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Infratec in Dresden baut erneut aus

Tibor Noszko beim Widerstandsschweißen von Infrarot-Sensoren in der Infratec-Fabrik in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Tibor Noszko beim Widerstandsschweißen von Infrarot-Sensoren in der Infratec-Fabrik in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Nachfrage für Wärmebild-Kameras aus Sachsen ist hoch. Daher wird die Optoelektronik-Fabrik bald nochmal vergrößert.

Dresden, 4. September 2020. Wegen der starken internationalen Nachfrage für Präzisions-Wärmebildkameras und Infrarot-Sensoren aus Dresden baut Infratec erneut aus: Gerade erst hat das Optoelektronik-Unternehmen seine Reinraumfabrik im Dresdner Süden für 16,8 Millionen Euro erweitert, da ist schon der nächste Komplex für weitere rund 15 Millionen Euro im Dresdner Süden geplant. „Die Entscheidung für Riegel 3 ist gefallen“, informierte Infratec-Prokurist Steffen Tscheuschner am Freitag.

Infratec Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Infratec Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Mehr Platz für Entwicklung und Produktion von Thermografie-Kameras

Ein Termin für den Baustart stehe zwar noch nicht fest, betonte der Prokurist. Dafür sei aber klar, was in der nächsten Erweiterung untergebracht werden soll: Die Produktion der Infrarot-Messtechnik und Thermografiekameras braucht mehr Platz, ebenso die Kamera-Entwicklungsabteilung, die bisher in einer alten Villa des Technologiezentrums an der Gostritzer Straße zusammengezwängt ist. Im Erdgeschoss will Infratec einen zusätzlichen Reinraum für die Sensorenfertigung vorbereiten, ihn allerdings erst später – je nach Auftragslage – auch mit Anlagen ausrüsten. Zwischen den Riegeln sind über- und unterirdische Verbindungen mit einem neuen Foyer geplant.

Die Geschäftsführer Matthias Krauß (links) und Matthias Heinze im Infratec-Reinraum mit einem Sensor-Wafer. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Geschäftsführer Matthias Krauß (links) und Matthias Heinze im Infratec-Reinraum mit einem Sensor-Wafer. Foto: Heiko Weckbrodt

Chef sieht Infratec auf dem Weltmarkt als Qualitätsführer

Auslöser für den forcierten Expansionskurs ist das wachsende weltweite Interesse an den qualitativ besonders hochwertigen Thermobild-Kameras und Präzisionssensoren der Sachsen. „Wir agieren zwar in einer Nische“, erklärte Geschäftsführer Matthias Krauß. „Aber diese Nische hat sich als tiefer erwiesen, als wir uns das damals bei der Gründung gedacht haben.“ Mit rund 230 Mitarbeitern sei Infratec zwar kein Riesenunternehmen. Aber die besondere Güte der Dresdner Infrarot-Technik habe sich inzwischen herumgesprochen, ergänzte Namensvetter und Ko-Geschäftsführer Matthias Heinze. „Wir sehen uns auf dem Weltmarkt als Technologieführer, auf jeden Fall aber als Qualitätsführer – bei uns gibt es nicht solche Ausfälle wie bei der Konkurrenz.“

Qualitätskontrolle von Sensoren im neuen Reinraum von Infratec Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Qualitätskontrolle von Sensoren im neuen Reinraum von Infratec Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Qualifizierte Belegschaft und wissenschaftliche Expertise als Erfolgsrezept

Das dürfte erstens am Qualifikationsniveau der Belegschaft liegen: Die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Techniker, Akademikerinnen oder andere Graduierte. Und zweitens hat das Unternehmen über Jahrzehnte hinweg eine besondere Expertise in der Infrarot-Technologie angehäuft. Schon zu DDR-Zeiten hatte die TU Dresden erstklassige Spezialisten, die sich mit der Auswertung jener unsichtbaren Wärmestrahlung auskannten, die jeder Mensch und jedes Objekt jenseits des Weltalls ausstrahlt. Dort empfingen auch viele der heutigen Infratec-Experten ihre infraroten Wissenschaftsweihen.

