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Jedem Europäer seine digitale Identität

Logo des Projekts "ID Ideal" Grafik: HTW Dresden

Logo des Projekts „ID Ideal“ Grafik: HTW Dresden

HTW Dresden entwickelt „ID-Ideal“-Universalausweis fürs Internet

Dresden/Brüssel/Berlin, 8. Juni 2021. Dresdner Ingenieure arbeiten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium an einem universellen digitalen Ausweis, mit dem sich die Deutschen künftig einfach im Netz identifizieren können, ohne ihre persönlichen Daten im ganzen Internet breitstreuen zu müssen. Die Spezialisten der „Hochschule für Technik und Wirtschaft“ (HTW) wollen dafür binnen Jahresfrist gemeinsam mit 14 Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft unter dem Codenamen „ID-Ideal“ eine Art digitale Brieftasche entwickeln. Ähnlich wie die „Wallets“ von Apple und anderen privaten Anbietern soll sie auch virtuelle Eintrittskarten, Mitgliedsausweise und andere Dokumente elektronisch abrufbar bereithalten, ohne weitere Daten dabei preiszugeben. Mit dieser Universal-Wallet können sich Nutzer in Zukunft im Schwimmbad, in der Bibliothek, beim „Car Sharing“ oder in der Straßenbahn ganz ohne Papierkram per Smartphone ausweisen. Mitte 2022 will das Konsortium die ersten Beispielanwendungen in Sachsen freischalten, bevor sie das Konzept deutschlandweit ausrollen. Derweil dringt auch die EU-Kommission unter dem Projektnamen „Europäische digitale Identität“ (EUid) auf ähnliche länderübergreifende Universal-Ausweise für alle Europäer.

Prof. Jürgen Anke leitet das Projekt "ID-Ideal". Prof. Jürgen Anke leitet das Projekt "ID-Ideal". Foto: Prof. Jürgen Anke leitet das Projekt "ID-Ideal". Foto: HTW Dresden

Prof. Jürgen Anke leitet das Projekt „ID-Ideal“. Foto: HTW Dresden

HTW-Professor: Nutzer sollen persönliche Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen

Das Dresdner Projekt „ID-Ideal“ zielt nicht zuletzt darauf, das Leben im Zeitalter etwas leichter zu machen, ohne sich Datenkraken auf Gedeih und Verderben ergeben zu müssen: Viele Menschen arbeiten inzwischen mit Dutzenden oder gar Hunderten Passwörtern, Zugangskonten, Zertifikaten und Ausweisen, um sich in der realen und virtuellen auszuweisen. Das ist nicht nur umständlich, sondern macht es für den Einzelnen nahezu unmöglich zu überblichen, welches Unternehmen und welche Organisation dabei welche persönlichen Daten erlangen. Und dies soll sich nun durch eine universell einsetzbare digitale Identität ändern: „Die zu einer Person gehörenden Identitätsnachweise kommen so wieder unter die persönliche Kontrolle und können mit einem frei wählbaren ID-Dienst verwaltet werden, der als digitale Brieftasche dient.“, betonte HTW-Professor Jürgen Anke, der das Projekt leitet.

Das Konsortium "ID Ideal" will rasch viele praktische Anwendungen für die digitale ID schaffen. Grafik: HTW Dresden

Das Konsortium „ID Ideal“ will rasch viele praktische Anwendungen für die digitale ID schaffen. Grafik: HTW Dresden

Modellprojekte starten Mitte 2022 in Sachsen, später in ganz Deutschland

Die ersten Praxistests wird „ID-Ideal“ zunächst im Freistaat absolvieren . „Wir wollen mit Hilfe von Demonstratoren die Möglichkeiten von selbstbestimmten Identitäten erlebbar machen und die Akzeptanz dieses Konzepts bei der Bevölkerung testen“, kündigte Jürgen Anke an. Die Sachsen sollen mit den neuen ID-Wallets dann beispielsweise Kita-Plätze beantragen, Schwimmbad-Tickets per Smartphone erwerben, Umzüge bei Behörden anmelden, Gemeinschafts-Autos buchen oder Campusdienste für Studenten buchen können. Das Bundeswirtschaftsministerium hat für dieses Vorhaben rund 2,3 Millionen Euro Fördergeld bis 2024 zugesagt.

Zu kompliziert: E-Personalausweis und DE-Mail fehlt bis heute breiter Rückhalt

Zwar gab und gibt es mit dem elektronischen Personalausweis, der DE-Mail und anderen Konzepten schon allerlei Anläufe, eine Universal-ID für jeden Bürger zu etablieren. Richtig durchsetzen konnten sich diese Ansätze jedoch nicht – nicht zuletzt, weil sie zu kompliziert gestrickt waren. Inzwischen mehren sich aber eben auch länderübergreifend die Wünsche nach universellen digitalen ID-Börsen, mit denen sich die Europäer für private wie staatliche Online-Dienste ausweisen können.

Brüssel will „europäische digitale Identität“ für alle Bürger

So hat die EU-Kommission in Brüssel nun einer Verordnung für eine „europäische digitale Identität“ (EUid) vorgelegt. „Mit nur wenigen Klicks sollen alle Bürgerinnen und Bürger EU-weit ihre Identität nachweisen, Daten für alle Arten von Dienstleistungen speichern, oder vollkommen reibungslos im Internet einkaufen können“, beschreibt der „Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland“ (BEHV) aus Berlin das Konzept.

„Die sichere und abgesicherte Identifikation von Nutzern ist für Unternehmen im E-Commerce unerlässlich“, begrüßte BEHV-Referentin Alien Mulyk diesen EU-Vorstoß. „Die Arten der zu verifizierenden Daten sind jedoch vielfältig und unterscheiden sich je nach Händler und konkretem Einzelfall“, betonte sie allerings auch. „Sie reichen von der Altersverifikation über eine Validierung von Personen und Kaufdaten etwa bei Kundenrezensionen bis zur Identifikation im Zuge von bonitätsabhängigen Finanzierungen oder der Betrugsprävention.“ Daher sei ein länderübergreifend nutzbarer EUid-Standard unbedingt wünschenswert. Allerdings sei es dabei auch wichtig, „die E-Commerce-Unternehmen in diese Entwicklung einzubinden“.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: HTW DD, BEHV