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VW-Manufaktur Dresden montiert morgen ihr letztes Auto

Die VW-Manufaktur Dresden ist Gastgeber für die "Hub disrupt" zum Thema ManufacturingX. Foto: Heiko Weckbrodt
In der VW-Manufaktur Dresden endet morgen die Auto-Serienproduktion. Foto: Heiko Weckbrodt

Aus nach 24 Jahren Fahrzeugproduktion

Dresden, 15. Dezember 2025. Morgen rollt das letzte VW-Auto von der Schuppe in der Gläsernen Manufaktur – ein roter „ID.3 GTX“. Das hat Volkswagen angekündigt. Damit endet ein knappes Vierteljahrhundert Autoproduktion in der sächsischen Landeshauptstadt.

„Zukunftskonzept“ zielt auf Forschen statt Schrauben

Die Konzernspitze in Wolfsburg hatte das Aus beschlossen, weil VW in einer Krise steckt, Kosten sparen will und die Kleinserienfertigung in Dresden für Modelle unterhalb der Oberklasse ohnehin stets zu teuer war. Ab Weihnachten will der Konzern die Manufaktur in ein Innovations- und Erlebniszentrum umbauen. Das gemeinsame „Zukunftskonzept“ mit dem Freistaat Sachsen und der TU Dresden sieht vor, dass VW die Hälfte der Manufaktur weiternutzt: für Auto-Auslieferungen, Forschungen am autonomen Fahren, Prototypenbau und Ausstellungen. Die andere Hälfte vermietet der Konzern an die Dresdner Uni, stiftet vier neue Professuren, die samt zweier Exzellenzzentren und weiterer Forschungseinrichtungen in die Manufaktur einziehen. Diese Vereinbarung hatten VW, Land und TU im Dezember ausgehandelt. Von einstmals rund 550 Beschäftigten vor zehn Jahren ist allerdings durch einen schleichenden Abbauprozess nur noch etwa die Hälfte übrig geblieben: „Ab Januar bauen wir um und starten mit 230 Mitarbeitern ins neue Jahr und in die Geschäftsfelder“, avisiert ein Sprecher.

Piechs Phaeton-Prestigeprojekt endete 2016

Entstanden war die transparente Manufaktur ursprünglich als Prestigeprojekt des damaligen VW-Konzerchefs Ferdinand Piech: Er versuchte dort mit der „Phaeton“-Produktion – parallel zu den konzerneigenen Oberklassewagen von Audi & Co. – den Sprung der Marke „Volkswagen“ in die Oberklasse – mit einer aufwendig inszenierten Montage und Übergabe an zahlungskräftige Kunden wie Udo Lindenberg, Axel Schulz, Christian Thielemann, Wolfgang Stumph und andere Promis. Auf Wunsch konnten die Käufer auch selbst an ihrem Auto mitmontieren.

Letztlich blieben die Erfolge des Edelkonzeptes aber eher mager, daher stoppte VW die Phaeton-Produktion im Jahr 2016, stellte die Minifabrik danach auf Serienmodelle wie den Elektrogolf und dann den ID3-Stromer um.

Die Mitarbeiter der VW Manufaktur Dresden haben 2018 insgesamt 13.735 e-Golfs produziert. Foto: Volkswagen
Damals war die Stimmung noch optimistisch: Schichtarbeiter umzingeln auf diesem Foto aus dem Jahr 2018  einen E-Golf in der VW-Manufaktur Dresden. Foto: Volkswagen

In einem Vierteljahrhundert soviel Autos montiert wie Zittau in einem halben Jahr

Insgesamt rollten zwischen 2001 und 2025 gerade mal 165.508 Fahrzeuge die markanten Schuppenbänder – das hätte das VW-Werk Zwickau rechnerisch in einem halben Jahr geschafft. Darunter waren 84.235 Phaetons zwischen 2001 und 2016. Dazu kamen 2005/2006 sowie 2013/2014 noch mal 2186 Bentleys. Zwischen 2017 und 2020 montierten die Arbeiter dann 50.401 e-Golfs und ab 2021 dann noch 28.686 „ID3“-Elektroautos. In dieser Zeit schraubte VW auch wiederholt am Konzept der Manufaktur herum, richtete einen Firmeninkubator und beerdigte ihn wieder. Zeitweise war die Manufaktur als Entwicklungswerkstatt für neue Produktionstechnologien für den gesamten Konzern gedacht, dann wieder als zentrales Erlebnis-Auslieferungszentrum für Volkswagen-Stromer.

Hinzu kamen unter anderem auch 500 Mach-Mit-Erlebnisse: Sonderführungen, bei denen die Besucher am Auto mitschrauben konnten. „Das gab es beim Phaeton vereinzelt, beim e-Golf teilweise und dann sehr stark beim ID3“, berichtet der VW-Sprecher.

Roter Abschieds-Stromer kommt in eine Ausstellung

Auf dem morgen geplanten Abschieds-ID3 wollen sich die verbliebenen Manufaktur-Werker mit ihren Unterschriften verewigen – der finale Stromer aus Dresden wird dann Teil der Dauerausstellung im Hause. Nach Feiern ist der Belegschaft allerdings nicht zumute, nicht zuletzt auch, weil Dutzende noch nicht wissen, was sie ab Januar eigentlich konkret tun sollen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: VW, Oiger-Archiv, Wikipedia

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger