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Infineon Dresden: Roboter verdrängen Menschen

Beladeroboter in den Dresdner 200-mm-Fabriken von Infineon. Abb.: Infineon, Jürgen Lösel

Bereits jetzt setzt Infineon einige Beladeroboter in den Dresdner 200-mm-Fabriken ein. Abb.: Infineon, Jürgen Lösel

Chipfabriken werden automatisiert, Folgen fürs Personal werden nun verhandelt

Dresden, 18. April 2013: Infineon will in seinem Dresdner Chipwerk einen Teil seiner Mitarbeiter durch Roboter ersetzen, um gegenüber der internationalen Konkurrenz wettbewerbsfähiger zu werden. Das hat die Dresdner Geschäftsleitung in einer internen Belegschaftsversammlung angekündigt und inzwischen auch offiziell bestätigt. Betriebsbedingte Kündigungen wolle man vermeiden, betonte Standortsprecherin Diana Heuer. Wieviele Jobs der Automatisierung zum Opfer fallen werden, sagte sie nicht: „Personalpassungen“ seien absehbar, wie konkret die aussehen, werde man nun mit dem Betriebsrat verhandeln.

Rund 50 Roboter sollen Transport und Ladung von Wafern übernehmen

Nach unseren Informationen will Infineon zwei seiner in den 1990er Jahren entstandenen Dresdner Chipwerke, die Logikschaltkreise auf 200 Millimeter großen Siliziumscheiben (Wafern) erzeugen, mit rund 50 Belade- und Transportrobotern nachautomatisieren. Bei neueren 300-mm-Werken, wie sie beispielsweise die großen Chip-Auftragsfertiger in Taiwan und anderswo hochziehen, ist dieses Automatisierungsniveau von vornherein Standard. Insofern werde die nun geplante Nachrüstung den Standort Dresden konkurrenzfähiger machen und die verbleibenden Arbeitsplätze sicherer machen, sagte Heuer. Derzeit beschäftigt Infineon in Dresden rund 2000 feste Mitarbeiter und etwa 200 Leiharbeiter.

Betriebsrat will Entlassungen verhindern

Der Betriebsrat steht dem Automatisierungsplan nicht generell ablehnend gegenüber, will nun aber vor allem darum kämpfen, betriebsbedingte Kündigungen generell auszuschließen. „Außerdem wollen wir, dass die Automatisierung nicht den Arbeitsdruck für die Kollegen weiter verdichtet“, betonte Betriebsratsvorsitzende Kerstin Schulzendorf. „Wir möchten Lösungen, die nicht auf die Knochen gehen.“ Sie wolle der Betriebsrat, dass Mitarbeiter, die durch Roboter ersetzt werden, in andere Tätigkeiten versetzt statt entlassen werden.

Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren bereits rund 200 Millionen in die Anlagen-Modernisierung seiner 200-mm-Werke in Dresden gesteckt, vor allem in die Fertigung mit Kupfer- statt Aluminium-Leiterbahnen. Außerdem steckt Infineon derzeit rund 350 Millionen Euro in die Umrüstung des früheren Qimonda-Reinraums zu einer 300-mm-Fabrik für Leistungshalbleiter – auch dies wäre ein potenzieller Versetzungsort für Mitarbeiter, die von Stahlkollegen nebenan ersetzt werden. Heiko Weckbrodt

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