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Chinas Mikroelektronik holt auf

Die in Shanghai beheimatete SMIC gehört inzwischen zu den größten Chip-Foundries weltweit und ist auch technologisch nicht mehr weit vom Weltstand entfernt. Abb.: SMIC

Die in Shanghai beheimatete SMIC gehört inzwischen zu den größten Chip-Foundries weltweit und ist auch technologisch nicht mehr weit vom Weltstand entfernt. Abb.: SMIC

Shanghai/London, 8.9.2011: Am Anfang war es Reis, dann waren es Hämmer und inzwischen (Billig-)Hightech: Chinas Exportstruktur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Im China-Dossier der CIA werden – anders als noch vor sechs Jahren die Textilien – mittlerweile „elektrische und andere Maschinen inklusive Datenverarbeitungsysteme“ an erster Stelle der chinesischen Exportgüter aufgeführt. Mit 1,58 Billionen Dollar (1,14 Billionen Euro) überholte China im Jahr 2010 sogar den früheren Dauer-Exportweltmeister Deutschland (1,3 Billionen Euro = 938,6 Milliarden Euro). Das aber wäre mit Billigwerkzeugen und Textilien nicht zu erreichen gewesen – heute bestimmten hochwertigere Güter den chinesischen Export.

So stieg das Reich der Mitte Ende der 90er Jahre ernsthaft in die Mikroelektronik ein, lockte zunächst mit Steuervergünstigungen Chipschmieden wie Intel und Infineon aus dem Westen ins Land. Mittlerweile stellt China längst eigene Computer-Chips her. Und obgleich die größtenteils noch deutlich hinter dem Weltstand hinterherhinken: Die chinesische Halbleiterindustrie beginnt, den Rückstand zur internationalen Spitzenliga zu verringern, wie eine Analyse des Branchendienstes „EE Times China“ gezeigt hat.

Die Boom-Stadt Shanghai mit ihren Sonderwirtschaftszonen bestimmt heute den Wirtschaftsrhythmus des Exportweltmeisters China mit. Abb.: CIA

Die Boom-Stadt Shanghai mit ihren Sonderwirtschaftszonen bestimmt heute den Wirtschaftsrhythmus des Exportweltmeisters China mit. Abb.: CIA

Demnach lassen etwa neun Prozent der fabriklosen Halbleiterunternehmen ihre Schaltkreise in der 45-Nanometertechnologie herstellen. Das entspricht international dem vorderen Mittelfeld – nur die ganz Großen der Branche wie Intel, Samsung, TSMC und Globalfoundries arbeiten bereits mit Strukturgrößen um die 32 Nanometer (Millionstel Millimeter). Um in dieser Liga mizuspielen, lassen laut dem „EE Times“-Bericht mehr und mehr chinesische Unternehmen ihre Schaltkreisentwürfe bei Auftragsfertigern in Taiwan produzieren und nicht bei einheimischen Foundries.

Aber selbst Chinas Foundries holen auf: Der Shanghaier Auftragsfertiger SMIC zum Beispiel hat inzwischen einen 40-nm-Prozess vorbereitet, der zum Jahresende 2011 in die Großfertigung gehen soll. Damit hat SMIC einen technologischen Rückstand von nur noch etwa zwei Jahren zum internationalen Spitzenfeld.

SMIC-Vorstandsvorsitzender Jiang Shangzhou: „Wir haben die Technologielücke zu unseren Mitbewerbern verkürzt. Wir haben die Entwicklung unseres 40-Nanometer-Prozess komplettiert und wollen Ende 2012 damit in die Massenproduktion einsteigen. Auch haben wir die Entwicklung unseres 32-Nanometer-Prozesses beschleunigt.“

Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen (9424 Mitarbeiter) rund 1,55 Milliarden Dollar (1,12 Milliarden Euro) um, 45,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei erlöste SMIC einen Gewinn von 310 Millionen Dollar (223,2 Millionen Euro). Damit gehört SMIC zu den größten Foundries weltweit und ist das größte Unternehmen dieser Art in China.

Noch vor zehn Jahren lag die chinesische Halbleiterindustrie durchweg um zwei bis drei Technologiegenerationen (drei bis sechs Jahre) hinter dem Weltstand zurück. Das genügte auch zunächst, da chinesische Elektronik-Artikel bis heute eher einfach gestrickt sind und deshalb auch (noch) als eher billiger Ramsch gelten. Ähnlich wie in der Photovoltaik-Industrie, die der technologisch eigentlich führenden deutschen Solarbranche inzwischen einen Großteil der Marktanteile abgenommen hat, beginnt sich anscheinend nun auch Chinas Elektronik-Industrie langsam aber sicher auf hochwertige Exportartikel zu konzentrieren. Heiko Weckbrodt

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