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Bibliotheksverband: Nachfrage für Leih-eBücher steigt – doch viele Verlage mauern

Auf ein eBuch-Lesegerät, einen eReader, passen Tausende Bücher - auch viele Bibliotheksnutzer schwenken inzwischen auf diesen digitalen Komfort um. Abb.: DBV

Auf ein eBuch-Lesegerät, einen eReader, passen Tausende Bücher – auch viele Bibliotheksnutzer schwenken inzwischen auf diesen digitalen Komfort um. Abb.: DBV

Wiesbaden/ Berlin, 24. Oktober 2012: Die Nachfrage nach eBüchern und anderen digitalen Medien wächst in den deutschen Bibliotheken rasant: „Im Jahr 2007 sind wir mit vier Pilotbibliotheken gestartet“, erklärte zum heutigen „Tag der Bibliotheken“ Jörg Meyer von der Wiesbadener „DiViBib GmbH“, die mit der „Onleihe“ die bundesweit größte Verleih-Plattform für eBooks in Bibliotheken betreibt. „Mittlerweile nutzen gut 500 Bibliotheken dieses Angebot und ihre Zahl wird weiter steigen.“ Diesen Nachfrageschub bestätigen auch mehrere Bibliotheks-Direktoren. Allerdings fürchten die öffentlichen Bibliotheken, von diesem Wachstumsfeld abgeschnitten zu werden: Durch die restriktive eBuch-Politik vieler Verlage und die klamme Finanzlage vieler Kommunen, so die Einschätzung des „Deutschen Bibliotheksverbands“.

Kleinere Bibliotheken überfordert

Getrieben wird der eBuch-Boom derzeit vor allem durch die wachsende Verbreitung von Tablett-Rechnern, eReadern und Smartphones (Computertelefone). „Die neuen Geräte bestimmen immer stärker die Nachfrage unserer Nutzer“, sagt Barbara Lison – sie ist Chefin der Stadtbibliothek Bremen und Mitglied im DBV-Vorstand. Entsprechend gefragt sind vor allem elektronische Medien, die die mobil gelesen, gehört und angeschaut werden können.

Allerdings verursacht der Aufbau entsprechender Internet-Filialen für die Bibliotheken – je nach Größe – Kosten von mehren Tausend Euro – Geld, das viele klamme Kommunen nicht aufzubringen gewillt oder fähig sind.

Verlage fürchten Kannibalisierung
Viele Verlage wollen lieber Papierbücher als eBooks verkaufen - die Leser sehen das zunehmend anders. Abb.: DBV

Viele Verlage wollen lieber Papierbücher als eBooks verkaufen – die Leser sehen das zunehmend anders. Abb.: DBV

Hinzu kommt die Kannibalisierungs-Furcht vieler Verlage: Sie sorgen sich, dass einmal in elektronischer Form lizenzierte Buchdateien von den Bibliotheksnutzern geknackt werden und dann frei im Internet kursieren – und dann niemand mehr gedruckte Bücher kauft. Eine Folge dieser Angst: Mehrere Verlage geben den Bibliotheken keine Verleihlizenzen für eBooks.

Aus Sicht der Bibliothekare wirft das existenzielle kulturpolitische Fragen auf. „Bei den Verhandlungen stellten viele Verlage Bedingungen, etwa wie lange ein E-Book von der Bibliothek an deren Kunden ausgeliehen werden darf“, sagt Klaus-Peter Böttger, der Direktor der Stadtbibliothek Essen und Präsident des Europäischen Bibliotheksverbandes EBLIDA. „Die Verlage bestimmen also letztendlich mit, was wir unseren Lesern anbieten können.“

Verband: Informationsfreiheit in Gefahr

Für DBV-Chefin Barbara Schleihagen steht damit sogar die Informationsfreiheit auf dem Spiel. „Wenn wichtige Neuerscheinungen nur noch als E-Book publiziert werden und die Öffentlichen Bibliotheken von den Verlagen nicht lizenziert werden, würden die Verlage maßgeblich die Bestands- und Angebotsentwicklung der Öffentlichen Bibliotheken bestimmen“, erklärte sie. „Sie würden also indirekt beeinflussen, was den Bürgerinnen und Bürgern öffentlich zugänglich ist und was nicht.“

Reform des Urheberrechts gefordert

Die Bibliothekare fordern daher eine Modernisierung des deutschen Urheberrechts: E-Bücher sollen demnach gedruckten Büchern gleichgestellt werden und für die Leihbüchereien ähnlich nutzbar sein. Die Praxis sieht dagegen ganz anders aus – und nicht nur für Leih-eBücher: Der Leser beziehungsweise die Bibliothek erwirbt vom Rechteinhaber lediglich eine Nutzungslizenz – nicht aber das Buch selbst, wie in der analogen Papier-Welt seit jeher üblich. Heiko Weckbrodt

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