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FMC Dresden will mit merkfähigen Speicherchips Qimonda-Lücke schließen

Sabine Kolodinski und Guido Überreiter zeigen im FMC-Hauptsitz in Dresden einen Wafer mit den neuen merkfähigen Speicherchips. Foto: Heiko Weckbrodt
Sabine Kolodinski und Guido Überreiter zeigen im FMC-Hauptsitz in Dresden einen Wafer mit den neuen merkfähigen Speicherchips. Foto: Heiko Weckbrodt

In Sachsen entwickelte ferroelektrische Speicher sollen Stromhunger von KI und Cloud dämpfen

Dresden, 27. August 2025. Die neue Ferroelektrik-Speichertechnologie aus Dresden wird zentrale Lücken in Europas Mikroelektronik schließen und „Künstlicher Intelligenz“ (KI) aus Deutschland einen Schub verleihen. Das hat Chipdesign-Chef Guido Überreiter vom Dresdner Unternehmen „Ferroelectric Memory Company“ (FMC) versprochen. Zudem werde der Energiebedarf von Speicherchips durch die neue Technologie drastisch sinken – „auf ein Zehntel etwa“, schätzt er.

Comeback für europäische Speicherproduktion

Seit der Pleite von Qimonda im Jahr 2009 sei für Deutschland und ganz Europa eine Lücke in der Halbleiter-Wertschöpfung entstanden, die bis heute nachwirke: „Wir haben keine großen Speicherchip-Designer und -Hersteller mehr“, argumentiert Überreiter, der zuvor unter anderem bei AMD, Globalfoundries und „Von Ardenne“ tätig war.

„Wir haben keine großen Speicherchip-Designer und -Hersteller mehr. Diese Versorgungslücke wollen wir schließen.“
FMC-Chipdesign-Chef Guido Überreiter

Inzwischen aber hat sich KI zu einer wichtigen Schlüsseltechnologie für die gesamte Wirtschaft herauskristallisiert. Um diese Künstlichen Intelligenzen aber zu trainieren und dann in Autos, Fabriken und anderen Einsatzorten zu verwenden, bedarf es besonders schneller und dennoch sparsamer Spezialcomputer. Und dafür werden laut Überreiter eben auch Speicher benötigt, die viel weniger Strom verbrauchen als heutige – andernfalls droht der KI-Boom am eigenen Energiebedarf zu scheitern. „Diese Versorgungslücke wollen wir schließen“, betont der Chipdesigner.

Qimonda Dresden entwickelte Technologie kurz vor dem Untergang

Hintergrund: Noch kurz vor dem Untergang entwickelte Qimonda Dresden einen neuartigen ferroelektrischen Speicherchip aus Hafniumoxid. Anders als klassische dRAM-Speicher im PC brauchte der keine elektrischen Impulse, um sich Daten dauerhaft zu merken, ließ sich zudem dicht packen und viel billiger herzustellen als zum Beispiel Flash-Speicher, wie sie in USB-Sticks stecken. Ein Durchbruch gelang 2007, doch bis zur Insolvenz gelangte die neue Technologie noch nicht in die Massenproduktion. Nach diesem Rückschlag tat sich lange nichts, dann übernahm das Namlab der TU Dresden um Prof. Thomas Mikolajick das Projekt und führte den neuen Speicherchip schließlich zur Praxisreife. 2016 gründete sich auf dieser Basis die FMC aus. Das Unternehmen hat bisher Kleinserien seiner Speicher bei Auftragsfertigern („Foundries“) produzieren lassen, liebäugelte aber bereits 2022 mit dem Bau einer eigenen Fabrik.

Prof. Thomas Mikolajick (links) und FMC-Chef Ali Pourkeramati im neuen Labor von „The Ferroelectric Memory Company“. Foto: Heiko Weckbrodt
Das Archivfoto von 2022 zeigt Prof. Thomas Mikolajick (links) und FMC-Chef Ali Pourkeramati im Labor der „The Ferroelectric Memory Company“. Foto: Heiko Weckbrodt

Milliardenfabrik in Magdeburg geplant

Diese milliardenteure Speicherchipfabrik will die Uni-Ausgründung allerdings nicht in Dresden, sondern in Magdeburg bauen – dort, wo sich eigentlich Intel ansiedeln wollte. Einen Teil der dafür benötigten Gelder will sich FMC über Investoren besorgen. Des Weiteren soll der Bund 1,3 Milliarden Euro als Subvention beisteuern.

FE-Speicher sollen als DIMM-Modul einsteckbar sein

Dahinter steht ein zweigleisiges Geschäftskonzept: Einerseits wollen die Dresdner ihre Technologie an andere Elektronikhersteller lizenzieren, die superschnelle und doch stromsparsame Zwischenspeicher („Cache“) zum Beispiel in KI-Beschleuniger oder Autoelektronik einbauen wollen.

„Das wäre ein Quantensprung“

Anderseits will FMC künftig auch selber massenhaft ferroelektrische Chips herstellen und diese dann zu kompletten Speicher-Modulen weiterverarbeiten. Aus solchen „Dual Inline Memory Modules“ (DIMM) bestehen heute die Hauptspeicher der meisten PCs und Hochleistungscomputer in Rechenzentren. Die Idee der Dresdner ist nun, dass die Nutzer alte DIMM-Module einfach durch die neuen FMC-Module austauschen, die keinen Strom mehr brauchen, um sich Daten zu merken. Dies könnte den derzeit explodierenden globalen Stromverbrauch von Cloud-Rechenzentren und KI-Computertechnik womöglich endlich eindämmen. Überreiter: „Das wäre ein Quantensprung.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: FMC, Linkedin, Oiger-Archiv 

 

 

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Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger