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Kommentar: Neuer Treibstoff für die deutsche Multikrise

In einigen Bundesländern ist während der Corona-Krise ein Viertel der Beschäftigten in die Kurzarbeit gerutscht. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt
Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Die Krisenstimmung und der Ärger in der sächsischen Wirtschaft sind nachvollziehbar – gerade an einem Tag wie dem gestrigen, an dem Trump-Wahlsieg, Ampel-Aus ohne raschen Perspektivwechsel und die gescheiterten Brombeer-Verhandlungen in Sachsen zusammengekommen sind.

Viele Unternehmer und Ökonomen nicht nur in Sachsen sehen Deutschland in einer Multikrise, die Bund, EU und Länder längst hätten ernsthaft angehen müssen: Langfristig hat der Wirtschaftsstandort Deutschland bereits in der Ära Merkel und dann verstärkt in der Ampel-Zeit an Attraktivität verloren. Derweil hat die internationale Konkurrenz – vor allem die Chinesen – bei der Qualität von selbstgefertigten Maschinen, Autos und anderen Produkten deutlich aufgeholt und unterbietet die Deutschen in vielen Segmenten preislich mühelos.

Hinzu kommen die neueren Krisenerscheinungen: Seit den Corona-Ausgangssperren und Lieferkettenstörungen hat sich die deutsche Wirtschaft – anders als in vielen anderen Ländern – nicht so recht wieder aufrappeln können. Hinzu kamen staatlich verordnete starke Mindest-Lohnerhöhungen und andere Belastungen. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und den darauf durch EU und Deutschland beschlossenen Sanktionen ist der russische Markt für deutsche Unternehmen und speziell auch die Sachsen passé, die schon vorher sehr hohen deutschen Energiepreise sind durch den Verzicht auf das russische Erdgas noch mal in die Höhe geschnellt. Auch bindet eine ansteigende Flut aus neuen Gesetzen, Verordnungen und Berichtspflichten aus Brüssel und Berlin, die ebenfalls in wachsendem Maße Ressourcen in den Unternehmen. Hinzu kam und kommt die gleichermaßen sehr ambitionierte wie auch sehr sprunghafte Umwelt-, Wirtschafts- und Finanzpolitik der Ampel, die langfristige Investitionsplanungen stark erschwert. Und mit Donald Trump dürften Wirtschaftskriege der USA gegen China und den Rest der Welt noch mal deutlich an Fahrt aufnehmen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Ein Kommentar zum Bericht:

Rabenschwarzer Tag für den Wirtschaftsstandort

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt

Heiko Weckbrodt

[caption id="attachment_177887" align="aligncenter" width="155"]Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski Heiko Weckbrodt. Foto: Katrin Tominski[/caption] Heiko Weckbrodt war 16 Jahre als Redakteur bei den "Dresdner Neuesten Nachrichten" tätig und betreute dort neben anderen Themen die Schwerpunkte Wirtschaft, Technologieunternehmen und Forschung sowie die Computerseite. Studiert hat er Publizistik und Geschichte mit dem Fokus DDR-Wirtschaftsgeschichte. Inzwischen ist er als freiberuflicher Journalist tätig und publiziert vor allem auf der Nachrichtenplattfom "Oiger", schreibt aber gelegentlich auch für andere Magazine und Publikationen. Lieblingsbeschäftigung: Lesen! Privat schreibt er über seine Ausflüge auf dem Blog "Reise-Oiger". Heiko Weckbrodt ist Autor der Sachbücher

Profile

Kurzvita:

•  Geboren 1970 • 1991-96 Studium der Geschichte und Publizistik an der Freien Universität Berlin • 1990-1997: zunächst nebenberuflich, später als Vollzeitjob freier Journalist (u. a. Siegener Zeitung, Sächsische Zeitung, Dresdner Neueste Nachrichten) • 1999-2000 Volontariat bei den Dresdner Neuesten Nachrichten • 2000-2014: Redakteur bei den Dresdner Neuesten Nachrichten (u.a. Gerichtsreporter, Sozialpolitik, Wirtschaft, Forschung) • seit 2015: freiberuflicher Journalist und Herausgeber des Nachrichtenportals Oiger