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Roboter starten Teileproduktion für weltweit 1. Karbonbetonhaus in Dresden

Die Visualisierung zeigt, wie sich der "Cube" aus dem neuen Leichtbaustoff Karbonbeton zwischen Fritz-Foerster-Platz (links) und Einsteinstraße (rechts) einfügen soll. Visualisierung: TUD-Institut für Massivbau

Die Visualisierung zeigt, wie sich der „Cube“ aus dem neuen Leichtbaustoff Karbonbeton zwischen Fritz-Foerster-Platz (links) und Einsteinstraße (rechts) einfügen soll. Visualisierung: TUD-Institut für Massivbau

Corona und Finanzierung hatten Baustart für „Cube“ auf dem auf dem Uni-Campus verzögert

Dresden, 14. Januar 2021. Nach über einjähriger Verzögerung beginnen die Bauarbeiten am weltweit ersten Karbonbeton-Haus „Cube“ nun endlich: Das Betonwerk Oschatz gießt in den nächsten Wochen die Fertigteil-Wände aus Beton gießen und verstärkt sie mit Matten aus Kohlenstofffassern statt mit Stahlgeflechten, wie früher üblich. Das geht aus einer Mitteilung des Instituts für Massivbau an der Technischen Universität Dresden (TUD) hervor, das diese neue Leichtbautechnologie in wesentlichen Teilen entwickelt hatte.

So etwa soll der verglaste Präsentationsraum des Karbon-Cube in Dresden bei Nacht wirken. Visualisierung: TUD-Institut für Massivbau

So etwa soll der verglaste Präsentationsraum des Karbon-Cube in Dresden bei Nacht wirken. Visualisierung: TUD-Institut für Massivbau

Arge übernimmt Baustelle

Ursprünglich wollten die Forscher das Vorzeigehaus an der Ecke von Zelleschem Weg und Einsteinstraße schon Ende 2019 errichten und spätestens im Frühjahr 2021 einweihen. Finanzierungsprobleme und Corona hatten das Projekt aber ausgebremst. Nun hat aber eine Arbeitsgemeinschaft aus den Unternehmen Hentschke Bau Bautzen und Bendl HTS Hoch- und Tiefbau aus Sebnitz die Baustelle von den TU-Ingenieuren übernommen, um das Haus hochzuziehen.

Box und Twist

Der extravagant designte „Cube“ soll insgesamt 220 Quadratmeter umfassen. Im zweigeschossigen „Box“ genannten Haupttrakt entstehen Labore und Repräsentationsräume mit großen Fenstern. Das Betonwerk Oschatz übernimmt die teilautomatisierte Produktion der „Box“-Bauteile aus Karbonbeton. Ein zweites Gebäudeteil soll die besonderen Konstruktionsmöglichkeiten mit dem neuen Leichtbaustoff auf den ersten blick verdeutlichen: Das „Twist“-Segment ist in sich verdreht geht fließend von einer Wand in ein Dach über. Die Twist-Elemente wollen die Arbeiter vor Ort auf der Baustelle im Spritzbetonverfahren herstellen. Die ersten Spritz-Tests dafür sollen ebenfalls in den nächsten Wochen beginnen.

Die TU will den Cube nach der Fertigstellung für repräsentative Veranstaltungen, als Hingucker und für Demonstrationszwecke nutzen. Spezielle Messtechnik im „Box“-Segment wird zudem zehn Jahre lang überwachen, wie Außen- und Innenklima auf das neue Baumaterial wirken.

Karbonbeton im C³-Projekt entwickelt

Das TUD-Institut für Massivbau und weitere Partner hatten den Karbonbeton im Zuge des Förderprojektes „C³ – Carbon Concrete Composite“ entwickelt. Mit dem Material sind sehr filigrante Architekturen, besonders dünne Wände und scheinbar freischwebende Dächer umsetzbar. Zudem lassen sich damit Brücken verbreitern und alte Gebäude sanieren, bei denen klassische Stahlbeton zu schwer wäre. Und da die Kohlefasern nicht rosten, ist auch eine längere Lebensdauer der damit gebauten Häuser absehbar. Nicht zuletzt zielt die Technologie auch auf einen niedrigeren Verbrauch von Beton und anderen Ressourcen und soll damit zum Umweltschutz beitragen.

Blick auf die Roboter
im Betonwerk Oschatz
(Video: Betonwerk Oschatz):

Bisher sind mit Karbonbeton kleinere Pavillons gebaut worden. Eine der ersten größeren Praxisanwendungen war jüngst die Verbreiterung der Carolabrücke in Dresden, um dort seitlich mehr Platz für Fußgänger und Radler zu schaffen. Cube wird nun das erste Haus, das nahezu komplett aus Karbonbeton und Glas gebaut wird. Ursprünglich sollte es im Zuge eines Exzellenzclusters finanziert werden. Als dies scheiterte, mussten sich die TUD-Spezialisten nach anderen Geldquellen umsehen – auch dies war ein Grund für Bau-Verzögerungen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: TUD, Oiger-Archiv