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Kompostierbare Polymergehirne erkennen Herzprobleme

Prototyp eines plymerbasierten Reservoir-Computing-Chips von den IAAP-Physikern der TU Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Prototyp eines plymerbasierten Reservoir-Computing-Chips von den IAAP-Physikern der TU Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

TU Dresden arbeitet an Reservoir-Rechnern, die nur einmal im „Leben“ lernen

Dresden, 20. Juli 2021. Elektronikforscher aus Dresden arbeiten an Reservoir-Computern, die nach ihrem erstmaligen Anlernprozess wie fest verdrahtete Künstliche Intelligenzen (KI) arbeiten. Dabei setzt das Team um Prof. Stefan Mannsfeld und Matteo Cucchi vom „Integriertem Zentrum für angewandte Physik und photonische Materalien“ (IAPP) in der Dresden auf Polymerfasern, die sie durch Elektropolymerisation stark vernetzt haben. „Diese Netzwerke ähneln den Synapsennetzen im Gehirn und bilden künstliche neuronale Netzwerke“, betont Stefan Mannsfeld.

Prof. Stefan Mannsfeld kam aus dem kalifornischen Stanford nach Dresden, weil er hier ein einzigartige Forschungsmöglichkeiten an organischer Elektronik sieht - und übrigens auch die Kita-Plätze viel günstiger als in den USA sind. Foto: cfaed
Prof. Stefan Mannsfeld kam aus dem kalifornischen Stanford nach Dresden, weil er hier ein einzigartige Forschungsmöglichkeiten an organischer Elektronik sieht – und übrigens auch die Kita-Plätze viel günstiger als in den USA sind. Foto: cfaed

Neue Diagnostik-Möglichkeiten im Alltag absehbar

Das leitfähige Polymernetzwerk ist imstande, elektrische Signale zu leiten und zu verteilen. Es wird einmalig angelernt und dann fixiert – sich umformen und dazulernen kann dieses neuronale Netz danach nicht mehr. Aber es kann dann ganz bestimmte Signal-Muster viel schneller analysieren als ein klassischer Digitalcomputer. „Einsetzbar sind solche Systeme beispielsweise, um bei einem Patienten Herzschlag-Anomalien zu erkennen“, erklärt der Professor. Dies könne neue Wege bei der Alltagsdiagnostik eröffnen, etwa durch Hautsensoren in Armbändern, die Herzprobleme erkennen.

Computer endet auf dem Komposthaufen

Derartige Reservoir-Rechner lösen insofern nur ihre angelernte spezielle Aufgabe besonders schnell, sind aber nicht universell einsetzbar. Doch auch ökologische Aspekte sprechen für die Polymer-Synapsen: Sie sind laut IAPP biologisch abbaubar, sind ohne giftige Lösungsmittel bei niedrigen Temperaturen herstellbar und verbrauchen im laufenden Betrieb nur wenige Nanowatt (Billionstel Watt).

Autor: Heiko Weckbrodt

Quelle: Vor-Ort-Termin am IAAP, Interview Mannsfeld

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger