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Handwerker fordern mehr Unterstützung bei der „Verkehrswende“

Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden, im November 2015. Foto: André Wirsig, Handwerkskammer Dresden

Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. Foto: André Wirsig, Handwerkskammer Dresden

Dresdner Kammerpräsident wünscht sich ein Ladeboxen-Förderprogramm – und einen zügigen Autobahn-Ausbau

Dresden, 2. November 2021. Die Handwerker sind bereit und willens, die gewünschte Verkehrswende hin zu einer umweltfreundlicheren Mobilität mitzumachen und mitzugestalten. Aber sie brauchen dabei mehr Unterstützung statt Fahrverbote, höherer Kfz-Steuern und ähnlicher Zusatzlasten. Das hat Präsident Jörg Dittrich von der Handwerkskammer (HWK) Dresden eingeschätzt.

Ohne funktionierende Verkehrsinfrastruktur fehlt die Geschäftsgrundlage

Eher kontraproduktiv wäre es, jegliche Autobahn-Bauprojekte zu stoppen, wie von einigen Aktivisten gefordert. Vielmehr sei gerade für das ostsächsische Handwerk ein zügiger Ausbau der A4 im Raum Dresden auf sechs beziehungsweise abschnittweise acht Spuren besonders wichtig. „Für das Handwerk ist eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur oft Geschäftsgrundlage, weshalb wir eine wirtschaftsfördernde Mobilität brauchen“, betonte Dittrich.

Speziell die A4 sei eine der wichtigsten Verkehrsadern zwischen dem Westen und Osten Europas. „Staus sind auf dieser Autobahn nicht die Ausnahme, sondern die Regel“, kritisierte er. „Und die Ausbaupläne erweisen sich mehr und mehr als eine unendliche Geschichte.“ Welche Folgen das habe, hätten die jüngsten A4-Baustellen bei Dresden gezeigt: Laster wie Autos weichen im Angesicht von Baustellen-Dauerstaus auf das Nebenstraßennetz aus, das dieser Belastung kaum gewachsen sei, ganz zu schweigen vom Verkehrslärm für die Anwohner. Dass sich der Lkw-Verkehr verringere, wenn Deutschland seine Autobahnen vernachlässige, sei eine wenig realistische Annahme.

Handwerker auf den Diesel angewiesen

Augenmaß von den Politikern und mehr Unterstützung durch die Energieversorger wünscht sich der Kammerpräsident auch beim Umstieg auf alternative Antriebe und stark verkehrsberuhigte Städte. Denn derzeit sind so gut wie alle Handwerker auf dieselgetriebene Autos, Kleintransporter und Laster angewiesen: Laut einer HWK-Umfrage haben 94 Prozent der Handwerksbetriebe eigene Fahrzeuge, davon haben wiederum 89 Prozent Dieselmotoren. So sei beispielsweise ein Umstieg auf elektrische Fahrzeuge in der Stadt eher möglich als auf dem Lande. Dort müssten die Energieversorger zunächst ein ausreichend dichtes Ladenetz aufbauen, auch ein Förderprogramm für eigene Ladeboxen in den ländlichen Betrieben sei wünschenswert.

In den Städten entstehen - wie hier in Dresden-Striesen - zwar mehr Ladesäulen für Elektroautos und auch Mobilitätspunkte, an denen man von einem umweltfreundlichen Verkehrsmittel auf das andere umsteigen kann. Doch auf dem Lande und für den Weg in die Stadt sieht das vielerorts ganz anders aus. Foto: Heiko Weckbrodt

In den Städten entstehen – hier eine Stromtankstelle an einem Mobipunkt in Dresden-Striesen – zwar mehr Ladesäulen für Elektroautos und auch Mobilitätspunkte, an denen man von einem umweltfreundlichen Verkehrsmittel auf das andere umsteigen kann. Doch auf dem Lande und für den Weg in die Stadt sieht das vielerorts ganz anders aus. Foto: Heiko Weckbrodt

Die meisten Handwerker pendeln vom Land in die Städte

All dies sei keineswegs ein kleiner Nebenaspekt der viel beschworenen „Verkehrswende“ in Deutschland: „Wir sprechen hier nicht über eine Minderheit, sondern einen riesigen Anteil der Handwerker, die aus dem ländlichen Raum in die Ballungszentren einpendeln müssen.“ Mit Blick auf die Diskussionen um Dieselverbote, reine Tempo-30-Städte, höhere Bußgelder fürs Parken in der zweiten Reihe und andere Forderungen warnte Dietrich vor vorschnellen Weichenstellungen: Womöglich sei vielen Akteuren in der öffentlichen Diskussion gar nicht bewusst, wie essenziell es zum Beispiel für den Klempner, Elektriker und andere Handwerker sei, von ihren Heimatbetrieben auf dem Lande in vernünftiger Zeit zu einem Rohrbruch oder Stromausfall in einem Wohnviertel in der Großstadt zu gelangen – und eben auch ihren Transporter mit den Ersatzteilen in der Nähe parken zu können.

„Wir Handwerker sperren uns keineswegs gegen eine Verkehrswende“, unterstrich der Kammerpräsident. Vielmehr seien es ja gerade Handwerker wie der Mechatroniker oder der Fahrradreparateur, ohne die viele erwünschte Verkehrsmittel nicht weit kommen würden. „Aber wir müssen da wegkommen von ideologischen Diskussionen“ – hin zu pragmatischen Lösungen, die für alle Seiten funktionieren.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: PK HWK