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Schaltkreis-Umsätze legen um 24 % zu

Leistungshalbleiter wie diese vertragen Spannungen um die 1200 Volt. Nun will Infineon neben der Produktion auch die Entwicklung von Hochspannungs-Elektronik in Dresden konzentrieren. Foto: Infineon

Leistungshalbleiter wie diese von Infineon sind weltweit gefragt. Foto: Infineon

Nachfrage speist sich nicht nur aus dem Neustart nach Corona

Scottsdale, 9. August 2021. Hersteller von Logikchips für den Industrieeinsatz, flüchtigen  Speichern (dRAMs), Autoelektronik und Bildschirm-Treiberschaltkreisen können in diesem Jahr mit exorbitanten Umsatzwachsraten zwischen 31 und 47 Prozent rechnen. Das hat das US-Marktforschungsunternehmen „IC Insights“ aus Scottsdale in Arizona prognostiziert. Insgesamt werden demnach die globalen Schaltkreis-Umsätze in diesem Jahr um 24 Prozent zulegen – trotz der jüngsten Produktionsenpässe.

Außergewöhnlich starker und breiter Schub für Mikroelektronik

Laut „IC Insights“ legen auch zahlreiche andere Mikroelektronik-Produktgruppen zu, wenn auch nicht ganz so stark. Einzig Anbieter frei programmierbarer Logikgitter („Gate Arrays“) müssen Einbußen hinnehmen. Die Analysten sprechen von einem der stärksten und breitesten Wachstumsschübe, die sie je in der Mikroelektronik erlebt haben. „In früheren wachstumsstarken Jahren verzeichneten vielleicht eine Handvoll Schaltkreis-Produkte außergewöhnliche Umsatzzuwächse, die das Wachstum des gesamten Marktes ankurbelten“, heißt es im neuen „McClean Report 2021“ von „IC Insights“. „Aber im Jahr 2021 scheint ein robustes Wachstum fast alle Produktkategorien der gesamten IC-Branche durchdrungen zu haben.“

Schaltkreis-Umsatz 2021 nach Produktgruppen. Tabelle: IC Insights

Schaltkreis-Umsatz 2021 nach Produktgruppen. Tabelle: IC Insights

Konsumelektronik ebenso gefragt wie Leistungshalbleiter für Autos, Solar- und Windkraftwerke

Die Mikroelektronik-Nachfrage speist sich derzeit aus mehreren Quellen: Während der Corona-Ausgangssperren stieg beispielsweise die Nachfrage für Unterhaltungsgeräte, Telearbeitstechnik und Videokonferenzsysteme. Durch die rasche Erholung der chinesischen Wirtschaft kamen zudem aus dem Reich der Mitte zahlreiche Aufträge. Stark ist inzwischen auch die Nachfrage aus der deutschen und internationalen Autoindustrie, die allerdings versäumt hatte, genug langfristige Lieferverträge mit den Halbleiterherstellern abzuschließen. Zudem befindet sich die Autobranche mitten in einem Transformationsprozess hin zum elektrischen und automatischen Fahren. Dadurch wird nun generell mehr Mikroelektronik in den meisten Autos verbaut. Speziell die Elektroautos brauchen mehr und bessere Leistungselektronik als die klassischen Verbrenner. Und fürs automatische und autonome Fahren werden vor allem mehr Sensoren, dezentrale Auswerteelektronik sowie teils auch schon Spezialelektronik für künstliche Intelligenz (KI) gebraucht.

Industrie 4.0 wird zum wichtigen Wirtschaftsfaktor. 2019 hat Bosch mehr als 750 Millionen Euro Umsatz mit vernetzten Lösungen für Fertigung und Logistik erzielt – ein Wachstum von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Visualisierung und Foto: Bosch

Industrie 4.0 wird zum wichtigen Wirtschaftsfaktor und sorgt für eine starke Nachfrage für Schaltkreisen und Sensoren. Visualisierung und Foto: Bosch

Digitale Transformation der Industrie erzeugt permanenten Auftragsstrom

Stark ist zudem die Nachfrage aus der allgemeinen Industrie, die sich derzeit hin zu einer stärker digitalisierten, automatisierten und integrierten Produktionsweise transformiert. Auch die forcierte Wende in Deutschland hin zu erneuerbaren Energiequellen sorgt zum Beispiel für eine starke Nachfrage für Leistungselektronik.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IC Insights, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt