Alle Artikel mit dem Schlagwort: Asyl

Das frühere Nagema-Hauptquartier, in dem einst die geschicke des DDR-Verpackungsmaschinenbaus dirigiert wurden, steht seit Jahrzehnten leer und verwildet. Als es errichtet wurde, galt die Bauweise des SchokopackHochhauses als innovativ. Foto: Heiko Weckbrodt

Ex-Nagema-Hauptquartier verwildert vor sich hin

Stadt will auch kein Asylheim im Schokopack-Hochhaus Dresden, 29. April 2015. Immerhin der Stahlzaun ist intakt, ein gelbes Schild warnt Eindringlinge, das zugewucherte Gelände im Dresdner Osten zu betreten. Doch weder Flora noch Abenteuerlustige scheren sich darum: Gestrüpp umrankt das denkmalgeschützte Schokopack-Hochhaus an der Ecke von Breitscheidstraße und Moränenende wie ein Dornröschenschloss. Entschlossenere ungebetene „Gäste“ haben im Entree eine Spur der Verwüstung hinterlassen. „Diese Vandalen“, knurrt Prokurist Andreas Wolf vom Dresdner Immobilien-Unternehmen „Meiag“. „Da stecken wir jedes Jahr ein paar Tausend Euro rein, das wieder zu reparieren.“

Die 21-jährige Larisa ist mit ihrer Familie aus Tschetschenien nach Deutschland geflohen. Als die Mutter zusammenbricht, muss die große Schwester plötzlich an Mutters Statt für die ganze Familie sorgen. Foto: Foto: Torsten Reimers, Pier53

„Willkommen in Deutschland“ – und die deutsche Asyldebatte

Facettenreicher Dokfilm über unseren Umgang mit Flüchtlingen Das niedersächsische Dorf Appel hat etwas über 400 Einwohner. Die Vorgärten sind gepflegt, die Autos geputzt, man hält auf Ordnung. Bis, ja bis der Landrat dem Gemeinderat ankündigt, demnächst 53 Asylbewerber vorbeizuschicken. Die Appelaner fürchten sich vor den angekündigten „Negern“, stellen Schilder vor dem geplanten Heim auf: „53 Asylanten sind zuviel für Appel“. Mit anwaltlicher Hilfe schaffen es Bürgermeister und Bürgerinitiative tatsächlich, das Flüchtlingsheim zu verhindern. Der Dorfwirt vermietet statt dessen seine Hotelzimmer für elf Asylbewerber an den Landrat, der schließlich widerwillig in den sauren Apfel beißt. Erzählt wird diese Geschichte, die stellvertretend für die aktuellen Asyl-Debatten in so vielen deutschen Gemeinden angesichts der neuen Flüchtlingsströme steht, in „Willkommen auf Deutsch“ von Carsten Rau und Hauke Wendler. Angelaufen ist dieser teilweise per „Crowd Funding“ (Internetschwarm-Finanzierung) kofinanzierte Dokumentarfilm nun in den deutschen Kinos.

Margit Schönhöfer war früher Deutschlehrerin - jetzt bringt sie ehrenamtlich im Gemeidnesdaal der Versöhnungskirche Dresden-Striesen Flüchtlingen Deutsch-Grundkenntnisse. Zu ihren Schülern gehört auch der Sysrer Mazlum Baker, der auf ein sicheres Leben in Deutschland gehofft hatte - nun droht ihm die Abschiebung. Foto: Peter Weckbrodt

Vom zerstörten Aleppo nach Dresden – und wieder zurück?

Kriegsflüchtling Mazlum Baker wollte sich in Sachsen eine neue Zukunft aufbauen, doch nun droht die Abschiebung Dresden. Um Flüchtlingen das Gefühl zu geben, in Dresden wirklich willkommen und keine morgenländischen Bösewichte zu sein, haben engagierte Gemeindemitglieder der Versöhnungskirche in Dresden-Striesen einen Deutschkurs für Asylbewerber ins Leben gerufen. Unterstützt von ehrenamtlichen Betreuern und Lehrern, lernen die Männer und Frauen aus dem Nahen Osten und Nordafrika hier Deutsch, um den Alltag in der für sie so fremden Stadt zu bewältigen. Einer von ihnen ist der Frisör Mazlum Baker, der aus dem syrischen Aleppo nach Sachsen kam, um dem Bürgerkrieg daheim zu entkommen. Inzwischen weiß er, dass er in Dresden nicht bleiben darf.

Abb.: Freistaat Sachsen

Heime überfüllt: Sachsen richtet Notunterkünfte ein

Turnhalle in Schneeberg und Polizeigebäude in Görlitz werden eilends für Flüchtlinge hergerichtet Schneeberg/Görlitz, 6. Februar 2015: Weil weit mehr Flüchtlinge als erwartet nach Sachsen gekommen sind, hat die Landesdirektion Sachsen kurzfristig zwei Notunterkünfte in Schneeberg und Görlitz eingerichtet, da die Asylbewerber sonst im Freien schlafen müssten.

Abb.: LHD

Dresdner Integrationskonzept wirft viele Fragen auf

Dresden, 3. Februar 2015: Gleich einen ganzen Sack voll Fragen hatten die Mitglieder des Ortsbeirats Dresden-Prohlis, die gestern das „Konzept zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in der Landeshauptstadt Dresden“, kurz „Integrationskonzept 2015 – 2020“ genannt, berieten. Erläuterungen dazu und Antwort auf die Fragen gab Yrma Castillo, Sachbearbeiterin zur Umsetzung des Integrationskonzeptes.

An der Volkshochschule Dresden sollen im Frühjahr Deutschkurse speziell für Flüchtlinge starten, die eben erst angekommen sind. Foto: VHS Dresden

Volkshochschule plant Sprachkurse für Asylbewerber

Migrationsamt hat aber versprochenes Geld noch nicht herausgerückt Dresden, 1. Februar 2015: Mit Blick auf die Diskussionen um Integrationshindernisse für Flüchtlinge will die Volkshochschule (VHS) Dresden ab dem Frühjahr 2015 spezielle „Erstorientierungs- und Sprachvermittlungskurse für Asylsuchende“ anbieten. Das kündigte VHS-Sprecherin Regina Molke an. Vorgesehen seien zunächst zwei Kurse mit jeweils bis zu 18 Teilnehmern – was bei rund 1700 Flüchtlingen in Dresden zwar eher ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin ein Anfang wäre. Ein Problem ist aber noch die Finanzierung: „Wir warten noch auf die Freigabe der Finanzierung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“, erklärte Molke.

In diesem Klinkerbau an der Heidenauer Straße in Dresden kommen Flüchtlinge ab April 2016 übergangsweise unter, während sie auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge warten. Foto: Peter Weckbrodt

Zwei neue Heime für Flüchtlinge öffnen 2015 und 2016 im Dresdner Südosten

Dresden, 16. Januar 2015: Im Südosten von Dresden werden in diesem und im kommenden Jahr zwei neue Heime für Asylbewerber eröffnet. Das kündigte Ortsamtsleiter Jörg Lämmerhirt (CDU) dem Prohliser Ortsbeirat an. Derzeit stehen im Ortsamtsbereich 440 Asylbewerberplätze, verteilt auf insgesamt 71 Wohnungen, zur Verfügung.

Foto: Peter Weckbrodt

Kommentar: Richtige Antwort auf Pegida – aber etwas spät

Pegida spricht nicht für Mehrheit der Dresdner Wenn 35.000 Menschen für Weltoffenheit und Empathie für Flüchtlinge im Dresdner Stadtzentrum demonstrieren, ist das zuallererst ein richtiges und wichtiges Signal. Denn das zeigt, was jedem klar sein musste, der nicht gleich jede Statistik reflexartig als „Fälschung“ abtut: Die Pegidisten mögen eine nicht vernachlässigbare Minderheit in Dresden sein, aber eben eine Minderheit. Die Mehrheit der Dresdner findet es nicht gut, Asylsuchende unter Generalverdacht zu stellen, ihnen Angst zu machen, indem man montagabends schweigend durch die Straßen zieht – und dabei Seit an Seit mit Ultrarechten läuft und Pegida-Anführern beklatscht, deren menschenverachtende Geisteshaltung gestern wieder einem aufschlussreichen „Spiegel“-Bericht zu entnehmen war.

Oft behindern ganz praktische Verständnigungs-Probleme die Job-Vermittlung an Flüchtlinge. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Sprachbarrieren behindern Job-Vermittlung für Flüchtlinge

Arbeitsagentur Dresden: Asylbewerber sind vermittelbar, aber viele können weder Deutsch noch Englisch Dresden, 8. Januar 2014. Damit mehr Flüchtlinge eine Arbeit bekommen und ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können, wie so oft gefordert und gewünscht, sind anscheinend vor allem mehr Deutsch-Kurse für Asylbewerber nötig. „Diesen Menschen eine Arbeit zu vermitteln, sehe ich nicht als das Problem“, schätzte der Dresdner Arbeitsagentur-Direktor Thomas Wünsche auf Oiger-Anfrage ein. „Das Hauptproblem liegt eher darin, dass sich kein Arbeitgeber findet, der jemanden einstellt, von dem er kein Wort versteht.“ Denn auch die Facharbeiter unter den Flüchtlingen beherrschen in aller Regel weder Deutsch noch eine der anderen in Europa üblichen Verkehrssprachen wie etwa Englisch. Umgekehrt spricht kaum ein Arbeitgeber in Sachsen beispielsweise Arabisch oder Persisch.

Frank Richter, der Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Foto: Heiko Weckbrodt

Behörden mitschuld am Hass der Pegidisten

Landeszentralen-Direktor Richter macht emotionale Angst-Traumata, ostdeutsche Transformation und Sturheit von Politikern mitverantwortlich für Anti-Flüchtlings-Reflexe Dresden, 31. Dezember 2014: Für die völlig aus dem Ruder gelaufene Asyldebatte und den „Pegida“-Zulauf in Dresden sind Angst-Traumata aus dem ostdeutschen Transformationsprozess, ein Versagen örtlicher Verwaltungsvertreter sowie kulturelle Missverständnisse mitverantwortlich. Das hat Frank Richter, der Direktor der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, eingeschätzt. Zugleich kündigte er neue Versuche für einen Dialog mit der – im Tenor fremdenfeindlichen – „Pegida“-Bewegung („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) an.