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DVD „Top Girl“: Herrschen oder huren

Alleinerziehende Mutter und Hure: Julia Hummer als Helena. Abb.: good!movies
Alleinerziehende Mutter und Hure: Julia Hummer als Helena. Abb.: good!movies

Drama über Hurenalltag und Dominanz in Berlin

Stechen oder gestochen werden, das ist für die Prostituierte und alleinerziehende Mutter Helena jeden Tag aufs Neue die Frage: Entweder sie gibt den bizarren Lüsten ihrer Kunden nach oder sie inszeniert selbst deviante Orgien mit anderen Mädchen, wird ergo von der Beherrschten zur Herrscherin. Im Drama „Top Girl“, das nun auf DVD erschienen ist, reflektiert Regisseurin und Drehbuchautorin Tatjana Turanskyj insofern vor allem eines: die Mechanismen sexueller Ausbeutung.

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TOP GIRL oder la déformation professionnelle | Trailer from Drop-Out Cinema on Vimeo.

Schrubben, schminken, ficken

Das klingt nach erhobenem Zeigefinger, ist aber glücklicherweise nicht belehrend, sondern schauspielerisch und szenisch interessant, hat gelegentlich auch Züge von Brechtschem Theater. Besonders zu überzeugen vermag Julia Hummer als Helena, die den Berliner Hurenalltag in all seinen Niederungen und Glanzfacetten zeigt: beim Waschen, schminken, schrubben, ficken. Mal soll sie den Kunden Texte mit perversen Schuldmädchen-Phantasien vorlesen, mal selbst mit der Peitsche in der Hand und geschnalltem Dildo die Domina spielen.

Wer im Geschäft bleiben will, erfüllt den Kunden auch bizarre Phantasien. Abb.: good!movies
Wer im Geschäft bleiben will, erfüllt den Kunden auch bizarre Phantasien. Abb.: good!movies

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Top Girl oder la déformation professionnelle

Herrschen oder beherrscht werden, dieses Grundmotiv taucht in „Top Girl“ immer wieder auf, zwingt zur binären Entscheidung. Als Helena selbst schließlich Menschenjagd-Phantasien mit nackten Kolleginnen für Betriebsfeiern inszeniert, hat sie ihren Weg gewählt, ist selbst zur Zuhälterin geworden.

Fazit:

Abb.: good!movies
Abb.: good!movies

Ein aufregender, teils bizarrer Film über die Facetten weiblicher Prostitution. Autor: Heiko Weckbrodt

Top Girl oder La Deformation Professionelle“ (good!movies), Regie: Tatjana Turanskyj, mit Julia Hummer, RP Kahl, Sandra Bredehöft, FSK 16, 95 Minuten DVD 17 Euro

 

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger

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