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Mehr Zombie-Unternehmen in Sachsen

Auszug aus der Insolvenzordnung. Grafik: hw

Auszug aus der Insolvenzordnung. Grafik: hw

17 % weniger Pleiten, Insolvenzpflicht war wegen Corona ausgesetzt

Kamenz, 8. April 2021. In Sachsen mehrt sich in Corona-Zeiten schneller als im Bundesdurchschnitt das Heer der sogenannten Zombie-Unternehmen. Wirtschaftsforscher bezeichnen damit Betriebe, die eigentlich längst nicht mehr überlebensfähig sind, aber durch staatliche Hilfen und die ausgesetzte Insolvenzpflicht weiter existieren. Laut dem statistischen Landesamt in Kamenz ist 2020 die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 16,9 Prozent beziehungsweise 116 Verfahren im Vergleich zum Vorjahr gesunken – bei gleichzeitig stark gestiegenen finanziellen Forderungen der Gläubiger. Zum Vergleich: Bundesweit lag diese Quote im Jahr 2020 bei 15,5 Prozent.

Vor allem im Gastgewerbe baut sich anscheinend eine Bugwelle überfälliger Insolvenzverfahren in Sachsen auf. Grafik: Statistisches Landesamt Kamenz

Vor allem im Gastgewerbe baut sich anscheinend eine Bugwelle überfälliger Insolvenzverfahren in Sachsen auf. Grafik: Statistisches Landesamt Kamenz

Rückgang vor allem durch staatliche Eingriffe

Nicht alle der Unternehmen, denen die Pleite erspart bliebt, sind zwingend „untot“. Aber auch die Landesstatistiker erklären sich den Rückgang der Pleiten durch die indirekten Effekte der Corona-Krise: „Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund zu werten, dass die Pflicht zur Insolvenzanmeldung bei Pandemie bedingter Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung seit März 2020 ausgesetzt und mehrfach verlängert wurde“, schätzten sie ein.

Gläubiger-Forschungen wachsen um fast 80 %

Parallel dazu ist der Schuldenumfang stark gewachsen: „Die angemeldeten Forderungen der Gläubiger stiegen gegenüber dem Vorjahr um 79,3 Prozent auf 531,8 Millionen Euro an“, hieß es von der Behörde. „Das entsprach durchschnittlich 934 600 Euro je Verfahren.“

Auch bundesweit wächst das Zombie-Heer

Auch bundesweit bringen die Corona-Krise und die staatlichen Gegenmaßnahmen immer mehr Zombie-Unternehmen hervor. Wirtschaftwissenschaftler halten daher eine große Pleitewelle im späteren Pandemieverlauf für möglich. Das statistische Bundesamt registrierte deutschlandweit im Jahr 2020 etwa 15,5 Prozent weniger Unternehmenspleiten als im Vorjahr. Auch die Bundesstatistiker sehen diesen Rückgang „maßgeblich durch die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht in der Corona-Krise beeinflusst“.

Das Für und Wider der Zombifizierung

Wie diese Zombifizierung in der Krise zu beurteilen ist, bleibt vorerst umstritten: Einerseits eröffnet die verschobene Insolvenz die Chance, dass verlorene Jobs in einer späteren Pandemiephase anderswo „neu“ entstehen, so dass ein Anstieg der Arbeitslosigkeit unterm Strich gedämpft wird und Menschen zumindest Einkommensquellen behalten. Anderseits lässt sich argumentieren, dass die staatlichen Eingriffe nur Unvermeidliches hinauszögern – und damit auch eine notwendigte Transformation und nachhaltige Gesundung der Wirtschaft.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Statist. LA Kamenz, Oiger-Archiv

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