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Deutsche Wirtschaft über Krypto-Geld gespalten

Statt mit "echtem" Geld sollen Leser und Zuschauer im Internet durch Rechenzeit, die in Krypto-Geld umgerubelt wird, die Blogger und Online-Journalisten bezahlen, schlägt Prof. Alex Biryukov von der Universität Luxemburg vor. Foto: Heiko Weckbrodt

Foto: Heiko Weckbrodt

Spekulationsblase oder sinnvolle Alternative zur Negativzins-Anlage?

Berlin, 25. Mai 2021. Kryptowährungen spalten die deutsche Wirtschaft: Über die Hälfte der Digitalbeauftragten in hiesigen Unternehmen halten „Bitcoin“, „Ethereum“ & Co. für bloße Spekulationsanlagen (54 Prozent), die allenfalls Kriminellen, Geldwäschern und Poker-Naturen nützen (46 Prozent). Fast genauso viele (46 Prozent) aber stufen das verschlüsselte Geld aber als interessante alternative Anlageform in Zeiten ein, in denen Anleger den Banken Gebühren fürs eingezahlte Geld zahlen statt dafür Zinsen zu bekommen. Das geht aus einer Umfrage des deutschen Digitalwirtschaftsverbandes „Bitkom“ hervor.

Jedes zweite Unternehmen schätzt Kryptogeld als eine Art digitale Goldanlage - etwas ebenso viele halten es dagegen für Spekulationsware. Grafik: Bitkom

Jedes zweite Unternehmen schätzt Kryptogeld als eine Art digitale Goldanlage – etwas ebenso viele halten es dagegen für Spekulationsware. Grafik: Bitkom

Bitkom: Bitcoin & Co. können Wettbewerbsvorteile generieren

„Auf dem Markt für Kryptowährungen gibt es viel Übertreibung und auch Betrugsmaschen“, räumt Blockchain-Experte Patrick Hansen vom Bitkom ein. „Aber sicher ist: Kryptowährungen werden dauerhaft Teil unserer Wirtschaft werden. Mit zunehmender Regulierung werden sie dabei auch für Unternehmen interessant und wichtig. Wer sich heute mit Bitcoin & Co. beschäftigt, kann sich damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.“

Banker mögen Bitcoin mehr

Banker und andere Finanzdienstleister stuften in der Umfrage Kryptowährungen deutlich positiver ein als die Gesamtwirtschaft. Von ihnen halten nur 46 Prozent das digitale Geld vor allem für Spekulation geeignet, aber 62 Prozent sehen in ihnen eine sichere Alternative zum etablierten Geldsystem.

Kryptogeld umstritten – auch unter Umweltaspekten

Kryrowährungen werden durch Rechenaufgaben geschürft und sind nach dem Blockchain-Prinzip verschlüsselt und verkoppelt. Nachdem es zeitweise so aussah, als ob sich Bitcoin & Co. auch in Läden und Restaurants als Zahlungsmittel durchsetzen und zu einer allgemeinen internationalen Parallelwährung werden, gehen inzwischen viele Länder gegen die Genese und den Handel mit Kryptogeld vor. Umstritten sind diese digitalen Zahlungsmittel einerseits aus umwelt- und energiepolitischen Gründen, da die Schürffarmen, in denen die digitalen Coins entstehen, meist enorme Stromfresser sind. Für Ärger in der Spieler-Gemeinde sorgt auch die teils extreme Verteuerung von Grafikkarten, weil solche Schürffarmen für einen starken Nachfragesog sorgen. Andererseits sorgen sich manche Politiker und Zentralbanker auch davor, dass Kryptowährungen ihnen wichtige wirtschaftspolitische Instrumente aus der Hand nehmen und Geldwäschern Vorschub leisten könnten.

Andererseits ermöglichen Kryptowährungen durchgängig digitale Wertschöpfungsketten und neue Geschäftsmodelle. Auch deshalb feilen die Europäische Zentralbank, China und andere Akteure weltweit an eigenen, politisch steuerbaren Kryptowährungen. Bis zur Marktreife dieser Konzepte könnte es allerdings noch lange dauern.

Enorme Schwankungen

Der Kurs von Kryptwährungen unterliegt weit drastischen Schwankungen als klassische kovertible Währungen. Ein Bitcoin zum Beispiel kostete im Herbst 2020 um die 9000 Euro, erreichte Mitte April 2021 einen Handelswert von über 53.000 Euro, halbierte dann aber seinen Kurs binnen weniger Wochen wieder. Würden Löhne und Einzelhandelspreise derart schwanken, wären die praktischen Folgen für die Menschen katastrophal, vergleichbar mit der deutschen Hyperinflation Anfang der 1920er.

Autor: hw

Quelle: Bitkom