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Sachsens Wirtschaft macht Front gegen Bildungsurlaub

Die Lücken in der Verlagslandschaft werden immer größer. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt
Der Bildungsurlaub ist umstritten. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Dresden, 15. August 2025. Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise in Sachsen und ganz Deutschland kritisieren Wirtschaftsvertreter den in Sachsen geplanten Bildungsurlaub für Arbeitnehmer. „Was wie ein sinnvoller Beitrag zum lebenslangen Lernen aussieht, ist in erster Linie eine Belastung für die sächsische Wirtschaft“, warnen die Industrie- und Handelskammern (IHK) Dresden, Chemnitz und Dresden.

Sie stützen sich dabei auf eine Umfrage unter knapp 300 Mitgliedsunternehmen aus Industrie, Bau, Gastronomie und Tourismus, Handel, Dienstleistungen und Verkehr. Demnach stehen nur 17 Prozent der Befragten dem Vorhaben ohne Einschränkungen positiv gegenüber. Rund drei Viertel erwarten negative Auswirkungen – darunter eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, einen Rückgang des Arbeitsvolumens sowie eine Abnahme betrieblicher Weiterbildungsmaßnahmen.

„Vor dem Hintergrund der seit zwei Jahren angespannten wirtschaftlichen Situation in Sachsen – geprägt von Insolvenzen, Entlassungsplänen, Fachkräftemangel und einer steigenden Teilzeitquote – kommt die Initiative zur Unzeit”, so Max Jankowsky, Präsident der IHK Chemnitz. Hinzu kommen die Kosten für die Freistellung. 75 Prozent der teilnehmenden Unternehmen fordern eine finanzielle Kompensation der entstehenden Kosten durch den Freistaat.

Im Koalitionsvertrag hatten CDU und SPD vereinbart, dass sächsischen Arbeitnehmern ab dem 1. Januar 2027 drei Tage Bildungsurlaub pro Jahr zustehen sollen. Eine vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) unterstützte Initiative hatte im Vorfeld sogar fünf Tage Bildungszeit pro Jahr gefordert – und dafür über 55.000 Unterschriften gesammelt.

Hintergrund: In Deutschland haben fast alle Bundesländer außer Bayern und Sachsen einen gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub – in unterschiedlichem Umfang – verankert. Demnach können sich Arbeitnehmer bis zu fünf Tage im Jahr bezahlt frei nehmen, um sich beruflich oder politische weiterzubilden.

Vor allem die Sozialdemokraten drängen darauf, Bildungsurlaub auch in Sachsen einzuführen. „Wer hilft, soll unterstützt werden. Wer sich qualifizieren will, braucht Zeit“, betont die SPD-Landtagsfraktion. „Der von über 55.000 Menschen unterstützte Volksantrag zeigt: Die Menschen in Sachsen stehen hinter dieser Idee.“

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: IHK DD, Wikipedia, Koalitionsvertrag CDU-SPD Sachsen

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger