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Globalfoundries will Chip-Produktion in Dresden verdoppeln

GF-Mitarbeiter passieren Reinraum-Brücke. Foto: Globalfoundries Dresden

GF-Mitarbeiter passieren Reinraum-Brücke. Foto: Globalfoundries Dresden

Halbleiter-Auftragsfertiger möchte Ausbau durch Börsengang Ende 2022 mitfinanzieren

Dresden, 13. Oktober 2020. Globalfoundries (GF) will die Produktionskapazitäten in seiner Chipfabrik in Dresden in den nächsten Jahren mehr als verdoppelt. Das hat der deutsche GF-Sprecher Jens Drews angekündigt. Den Ausbau werde das Unternehmen überwiegend durch den für Ende 2022 geplanten Börsengang finanzieren.

Einige Hundert Menschen haben am 11. März 2020 vor dem Hauptwerktor von Globalfoundries Dresden für einen Tarifvertrag getreikt. Zum Warnstreik aufgerufen hatte der Bezirksverband Nordost der „Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie“ (IGBCE), Foto: IG BCE Karin Aigner

Das Archivbild om März 2020 zeigt eine Streikaktion vor dem Hauptwerktor von Globalfoundries Dresden für einen Tarifvertrag. Zum Warnstreik aufgerufen hatte der Bezirksverband Nordost der „Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie“ (IGBCE), Foto: IG BCE Karin Aigner

Gewerkschaften befürchten Outsourcing

Drews widersprach damit Vorwürfen der „Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie“ (IG BCE). Der sächsische Gewerkschaftssekretär Norbert Winter hatte in einem offenen Brief an den Dresdner GF-Chef Manfred Horstmann die Befürchtung geäußert, das Management in der Chipfabrik lagere „ganze Bereiche in der Produktion und Wartung“ an externe Dienstleister und Leiharbeiter aus. Womöglich wolle Globalfoundries mit diesem Kurs Kosten sparen, um sich als Braut für potenzielle Aktienkäufer beim anstehenden Börsengang aufzuhübschen. Nobert Winter forderte von Horstmann daher „innerhalb der nächsten 30 Tage eine Beschäftigungssicherung, welche mindestens bis zum Börsengang gilt“.

Jens Drews. Foto: Silicon Saxony

Jens Drews. Foto: Silicon Saxony

Drews stufte derweil den offenen Brief, von dem man auch erst durch die Oiger-Anfrage erfahren habe, als „Aktionismus“ ein. Das Schreiben sei ein eher verzweifelter Versuch der Gewerkschaft, endlich im Dresdner Werk einen Fuß auf den Boden zu bekommen.

200 neue Jobs im Corona-Jahr entstanden

Statt feste Jobs abzubauen, schaffe das Halbleiter-Unternehmen vielmehr neue Jobs in Dresden. Allein im Jahr 2020 sei die Belegschaft um rund 200 neue Mitarbeiter auf jetzt knapp 3400 Beschäftigte gewachsen. Der Eindruck einer Auslagerung („Outsourcing“) sei womöglich entstanden, weil man in früheren Zeiten der Unterauslastung Entlassungen vermeiden wollte und deshalb auch eigene Mitarbeiter mit Routine-Arbeiten beauftragt habe. „Jetzt aber geht es mit den Aufträgen steil bergauf und wir legen den Hebel um“, sagte Drews. Die Kernbelegschaft konzentriere sich nun darauf, die Produktion hochzufahren. Derweil übernehmen nun Leiharbeiter einfachere Arbeiten wie Chemikalienwechsel. Fachleute von den Chipfabrik-Anlagenherstellern sollen sich um gewisse Wartungsarbeiten kümmern. All dies folge dem Konzept einer “atmenden Fabrik” und sei nicht als Auslagerung zu verstehen, sondern dem Bemühen geschuldet, die neuen Aufträge rasch erfüllen zu können.

Schätzung: GF wird vermutlich mittleren Millionenbetrag in Sachsen investieren

Die wachsende Nachfrage für die Chip-Auftragsproduktion bei GF Dresden kommt laut GF „aus allen Bereichen“. Konkrete Auftraggeber sowie die geplanten Investitionssummen und Zielkapazitäten nannte er allerdings nicht. Bekannt ist allerdings, dass GF über einen der größten Chip-Reinräume Europas mit insgesamt 50.000 Quadratmeter und laut früheren Angaben einen Maximalkapazität von 80.000 Wafer-Starts pro Monat im Endausbau verfügt. Eine Kapazitätsverdoppelung würde mutmaßlich einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag kosten. Seit einiger Zeit gehört auch Samsung – die teilweise als Auftragsfertiger auch in direkter Konkurrenz zu Globalfoundries stehen – zu den Kunden von GF Dresden.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: GF, IG BCE, Oiger-Archiv

Zum Weiterlesen:

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Streik vor den Werktoren von Glofo Dresden