topas-Kunden sogar zerbrochene Glasunikate ersetzen kann. Und dieses hohe Technologie- und Serviceniveau goutieren eben immer mehr Kunden weltweit. Daher hat Topas Kunden aus der Halbleiterbranche und dem gesamten Hightech-Sektor ebenso wie die Staubsaugerindustrie in Asien.

Wachsende internationale Nachfrage

Angesichts der wachsenden internationalen Nachfrage vergrößerte sich Topas auch in den vergangenen drei Dekaden: 1997 zog das Unternehmen zunächst innerhalb von Dresden an die Willischstraße um, dann nach Dresden-Reick an die Ecke von Gasanstaltstraße und Oskar-Röder-Straße. Inzwischen beschäftigt Topas dort fast 100 Mitarbeiter. Auch gab es einen Genrationswechsel: Der Mitgründer und langjährige Chef Rudolph hat die Geschäftsführung inzwischen an die Ingenieurin Claudia Jahn-Wolf übergeben. Parallel dazu investierte Topas zuletzt nochmal vier Millionen Euro in einen Neubau sowie eine weitere halbe Million in die Umrüstung des Altbaus in ein technologisches Innovationscentrum (TIC).

Eigenes Seminarprogramm geplant

Dort hat die Entwicklungsabteilung nun mehr Platz und neue Prüflabore bekommen. Außerdem nutzt Topas das TIC als Vorführ- und Bildungszentrum. „Viele internationale Kunden, vor allem auch aus dem arabischen Raum, haben starkes Interesse an wissenschaftlichen Bildungsangeboten“, erklärte Große. Daher werde Topas dort mit TU-Forschern ein eigenes Seminarprogramm rund um Partikelmessmethoden und verwandte Disziplinen aufbauen. Durch die Hallenkapazitäten im TIC sei es nun zudem möglich, einmal im Kundenauftrag konstruierte Anlagen auch weiterzuentwickeln – und womöglich bis zu einer Serie zu führen, ergänzte der langjährige Geschäftsführer Andreas Rudolph.

Blick in eine halbfertige Prüfanlage. Ohne Gebläse (unten) kann die Montage schnell ins Stocken geraten. Foto: Heiko Weckbrodt

Blick in eine halbfertige Prüfanlage. Ohne Gebläse (unten) kann die Montage schnell ins Stocken geraten. Foto: Heiko Weckbrodt

Lieferkettenprobleme schlagen auch in Dresden durch: Ohne E-Motor kein Gebläse

Trotz des Aufwärtstrends kämpft aber auch Topas mit jenen Problemen, die derzeit die deutsche Autoindustrie und viele andere Branchen beschäftigen: Gestörte Lieferketten sorgen auch in Dresden für Bauteilengpässe. „Im Moment ist es zum Beispiel schwierig, genügend Gebläse geliefert zu bekommen“, erzählt Große. Das wiederum liege daran, dass der Nachschub an ganz bestimmten Elektromotoren stockt. Ob dahinter nun die starke E-Motor-Nachfrage aus dem Automobilbau und dem Maschinenbau, der Ausfall von Lieferanten, Containerschiff-Staus oder andere Effekte standen, konnten die Topas-Ingenieure zwar nicht so genau herausfinden – aber solche Flaschenhälse sorgen eben immer wieder mal für Störungen. „Aber wir werden das schon irgendwie lösen“, ist sich Andreas Rudolph aus 30-jähriger unternehmerischer Praxis heraus sicher. „Das haben wir bisher immer geschafft.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Vor-Ort-Besuch Topas, Oiger-Archiv