Annika Friedrich prüft Sensor-Wafer im neuen Reinraum von Infratec Dresden. Autor: Heiko Weckbrodt

Annika Friedrich prüft Sensor-Wafer im neuen Reinraum von Infratec Dresden. Autor: Heiko Weckbrodt

1990 als Ingenieurbüro an der Uni gegründet

Dazu gehörten auch Matthias Heinze und Matthias Krauß, die 1990 ein Ingenieurbüro an der Uni gründeten. 1991 verwandelten sie dieses Büro in die „Infratec GmbH Infrarotsensorik und Messtechnik“ und zogen mit ihrer Firma in das frischgegründete städtische Technologiezentrum an der Gostritzer Straße um.

Aus solchen Lithium-Tantal-Kristallen sind viele der Wafer gemacht, mit denen SAW Components Dresden schallbasierte Filter, Biosensoren und andere Spezial-Bauelemente erzeugt. Foto: Heiko WeckbrodtAus solchen Lithium-Tantal-Kristallen sind viele der Wafer gemacht, mit denen SAW Components Dresden schallbasierte Filter, Biosensoren und andere Spezial-Bauelemente erzeugt. Foto: Heiko Weckbrodt

Aus solchen Lithium-Tantal-Kristallen sind viele der Wafer gemacht, mit denen Infratec IR-Sensoren erzeugt. Foto: Heiko Weckbrodt

Von der Kernfusion bis zum Fieberauge

Seitdem ist das Unternehmen deutlich gewachsen und hat sich auf zwei Geschäftsfelder spezialisiert: Einerseits entwickelt und produziert es in Reinräumen besonders präzise Infrarotsensoren. Die überwachen zum Industrieprozesse, erkennen frühzeitig Brände, analysieren Gase und dergleichen mehr. Anderseits bauen die Dresdner daraus auch Hightech-Kameras. Die kommen beispielsweise in Drohnen oder als Corona-Fiebermessgeräte zum Einsatz, sie überwachen riesige Solarthermie-Anlagen und Kernfusions-Testreaktoren und dienen als Nachtsichtgeräte in Häfen und an Grenzen. Auch für Thermografien werden sie gebraucht, beispielsweise um Heizenergie-Verluste an Wohngebäuden zu entdecken.

Um präziser zu arbeiten, werden in manchen Wärmebild-Kameras die Infrarotsensoren bis auf die Temperatur von flüssigem Stickstoff heruntergekühlt. Foto: Heiko Weckbrodt

Um präziser zu arbeiten, werden in manchen Wärmebild-Kameras die Infrarotsensoren bis auf die Temperatur von flüssigem Stickstoff heruntergekühlt. Foto: Heiko Weckbrodt

60 Prozent der Kameras und Sensoren gehen in den Export

Und obwohl diese Kameras nicht gerade billig sind und durchaus Preise bis zu 200.000 Euro pro Stück erzielen, sind sie heiß begehrt. Auf die Technologien des öffentlich eher unbekannten Infrarot-Champions aus Dresden setzen viele große Konzerne und Forschungsverbünde: Philips, Fraunhofer, Airbus, ABB, Bosch, Volkswagen, Airbus, um nur einige zu nennen. Bei rund 40 Millionen Euro Jahresumsatz kommt Infratec mittlerweile auf eine Exportquote von rund 60 Prozent.

Ausbauphase 2 gerade erst abgeschlossen

Angesichts der starke Auftragslage entschied sich die Infratec-Führungsriege 2017 für einen Fabrikausbau. Das städtische Technologiezentrum bot an, aus dem Mietvertrag einen Kaufvertrag zu machen und daraufhin investierte Infratec am alten Standort: Zunächst sollte „nur“ ein Reinraum-Fabrikanbau entstehen. Weil die Nachfrage aber immer mehr zulegte, erweiterte das Projekt noch in der Bauphase, setzte eine zusätzliche Büroetage oben drauf und sanierte im Anschluss auch gleich noch die alten Reinräume und Büros. Dadurch dauerte das Projekt zwar auch ein Jahr länger und kostete 16,8 Millionen statt der zunächst geplanten zehn Millionen Euro. Aber dadurch hat das Unternehmen auch rund 40 neue Mitarbeiter anheuern können und etwas Luft gewonnen – bis zum nächsten Fabrikanbau, der nun beschlossene Sache ist.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Infratec, Vor-Ort-Termin, Oiger-Archiv, TZD