Alle Artikel mit dem Schlagwort: Nationalsozialismus

Benno B. Thorsch 1921 in Dresden-Pillnitz. Foto: TSD, Schenkung Thorsch, Santa Barbara

Kamerapionier Benno Thorsch wieder im Gedächtnis von Dresden verankern

Technische Sammlungen zeigen Ausstellung über fast vergessenen Innovator Dresden, 22. Juni 2024. Mit einer neuen Ausstellung wollen die „Technischen Sammlungen Dresden“ (TSD) ein fast vergessenes Kapitel der Dresdner Kameraindustrie wieder ins kollektive Bewusstsein der Stadt zurückholen: „Dresden – Los Angeles“ erzählt die Geschichte von Benno B. Thorsch (1898 – 2003), der die hiesige Branche jahrelang mitprägte, dann aber wegen seiner jüdischen Wurzeln Deutschland verlassen musste. Möglich wurde die Exposition, weil die Familie Thorsch dem Striesener Technikmuseum den unternehmerischen Nachlass des Gründers vermacht hat. Darunter sind Dokumente, Fotografien, persönliche Erinnerungsstücke, originale Filme und eine von Fritz Maskos 1934 geschaffene Bronzebüste.

HAIT Jan_Hendrik-Issinger Polizeibataillon61. Repro: hw

Wie aus Polizisten Mörder werden

Töten aus Opportunismus: Warum das Reserve-Polizeibataillon 61 im II. Weltkrieg mordete – und (fast) alle mitgemacht haben Dresden, 31. August 2017. Wie konnten aus Männern, aus Polizisten aus der Mitte der Gesellschaft in der Nazi-Zeit Diebe und Mörder werden? Wie konnten sie einerseits das Selbstbild von integren Ordnungshütern hegen und im nächsten Augenblick Juden und andere Zivilisten in Osteuropa töten und berauben? Oder, plakativer formuliert: Was treibt scheinbar normale Menschen zum Bösen? Diese Fragen stellen sich über die Schrecken des II. Weltkriegs hinaus immer wieder dort, wo Bewaffnete ihre Macht missbrauchen. Man denke nur an die Terrormiliz IS, die sich teilweise aus jungen Menschen rekrutiert, die in Europa als „normale“ Jugendliche aufgewachsen sind.

Aussschnitt aus "Großstadtmelodie" mit Hilde Krahl. Abb.: Farbfilmverleih

Die germanische Traumfabrik

Doku „Hitlers Hollywood“ beleuchtet die reiche Filmproduktion im Nazi-Reich Charismatische Leinwand-Stars, große Gefühle, schaurige Effekte: Über 1000 Kinofilme brachte die deutsche Filmindustrie zwischen 1933 und 1945 hervor, Millionen von Zuschauern wurden von ihnen mitgeprägt. Regisseur Rüdiger Suchsland hat ihnen einen faszinierenden, streitbaren Dokumentarstreifen voller Filmzitate und Analysen gewidmet: „Hitlers Hollywood – Das Deutsche Kino im Zeitalter der Propaganda 1933 – 1945“ startet heute in den deutschen Kinos – und versucht einen neuen Blick auf die braune Filmindustrie.

Gezeichnet von den Gestapo-Verhören: Georg Elser (Christian Friedel) in der Zelle. Foto: Lucky Bird Pictures

Bluray „Elser“: Vom Luftikus zum Tyrannenmörder

Hirschbiegel Drama skizziert Hitler-Attentäter in persönlich-biografischer Deutung Um einen drohenden Weltenbrand im Funken auszutreten, zündete der Schreiner Georg Elser vor 76 Jahren, am 8. November 1939, im Bürgerbräu-Keller in München eine selbstgebaute Bombe. Der Sprengsatz tötete letztlich acht Menschen, nicht aber Adolf Hitler, der den Ort 13 Minuten zu früh verlassen hatte. Die Gestapo nahm Elser rasch fest, folterte ihn, sperrte ihn ins KZ Dachau, wo ihn die Kugel des Henkers am 9. April 1945 traf – wenige Wochen vor dem Kriegsende. Wie das alles kam und warum ein überzeugter Christ wie Georg Elser zum Tyrannenmord schritt, erkundet Oliver Hirschbiegels Drama „Elser – Er hätte die Welt verändert“, das nun auf DVD und Bluray erschienen ist.

Juden werden während der sogenannten "Reichskristallnacht" gewzingen, mit dem gelben Stern zu marschieren. Die meisten Deutschen schauten aus Indifferenz bei diesem Terror weg. Foto: unbekannt, Wikipedia, gemeinfrei

Mehrheit der Deutschen unterstützte Nazis aus Oppurtunismus

Dresdner Geschichtsphilosoph: NS-Regime kalkulierte mit Unterstützung durch Indifferenz Durch zuletzt durch Film, Fernsehen und Schulunterricht, die das Trommelfeuer nationalsozialistischer Propaganda und die Bilder „Heil“-schreiender Massen zeigen, ist die Vorstellung entstanden, das sogenannte „Dritte Reich“ sei ein zutiefst ideologisch-totalitärer Staat gewesen. Dieses Bild hatten die Nationalsozialisten schon selbst zu malen begonnen, suggerierten sie Bürgern wie Ausland doch das Image einer wundersam geeinten Volksgemeinschaft, die bis zum letzten Volksgenossen im Aufbruch begriffen sei. Tatsächlich aber waren „in der nationalsozialistischen Gesellschaft die vorherrschenden Verhaltensmuster Opportunismus und Indifferenz“, meint Dr. Wolfgang Bialas in seiner Fallstudie „Legitimation, Kooptation und Repression im NS-Regime“, die nun in einem Sammelband des Dresdner „Hannah-Instituts für Totalitarismusforschung“ (HAIT) erschienen ist.