Lausitzer Förderanlagen-Hersteller Kreisel gerettet

Regionaler Investor steigt ein und ermöglicht Neustart als „Kreisel Industries“ in Krauschwitz
Krauschwitz, 8. Mai 2025. Ein regionaler Investor hat den pleite gegangenen Förderanlagen-Hersteller „Kreisel“ aus dem Lausitzer Krauschwitz gerettet und einen Neustart als „Kreisel Industries“ ermöglicht. Das haben das Unternehmen und die Insolvenzberater mitgeteilt. Der Investor will nicht genannt werden, hieß es auf Anfrage.
Auch „große Loyalität der Mitarbeiter“ half
„Alle Beteiligten haben trotz aller Schwierigkeiten an einem Strang gezogen und unter Hochdruck gemeinsam daran gearbeitet, für das traditionsreiche und für die Region Lausitz bedeutende Industrieunternehmen Kreisel eine nachhaltige Zukunftslösung zu organisieren“, betonte Insolvenz-Sachwalter und Rechtsanwalt Rüdiger Wienberg. „Ohne die Unterstützung insbesondere der beteiligten Banken, der Lieferanten und Kunden und vor allem auch des Gläubigerausschusses als Vertreter der Gläubiger sowie die große Loyalität der Mitarbeiter von Kreisel zum Unternehmen wäre dies nicht möglich gewesen.“
110 Jobs und 11 Lehrplätze gesichert
Die Belegschaft des alten Betriebes kann demnach vollständig in die neue Gesellschaft wechseln, dadurch seien 110 Arbeitsplätze und elf Lehrplätze gesichert worden, heißt es in der Mitteilung. Kreisel werde sich „auf den Bau eigenkonstruierter Schüttgut-Komponenten konzentrieren“.
Anlagenbauer entstand vor 113 Jahren als Schweißerei
Das Unternehmen geht auf Wilhelm Kreisel zurück, der 1912 eine Schlosserei und Schweißerei in Keula gründete. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Handwerksbetrieb zu einer Maschinenfabrik und Eisengießerei. Nach dem II. Weltkrieg stellte Kreisel Anlagen für internationale Zement- und Torfbetriebe her. Nach der Verstaatlichung 1972 gehörte Kreisel als „VEB Entstaubungstechnik Krauschwitz“ zum Kombinat Luft- und Kältetechnik Dresden.
Die Reprivatisierung 1992 mit 85 Mitarbeitern markierte einen Neuanfang als regionaler, aber international agierender Anlagenbauer in der Lausitz. Kreisel wuchs, baute 2007 eine neue Fertigungshalle, eröffnete 2011 einen Standort in Hamburg und übernahm 2014 die Schäffer Verfahrenstechnik aus Thierhaupten. 2024 beschäftigte Kreisel an seinen drei Standorten rund 160 Mitarbeiter, die pneumatische Förderanlagen und -komponenten für Kunden in über 100 Ländern bauten.
Cyberangriff schickte Kreisel ins Abseits
Bereits die Coronakrise 2020 verschlechterte aber bereits die Ertragslage. Ein Cyberangriff schränkte Kreisel zudem im ersten Quartal 2024 für mehrere Wochen massiv in seiner Handlungsfähigkeit ein. Auftragsrückgänge, hohe Energiekosten und andere Phänomene der deutschen Multikrise brachten das Unternehmen weiter in Schieflage. Im November 2024 war Kreise zahlungsunfähig, durfte aber eine Sanierung in Eigenregie versuchen. Mit Unterstützung von Insolvenz-Beratern gelang es nun, einen Investor als Rettungsanker zu finden. Der bisherige Geschäftsführer Wolfram Kreisel ist auch Chef des neuen Unternehmens „Kreisel Industries.“
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: ABG, Kreisel

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