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Rettet der TSMC-Schub den Flughafen Dresden?

Flughafen Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt
Flughafen Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Wirtschaftskammer rechnet mit steigender Auslastung des defizitären Airports durch neue Ansiedlungen

Dresden, 25. September 2025. Retten der Bau der TSMC-Chipfabrik in Dresden und weitere Folge-Ansiedlungen den defizitären Dresdner Flughafen, den manche wegen seiner geringen Auslastung am liebsten schließen würden? Ja, meint die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden. „Wir sehen Perspektiven und Chancen für den Flughafen Dresden“, betont IHK-Präsident Andreas Sperl. „Durch die Ansiedlungen wird es für die Airlines wieder attraktiver werden, Dresden anzufliegen.“

Frank Bösenberg. Foto: Tommy Halfter für Silicon Saxony
Frank Bösenberg. Foto: Tommy Halfter für Silicon Saxony

„Die Passagierzahlen und auch das Frachtaufkommen werden durch die Investitionen am Standort steigen“, prognostiziert auch Geschäftsführer Frank Bösenberg vom Hightech-Branchenverband „Silicon Saxony“.

Unternehmens-Umfrage geplant

Unterstützen will die Kammer diese Argumentation gegenüber den Fluggesellschaften mit einer Unternehmens-Umfrage Anfang 2026. Die soll den tatsächlichen Dienstreisebedarf der hiesigen Wirtschaft und ihrer Zulieferer quantifizieren. „Damit kann man dann auch an die Airlines herantreten“, sagt Sperl.

Andreas Sperl. Foto: IHK Dresden
Andreas Sperl. Foto: IHK Dresden

„Ich bin sicher, dass der Flughafen Dresden Zukunft hat.“
Präsident Andreas Sperl von der IHK Dresden

Allerdings müsse auch die Infrastruktur in Klotzsche besser ausgelastet werden, auch jenseits des Flugbetriebes. „Davon wird nur ein Drittel genutzt“, schätzt Sperl ein, der früher als Chef der Elbe-Flugzeugwerke unmittelbarer Anrainer des Airports gewesen war. „Was ist mit dem Rest?“ Anscheinend bastelt die Kammer hinter verschlossenen Türen an Lösungsvorschlägen, will im Moment aber noch nichts Näheres dazu verraten. Dies sei „noch zu früh“.

Als das Baade-Team dem SED-Chef die erste "152" im April 1958 zeigten, war das Strahlflugzeug noch längst nicht flugfähig. Foto: EFW-Archiv
Für den Flugzeugbau – hier eine „Baade 152“ – entstanden rund um den Flughafen Klotsche ausgedehnte Gebäudekomplexe. Foto: EFW-Archiv

Airport hat auch Wurzeln beim Militär und Flugzeugbau

Der Flughafen in Dresden-Klotzsche geht auf das Jahr 1935 zurück, hatte damals und dann auch zu DDR-Zeiten einen zivilen und einen militärischen Bereich. In den 1950er Jahren entstanden dort auch zahlreiche Hangare und andere Bauten der DDR-Luftfahrtindustrie, die nach deren Abwicklung 1961 neue Nutzer bekamen, darunter auch der Elektronikanlagen-VEB Elektromat. Einer dieser Hangare, die Halle 219, wurde 2001 zum neuen Passagier-Terminal umgebaut.

Passagierzahlen stark rückläufig

Nach einem deutlichen Anstieg in den ersten zwei Jahrzehnten nach der Wende ist das Fahrgast-Aufkommen inzwischen wieder stark rückläufig, beschleunigt durch die Corona-Krise. Zu beobachten ist eine Abwärtsspirale: Wegen sinkender Auslastung streichen immer mehr Fluggesellschaften Dresden als Abflugort – zuletzt beispielsweise Ryanair – und dadurch wird der Flughafen für potenzielle Reisende immer unattraktiver. Hintergrund ist nicht zuletzt auch die ungünstige Lage: Im Westen konkurriert der Ballungsraum Leipzig-Halle mit seinem Flughafen, im Osten ist es Prag und im Norden Berlin – alle kaum 200 Kilometer entfernt und mit ganz anderen Einzugsgebieten als Dresden.

Flughafen ist vor allem für Mikroelektronik und Kongresse in Dresden wichtig

Allerdings ist die touristische Nutzung eben nur die eine Seite der Medaille und daher hält der Freistaat Sachsen als Miteigentümer am Airport fest: Würde die direkte Fluganbindung wegfallen, wäre das ein großer Rückschlag für den Mikroelektronik- und Kongresstandort Dresden. Denn jedes Mal Umsteigen kann ein Hinderungsgrund für internationale Top-Forscher, Manager und Spitzeningenieure, zu einem Kongress nach Dresden zu fliegen oder eine Investition zu tätigen.

Silicon Saxony: Solange es keine Hochgeschwindigkeits-Bahn nach Leipzig oder Berlin gibt, brauchen wir den Flughafen

„Der Flughafen ist ein Ansiedlungskriterium“, betont Bösenberg. „Solange es keine kompetitive Bahnverbindung zu den Airports in Leipzig oder Berlin haben, brauchen wir zwingend den Flughafen als Zubringer zu den großen Hubs.“

Sachsen-Anhaltiner wollen Dresdner Verluste nicht mehr mitzahlen

Gegenwind gibt es allerdings von anderen staatlichen Miteigentümern wie etwa Sachsen-Anhalt, die keine Lust haben, die Verluste des Dresdner Flughafens weiter mitzubezahlen. Zudem beschweren sich gerade Billig-Airlines wie Ryanair über die hohen Abgaben an deutschen Flughäfen ganz besonders im Falle von Dresden und anderen kleineren Flughäfen, weil diese Gebühren und Steuern an ohnehin schwach ausgelasteten Standorten besonders ins Gewicht fallen. Dieser Punkt ist zwar umstritten. Allerdings sieht auch IHK-Präsident Sperl den Bund in der Pflicht, die Abgabenlast zu senken.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IHK Dresden, MDR.de, Wikipedia, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger