NewsWirtschaft

Krise und KI mindern Fachkräfte-Mangel

In den nächsten Jahren verlassen weit mehr Menschen das Arbeitsleben als neue hinzukommen. Visualisierung: Dall-E
Visualisierung: Dall-E

Ifo misst niedrigsten Wert seit Corona

München/Nürnberg, 19. Februar 2026. Jahrelang galt in Unternehmer-Umfragen der Fachkräftemangel – neben Bürokratie und Energiekosten – als eine der stärksten Aufschwungbremsen. Das hat sich immer mehr geändert, seit Deutschland in der Multikrise steckt. Außerdem fallen viele Arbeiten weg, die nun Künstliche Intelligenzen erledigen, vom Produkttexter bis hin zum Programmierer. Folge: Mittlerweile fehlen nur noch 22,7 Prozent der Betriebe qualifizierte Arbeitskräfte – nach 25,8 Prozent im Oktober. Das ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren, betonen die Ifo-Wirtschaftsforscher aus München, die diese Umfrage ausgewertet haben.

Auch Künstliche Intelligenz wandelt den Arbeitsmarkt

„Eine Rolle spielt weiterhin die schwache konjunkturelle Entwicklung“, sagt Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe. „Gleichzeitig verändert der technologische Wandel, vor allem die künstliche Intelligenz, zunehmend den Arbeitsmarkt.“

Ukrainische Zuwanderer entspannen Arbeitskräfte-Mangel

Auch Zuwanderungseffekte könnten eine Rolle spielen: Ukrainerinnen und Ukrainer, die in jüngerer Zeit nach Deutschland geflohen sind, integrieren sich viel schneller als frühere Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt, hat eine Analyse des „Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“ aus Nürnberg ergeben. „Der frühe und systematische Zugang zu Jobcentern und Förderangeboten beschleunigt den Einstieg in Beschäftigung deutlich“, schätzt IAB-Forscher Philipp Jaschke ein. „Die seit Juni 2022 Zugezogenen profitieren besonders davon – ein deutlicher Hinweis auf die zentrale Rolle institutioneller Rahmenbedingungen für die Integration“.

„Alterung der Bevölkerung trifft auf einen tiefgreifenden technologischen Wandel“

Allerdings sind all dies eher Faktoren, die wahrscheinlich nicht dauerhaft wirken: Wenn der Konjunkturmotor in Deutschland wieder anspringt (was Ökonom Marcel Fratzscher vom IW Halle allerdings generell in Frage stellt), wird wahrscheinlich auch die Nachfrage nach Facharbeitern und anderen Qualifizierten steigen. Und der demografische Wandel verschärft sich derzeit eher, als dass er sich abschwächt – auch wegen einer zu geringen Zuwanderung von Qualifizierten im arbeitsfähigen Alter. Der aktuelle Rückgang dürfe „nicht darüber hinwegtäuschen, dass strukturelle Herausforderungen bestehen bleiben“, meint Wohlrabe. „Die Alterung der Bevölkerung trifft auf einen tiefgreifenden technologischen Wandel – das wird die Nachfrage nach bestimmten Qualifikationen weiter verschieben.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Ifo, IAB, Oiger-Archiv

Fachkräftemangel sinkt auf 22,7 %. Rezession & KI dämpfen Bedarf, IAB lobt Ukraine-Integration

Ifo, IAB, Fachkräftemangel, Arbeitsmarkt, KI, Integration, Ukraine, Klaus, Wohlrabe, Philipp, Jaschke, 2026, Deutschland, Konjunktur

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger